Dämpfer für den Deutschland-Tourismus im Juni
Nach dem starken Auftakt ins Jahr hat der Deutschland-Tourismus im Juni spürbar an Schwung verloren. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten verzeichneten 48,9 Millionen Übernachtungen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2,9 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Trotz des Rückgangs bleibt die Branche im ersten Halbjahr insgesamt knapp auf Rekordniveau.
Ein Grund für das schwächere Juni-Ergebnis dürfte die Lage der Pfingstferien sein. Im Vorjahr fiel Pfingsten vollständig in den Juni und sorgte wie üblich für besonders viele Reisen. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) verweist darüber hinaus auf die gedrückte Konsumstimmung und mangelhafte Verkehrsverbindungen als Belastungsfaktoren. Der Tourismus steuert immerhin fast vier Prozent zur deutschen Bruttowertschöpfung bei.
Weniger Inlandsreisen, mehr ausländische Gäste
Vor allem Reisende aus Deutschland buchten im Juni seltener. Ihre Übernachtungszahl sank um 3,6 Prozent auf 41,2 Millionen. Bei Gästen aus dem Ausland zeigte sich dagegen ein leichter Zuwachs: Die Zahl ihrer Übernachtungen stieg um 1,6 Prozent auf 7,7 Millionen.
Erstes Halbjahr weiter knapp über Bestmarke
Von Januar bis Juni wurden insgesamt 223,8 Millionen Übernachtungen gezählt. Das entspricht einem Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die erste Jahreshälfte 2025 hatte mit 223,1 Millionen Übernachtungen bislang den Höchstwert markiert. Bei den ausländischen Gästen fiel das Wachstum mit 0,5 Prozent etwas stärker aus als bei den inländischen Reisenden, die um 0,3 Prozent zulegten.

Wirtschaftliche Unsicherheit bremst die Reiselust
Nach Einschätzung des BTW wirkt sich die persönliche finanzielle Unsicherheit vieler Menschen zunehmend auf das Reiseverhalten aus, auch vor dem Hintergrund internationaler Krisen. In einer Umfrage Ende April und Anfang Mai im Auftrag des Verbands gaben 40 Prozent der Befragten an, in diesem Jahr bei Reisen sparen zu wollen. 22 Prozent erklärten, zumindest teilweise auf Urlaubsreisen zu verzichten.
Besonders betroffen seien ältere Menschen sowie Haushalte mit niedrigerem Einkommen. BTW-Präsident Sören Hartmann sagte, wer um Arbeitsplatz oder Einkommen fürchte, spare irgendwann auch bei Reisen und Freizeit.
Deutschland punktet als sicheres Ziel
Mit 36,4 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste im ersten Halbjahr bleibt Deutschland im internationalen Tourismus aber weiterhin unter dem Vorkrisenniveau. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 waren rund 3,4 Millionen mehr Übernachtungen aus dem Ausland registriert worden.
Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die das Deutschland-Incoming vermarktet, verweist dennoch auf Zugewinne unter schwierigen Bedingungen. DZT-Chefin Petra Hedorfer sieht weltweit einen Trend zu kurzfristigeren Buchungen, stärkerem Sicherheitsbedürfnis und Reisezielen in geringerer Entfernung. Davon könne Deutschland in dieser Sommersaison profitieren – dank seiner zentralen Lage, eines attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses und des Images als sicheres Reiseland.
Schwächere Fluganbindung belastet
Nach Einschätzung des BTW spielen auch strukturelle Probleme eine Rolle bei den noch immer gedämpften Besucherzahlen aus dem Ausland. Genannt werden veränderte Geschäftsreisegewohnheiten, komplizierte Visaregeln und eine schlechtere Anbindung im Luftverkehr.
Dazu passen Daten des Flughafenverbands ADV. Demnach erreichte die Zahl der Flugbewegungen im ersten Halbjahr nur 77 Prozent des Niveaus von 2019. Besonders stark wurde das Angebot auf innerdeutschen Strecken reduziert. Aber auch im Europa- und Fernverkehr gibt es weniger Verbindungen. Vor allem Regionen außerhalb der großen Drehkreuze verlieren damit den Anschluss an internationale Märkte.
Klimawandel rückt stärker in den Fokus
Das Wetter dürfte nach Einschätzung des BTW im ersten Halbjahr höchstens bei Kurzentschlossenen eine größere Rolle gespielt haben – etwa wegen der kühlen Phase zu Jahresbeginn oder der starken Hitze Ende Juni. Im Vergleich zu überhitzten Mittelmeerzielen könnte Deutschland als Reiseziel sogar attraktiver werden.
Der Deutsche Tourismusverband mahnt jedoch, die Folgen des Klimawandels nicht zu unterschätzen. Geschäftsführer Norbert Kunz warnte, dass Hitze bereits Straßen und Schienen beschädige und Trockenheit die Wasserstände von Flüssen und Seen sinken lasse. Gerade den Kommunen fehlten oft die finanziellen Mittel, um in Hitzeschutz und Vorsorge gegen Extremwetter zu investieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber