Wenn Nebel die Sicht nimmt: Wetterphänomen mit Folgen
Ein grauer Morgen, nasse Felder und verschwommene Lichter im Dunst: Viele Pendler erleben derzeit, wie Nebel die Sicht auf den Straßen stark einschränkt. Doch Nebel ist nicht nur Ausdruck trüber Herbsttage. Das Phänomen hat immer wieder gefährliche Situationen verursacht und sogar Spuren in der Sprache hinterlassen.
Was Nebel eigentlich ist
Nebel besteht aus kondensiertem Wasserdampf. Winzige Wassertröpfchen schweben in der Luft und verschlechtern die Sicht. Von Nebel spricht man dann, wenn in Bodennähe die Sichtweite unter einem Kilometer liegt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) entsteht Nebel vor allem dann, wenn Luft abkühlt, der Wasserdampfgehalt durch Verdunstung zunimmt oder warme feuchte und kalte Luft aufeinandertreffen.
Besonders neblig: der Brocken
Zu den nebelreichsten Orten Deutschlands zählt laut DWD der Brocken im Harz. Dort wurde 1958 ein außergewöhnlicher Rekord registriert: An 330 Tagen des Jahres herrschte Nebel.
Die Katastrophe von der A9
Wie gefährlich dichter Nebel werden kann, zeigte sich im Oktober 1990 auf der A9 in Oberfranken in der Münchberger Senke. Dort entstand plötzlich eine dichte Nebelwand, in deren Folge rund 100 Fahrzeuge in Unfälle verwickelt wurden. Dramatisch wurde die Lage, als ein fast 40 Tonnen schwerer Milchtransporter mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit in die Unfallstelle fuhr und die Autos wie ein Schneepflug zusammenschob.
Bei dem Unglück kamen zehn Menschen ums Leben, 122 wurden verletzt, darunter 38 schwer. Wegen des Nebels konnten keine Rettungshubschrauber eingesetzt werden. Viele Verletzte mussten deshalb mit Krankenwagen transportiert oder sogar in Arztpraxen versorgt werden. Die Strecke in der Senke wurde später entschärft.

Nebel in der Luftfahrt
Auch im Flugverkehr spielt Nebel eine große Rolle. Bei schlechter Sicht orientieren sich Piloten mithilfe von Funksignalen vom Boden, um sicher zur Landebahn zu gelangen. Ob eine Landung erlaubt ist, hängt von festgelegten Mindestsichtwerten ab, die für jeden Flughafen in den Anflugkarten vermerkt sind.
Ist die Sicht zu schlecht, können Maschinen zunächst in der Luft warten, bis sich die Bedingungen verbessern. Da der Treibstoff jedoch begrenzt ist, bleibt oft nur die Umleitung zu einem anderen Flughafen oder eine Verschiebung des Flugs am Boden.
Nebel in der Sprache
Das Wort „Nebel“ ist sehr alt und lässt sich bis ins Althochdeutsche des 8. Jahrhunderts zurückverfolgen. Es ist mit dem lateinischen „nebula“ verwandt, was so viel wie Dunst, Nebel oder Wolke bedeutet.
Auch in Redewendungen lebt der Begriff fort. Wer „im Nebel stochert“, sucht ohne verlässliche Informationen nach einer Lösung. „Nebelkerzen werfen“ meint, mit Ablenkungsmanövern vom eigentlichen Thema abzulenken. Und wenn etwas „im Nebel liegt“, ist die Sache noch unklar.
Der belastete Begriff „Nacht und Nebel“
Die Formulierung „Nacht und Nebel“ ist vielen als Ausdruck für etwas Heimliches bekannt. Tatsächlich hat der Begriff jedoch einen düsteren historischen Hintergrund. Am 7. Dezember 1941 erließ Adolf Hitler einen geheimen Befehl, mit dem Straftaten gegen das Deutsche Reich oder die Besatzungsmacht in besetzten Gebieten verfolgt werden sollten.
Konnten Verdächtige nicht schnell von einem Sondergericht verurteilt werden, wurden sie heimlich nach Deutschland gebracht. In vielen Fällen kamen sie in Konzentrationslager, während ihre Angehörigen nichts über ihr weiteres Schicksal erfuhren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber