Wenn am 11.11. die Narrenzeit beginnt
Am kommenden Mittwoch startet pünktlich um 11.11 Uhr wieder die fünfte Jahreszeit. Mit Rufen wie „Helau“ oder „Alaaf“ eröffnen Karnevals- und Fastnachtsfreunde ihre liebste Zeit des Jahres. Doch was macht einen echten Narren eigentlich aus?
Wolfgang Huskitsch vom Fastnacht-Verband Franken erklärt, dass hinter dem närrischen Treiben weit mehr steckt als Verkleidung und Konfetti.
Narren haben traditionell eine besondere Aufgabe
Ein Narr ist nach klassischem Verständnis nicht einfach jemand im Kostüm. Vielmehr gehört zur Fastnacht seit Jahrhunderten, dass man Obrigkeiten und Politikern offen die Meinung sagen darf, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Genau dieser Gedanke lebt bis heute fort – etwa in Büttenreden, bei Prunksitzungen oder auf Motivwagen in Rosenmontagszügen, die Politiker und gesellschaftliche Themen satirisch aufs Korn nehmen.
Auch wenn heute vielerorts vor allem das Feiern im Vordergrund steht, bleibt dieser Ursprung ein wichtiger Teil des Brauchtums. Dabei ist die Fastnacht offen für alle: Ob Männer, Frauen oder gleichgeschlechtliche Prinzenpaare – längst ist Vielfalt selbstverständlich.
Ohne Kostüm kein närrischer Auftritt
Zur Grundausstattung gehört natürlich eine Verkleidung. Ob Clown, Cowboy oder Kartoffel – entscheidend ist weniger die Originalität als die Alltagstauglichkeit auf der Feier. Wer sich darin problemlos bewegen, sitzen und schunkeln kann, ist gut vorbereitet.
Auch eine auffällige Kopfbedeckung darf nicht fehlen. Perfekt sitzen muss sie nicht, Hauptsache sie fällt auf. Denn wer sich kostümiert, zeigt vor allem eines: Humor und Lust am Mitmachen.

Allerdings, so Huskitsch, wird man nicht allein durch ein lustiges Hütchen oder ein paar Konfettischnipsel zum Narren. Wichtig sei auch das Bewusstsein dafür, warum man sich überhaupt verkleidet.
Eigene Sprache je nach Region
Narren grüßen nicht mit „Guten Tag“. Stattdessen heißt es in Franken „Helau“, in Köln „Alaaf“. Andere Regionen haben wiederum ihre ganz eigenen Rufe und Gesten, besonders in der schwäbisch-alemannischen Fasnet.
Diese Ausrufe stehen auch für Heimatgefühl und Zugehörigkeit. Mit ihnen zeigt man, zu welchem Ort und zu welcher Narrentradition man gehört. Timing ist dabei alles: Wer zu früh oder zu spät ruft, verrät schnell, dass er noch unerfahren ist.
Schunkeln will gelernt sein
Was einfach aussieht, ist in Wahrheit fast schon eine kleine Kunst. Beim Schunkeln bewegen sich Oberkörper und Arme im Takt der Musik, meist mit eingehakten Nachbarn. Gesungen wird mit Begeisterung – auch wenn nicht jede Zeile des Liedes sitzt. Beim Refrain sollte allerdings jeder textsicher genug sein.
Bei langen Prunksitzungen ist außerdem regelmäßiges Aufstehen und Mitklatschen gefragt, etwa wenn Garden einmarschieren oder Büttenredner verabschiedet werden. Nur still auf dem Platz zu sitzen, passt nicht zum närrischen Programm.
Konfetti mit Maß und Stil
Konfetti gehört zur Fastnacht fast automatisch dazu. Wer es plötzlich in Haaren, Taschen oder sogar im Kaffee wiederfindet, sollte das gelassen nehmen. Verteilt wird großzügig, aber möglichst rücksichtsvoll – also besser nicht direkt ins Gesicht der Sitznachbarn.
Weil Müllvermeidung und Umweltschutz inzwischen vielerorts wichtiger geworden sind, landen bei Umzügen heute oft eher Bonbons und andere Süßigkeiten in der Menge als Konfetti. Vor allem Kinder sammeln die geworfenen Leckereien eifrig ein. Und natürlich darf auch der Krapfen nicht fehlen.
Warum die Zahl 11 so wichtig ist
In der Fastnacht spielt die 11 traditionell eine besondere Rolle. Viele Sitzungen beginnen nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später. Geleitet werden sie oft vom Elferrat.
Die Zahl gilt als klassische Narrenzahl: Sie liegt zwischen Ordnung und Ausbruch, zwischen den zehn Fingern und den zwölf Aposteln – also weder ganz dies noch ganz das. Schon im Mittelalter wurde sie mit dem Närrischen verbunden.
Hinzu kommt ein historischer Bezug: Der 11. November, also der Martinstag, markierte früher das Ende der Erntezeit. Das wurde gefeiert – gern mit gutem Essen, einer Martinsgans und nicht selten auch mit reichlich Getränken, bevor anschließend eine Fastenzeit bis Weihnachten begann.
Prinzenpaare und regionaler Auftakt
Viele der rund 350 Vereine im Fastnacht-Verband Franken stellen am 11.11. ihre neuen Prinzenpaare vor. So wird etwa in Würzburg das Prinzenpaar proklamiert, in München präsentiert die Narrhalla ihr offizielles Paar, und in Nürnberg wird das neue Prinzenpaar im Rathaus empfangen.
Für Anhänger der schwäbisch-alemannischen Fastnacht beginnt die Session traditionell dagegen erst am 6. Januar.
Die heiße Phase folgt im neuen Jahr
Richtig Fahrt nimmt die närrische Zeit im Januar und Februar auf. Gerade Franken gilt in Bayern als eine der Hochburgen der Fastnacht. Dann füllen Umzüge, Prunksitzungen und Rathausstürme Straßen und Säle.
Ein besonderer Höhepunkt ist erneut die Fernsehsendung „Fastnacht in Franken“ des Bayerischen Rundfunks, die am 28. Januar ausgestrahlt wird. Viel Zeit bleibt in dieser Saison allerdings nicht: Schon am 10. Februar 2027 ist wieder Aschermittwoch – und damit endet das närrische Treiben schneller als manchem lieb sein dürfte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber