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Alarm in Europa: Bombendrohungen gegen Passagierflüge

Neue Bombenhinweise auf Europas Flügen: Mehrere Maschinen und Flughäfen betroffen – was steckt hinter der Alarmserie?

05.11.2026, 11:44 Uhr

Erneut Bombendrohungen gegen zahlreiche Flüge in Europa

Zum zweiten Mal in dieser Woche haben Bombendrohungen den Flugverkehr in Europa gestört. Allein am Donnerstag waren nach bisherigen Angaben mehr als ein Dutzend Passagierflüge betroffen. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet und von Sprengstoffexperten kontrolliert. Hinweise auf tatsächliche Sprengsätze gab es bislang nicht. Unklar blieb zunächst auch, ob die Vorfälle zusammenhängen und wer hinter den teils per E-Mail verschickten Drohungen steckt. Behörden in mehreren Ländern ermitteln.

Unter anderem wurde ein Linienflug von Dublin nach Rom nach Frankreich umgeleitet. Nach Angaben des französischen Premierministeramts landete die Maschine auf dem Militärflugplatz Évreux, rund 100 Kilometer nordwestlich von Paris. Die 151 Passagiere und sechs Crew-Mitglieder wurden in Sicherheit gebracht, während Spezialisten das Flugzeug untersuchten. Die französische Luftverkehrs-Gendarmerie nahm Ermittlungen auf.

Eskorte durch italienische Kampfjets

Auch in Italien kam es zu Zwischenfällen. Ein Finnair-Flug aus Helsinki wurde nach anonymen Hinweisen auf einen möglichen Sprengsatz an Bord von Kampfjets der italienischen Luftwaffe begleitet und landete sicher am Flughafen Rom-Fiumicino. Dort leiteten Sprengstoffexperten der Polizei Sicherheitskontrollen ein.

Ein weiteres Flugzeug, das am Morgen in Mailand-Malpensa gestartet war, wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa wegen einer während des Fluges eingegangenen Bombendrohung nach Wien umgeleitet und landete dort.

Ein Sprecher der österreichischen Polizei bestätigte die Landung. Zuvor war demnach in Polen eine E-Mail mit einer Bombendrohung eingegangen. In Wien wurde jedoch keine konkrete Gefährdung festgestellt. Die Maschine konnte ihre Reise nach Warschau fortsetzen.

Nach Angaben des Polizeisprechers handelte es sich um eine „abstrakte“ Drohung. Zudem ging in Wien eine weitere E-Mail mit Bombendrohungen gegen vier Flüge von und nach der österreichischen Hauptstadt ein. Mit dem aus Mailand kommenden Flug stand diese Warnung inhaltlich jedoch nicht in Zusammenhang.

Dänemark und Tschechien ebenfalls betroffen

Am Flughafen Kopenhagen gingen ebenfalls Drohungen gegen zwei Flüge ein. Bei der Durchsuchung der Maschinen wurde jedoch nichts Verdächtiges gefunden. Nach Einschätzung der Polizei bestand beziehungsweise besteht keine Gefahr für Passagiere oder andere Menschen am Flughafen.

Auch in Prag kam es zu Einschränkungen im Flugverkehr. Die tschechische Polizei teilte auf X mit, man habe Warnungen über mutmaßliche improvisierte Sprengsätze an Bord von vier Flugzeugen erhalten. Nach der Landung am internationalen Václav-Havel-Flughafen wurden die Maschinen von Spezialisten durchsucht. Später gaben die Behörden Entwarnung.

Nach Angaben des Innenministeriums stehen die tschechischen Behörden mit Partnern im Ausland in Kontakt. Die nationale Sondereinheit für den Kampf gegen Terrorismus, Extremismus und Cyberkriminalität übernahm die Ermittlungen.

Weitere Drohungen gegen Flüge nach Bulgarien und Rumänien

Auch Flüge nach Bulgarien und Rumänien waren betroffen. Nach Angaben der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA erhielten drei Ryanair-Maschinen auf dem Weg nach Bulgarien Bombendrohungen. Ein Flug aus London wurde daraufhin zum Flughafen Plowdiw umgeleitet. Zwei weitere Maschinen aus Kopenhagen und Madrid landeten planmäßig in Sofia.

Einen ähnlichen Vorfall gab es in Rumänien: Ein Flugzeug der Gesellschaft Wizz Air erhielt auf dem Weg von Mailand nach Bukarest eine Bombendrohung, landete jedoch sicher und planmäßig in der rumänischen Hauptstadt. Wie die Nachrichtenagentur Mediafax berichtete, untersucht der rumänische Inlandsgeheimdienst SRI das Flugzeug.

Eurocontrol beobachtet die Lage

Bereits am Dienstag hatte es ähnliche Drohungen gegen kommerzielle Flüge in Europa gegeben. Der Flughafen Warschau musste deshalb zeitweise geschlossen werden.

Die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol teilte mit, sie beobachte die Lage und arbeite eng mit Fluggesellschaften, Flughäfen, Flugsicherungsorganisationen und weiteren Stellen in Europa zusammen, um mögliche Auswirkungen auf den Luftverkehr zu begrenzen.

Ein britischer Regierungssprecher hatte die Vorfälle vom Dienstag im Zusammenhang mit mehreren aus Großbritannien gestarteten Flügen als „böswillig vorgetäuschte Drohungen“ bezeichnet. Die Londoner Polizei erklärte, ihre Luftfahrteinheit beobachte die Entwicklung. Laut einem Bericht des „Guardian“ gibt es aus Ermittlerkreisen in Großbritannien bislang keine unmittelbaren Hinweise auf einen staatlichen Akteur. Ein Experte sagte der Zeitung, falsche Drohungen gegen Passagierflüge kämen zwar regelmäßig vor. Dass Maschinen umgeleitet wurden, deute aber darauf hin, dass die Hinweise als glaubhaft und spezifisch eingestuft worden seien.

Solche Vorfälle gab es auch früher

Bombendrohungen gegen den Luftverkehr sind in Europa kein neues Phänomen. Im Oktober 2026 musste ein Austrian-Airlines-Flug von Tel Aviv nach Wien nach Sofia ausweichen; eine konkrete Gefahr wurde nicht festgestellt. Im Januar 2026 löste ein Passagier auf einem Turkish-Airlines-Flug nach Barcelona Alarm aus, weil der Name seines WLAN-Hotspots eine Bombendrohung enthielt. Sprengsätze wurden auch dort nicht gefunden.

Bereits in den Vorjahren hatte es Häufungen gegeben: Im Herbst 2023 registrierten die Behörden in Deutschland mehr als 250 Bombendrohungen, unter anderem gegen den Hamburger Flughafen. In Frankreich wurden im Oktober 2023 wiederholt Regionalflughäfen vorübergehend evakuiert, an einem Tag allein elf. Im März 2020 gingen in Russland an einem einzigen Tag Bombendrohungen gegen sieben Passagierflüge ein; alle Maschinen landeten planmäßig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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