Europäische Mission "Flex" soll Stress bei Pflanzen aus dem All sichtbar machen
Um besser zu verstehen, wie stark Pflanzen weltweit unter Belastungen leiden, ist eine neue europäische Satellitenmission gestartet. Der Erdbeobachtungssatellit "Flex" wurde am frühen Morgen mit einer Vega-C-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ins All gebracht, wie die ESA mitteilte. Ziel der Mission ist es, die Photosynthese von Pflanzen zu beobachten und daraus neue Erkenntnisse über ihren Einfluss auf den Kohlenstoff- und Wasserkreislauf zu gewinnen.
Ein kaum wahrnehmbares Leuchten als Messgröße
"Flex" erfasst die sogenannte Fluoreszenz von Pflanzen. Bei der Photosynthese senden sie ein extrem schwaches Leuchten im roten Spektralbereich aus, das mit dem menschlichen Auge nicht erkennbar ist. Dank eines hochempfindlichen Spektrometers kann der Satellit dieses Signal dennoch aus rund 815 Kilometern Höhe messen.
Dieses Leuchten entsteht in den Molekülen, die den Prozess der Photosynthese antreiben. Es gilt als überschüssige Energie, kann aber zugleich Hinweise darauf geben, dass eine Pflanze unter Stress steht. Denn wenn Pflanzen belastet sind, läuft die Photosynthese meist nur eingeschränkt ab.
Veränderungen zeigen sich früher als sichtbare Schäden
Während äußere Anzeichen wie welke Blätter oft erst nach Tagen oder Wochen auftreten, lassen sich Veränderungen im Fluoreszenzsignal deutlich früher erkennen. Die Auswertung ist jedoch komplex, weil das Signal je nach Art, Dauer und Stärke des Stresses sowohl ansteigen als auch abfallen kann.

Deshalb wollen Forschende die Daten von "Flex" mit weiteren Messwerten kombinieren. Dabei hilft der Begleitsatellit "Sentinel-3C", der unter anderem Informationen zur Oberflächentemperatur liefert. So soll ein umfassenderes Bild der Pflanzengesundheit entstehen.
Globale Beobachtung über mehrere Jahre
Schon heute wird die Fluoreszenz von Pflanzen mit Messanlagen auf Türmen sowie mit Drohnen und Flugzeugen erfasst. Mit "Flex" hoffen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun auf einen deutlich umfassenderen Blick aus dem All. Der Satellit soll die Erde 14 Mal täglich umrunden und denselben Ort planmäßig alle 27 Tage erneut überfliegen.
Die auf drei Jahre angelegte Mission kostet rund 350 Millionen Euro. Sie soll zeigen, wie stark Faktoren wie Dürre, Nährstoffmangel oder Krankheiten Pflanzen beeinträchtigen. Im besten Fall kann sie auch helfen zu klären, warum Pflanzen unter sich verändernden Klimabedingungen in Stress geraten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber