Wirtschaft

Überraschung bei Pleiten in Bayern

Weniger Privatpleiten, dafür explodieren Firmeninsolvenzen: Warum Bayerns Regionen jetzt so dramatisch auseinanderdriften.

11.08.2026, 12:49 Uhr

Weniger Insolvenzen in Bayern im ersten Halbjahr

In Bayern ist die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr leicht zurückgegangen. Nach Angaben des Landesamts für Statistik wurden 7.511 Verfahren registriert – das sind 22 weniger als im zweiten Halbjahr 2025. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Rückgang bei den Verbraucherinsolvenzen: Deren Zahl sank um 3 Prozent auf 3.659.

Besonders deutlich fiel das Minus bei den Privatinsolvenzen in Unterfranken aus, wo die Zahl im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 um 28,8 Prozent zurückging. Auch Niederbayern mit minus 8,5 Prozent, Oberfranken mit minus 8,2 Prozent und die Oberpfalz mit minus 4,9 Prozent verzeichneten spürbare Rückgänge. In Mittelfranken (-2,1 Prozent) und Oberbayern (-1,3 Prozent) fiel das Minus dagegen geringer aus. Eine Ausnahme bildete Schwaben: Dort nahm die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 19,5 Prozent zu.

Deutliches Plus bei Firmenpleiten

Anders sieht es bei den Unternehmen aus. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 um etwas mehr als 8 Prozent auf 1.179 Fälle. Damit wurde der höchste Halbjahreswert seit über zehn Jahren erreicht. Das Ergebnis liegt zudem fast exakt auf dem Niveau einer Prognose der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die Ende Juni bereits mit 1.180 Fällen gerechnet hatte. Als Hintergrund gilt die anhaltende wirtschaftliche Schwäche.

Regional entwickelt sich die Lage jedoch sehr unterschiedlich. In Mittelfranken legten die Firmeninsolvenzen um 46,4 Prozent zu, in Niederbayern um 20,2 Prozent. Deutlich moderater fielen die Zuwächse in Oberbayern mit 3,6 Prozent und in Schwaben mit 1,4 Prozent aus. In drei Regierungsbezirken wurden dagegen weniger Unternehmensinsolvenzen gemeldet: in der Oberpfalz minus 3,1 Prozent, in Oberfranken minus 7,4 Prozent und in Unterfranken minus 9,3 Prozent. Das Landesamt für Statistik betonte allerdings, dass es auf Ebene der Regierungsbezirke häufiger zu stärkeren Schwankungen kommen könne.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht in dem Anstieg der Firmeninsolvenzen ein deutliches Warnsignal für den Wirtschaftsstandort. Die Zahlen machten sichtbar, wie stark strukturelle Probleme die Wettbewerbsfähigkeit belasteten, erklärte der Verband. Zusätzlich wirkten geopolitische Krisen, die harte Zollpolitik der USA sowie aus Sicht der vbw unfaire Handelspraktiken Chinas und der zunehmende Wettbewerbsdruck aus dem Ausland.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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