Becker fordert Zeitlimit vor dem zweiten Aufschlag
Auch Boris Becker spricht sich wegen Alexander Zverevs auffälliger Routine vor dem zweiten Service für eine Anpassung der Tennisregeln aus. In seinem Podcast mit Andrea Petkovic sagte der 58-Jährige, er habe an Zverev eigentlich nur einen Kritikpunkt: das ständige Balltippen vor dem zweiten Aufschlag. Aus Beckers Sicht brauche es dringend eine klare Vorgabe, wie viel Zeit sich ein Spieler dafür nehmen darf.
Beim US-Open-Triumph in New York ließ Zverev den Ball vor dem Aufschlag immer wieder besonders oft aufspringen. Anders als vor dem ersten Aufschlag gibt es für den zweiten bislang kein eigenes Zeitlimit. Nach der Ansage des Spielstands durch den Schiedsrichter bleiben für den ersten Service 25 Sekunden. Becker erklärte, ihn habe das beim Kommentieren regelrecht nervös gemacht, weil er sich mehrfach gefragt habe, wann Zverev endlich mit dem Aufschlag beginne.
Mit seiner Kritik steht Becker nicht allein. Schon Zverevs im Halbfinale unterlegener Gegner Karen Chatschanow hatte sich über diese Angewohnheit beschwert. Auch Finalist Ben Shelton plädierte nach seiner Niederlage für eine Regeländerung.
Lob für Zverevs historische Saison
Abgesehen davon habe Zverev laut Becker nahezu alles richtig gemacht. Der Hamburger hatte bereits vor gut drei Monaten bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen und nun auch die US Open für sich entschieden. Becker sprach deshalb von einer historischen Leistung: Zwei Grand-Slam-Siege in einem Jahr seien etwas ganz Besonderes.

Der frühere Wimbledon-Champion war bislang der einzige deutsche Tennisspieler, der das Turnier in New York gewinnen konnte. Nun hält er es auch für realistisch, dass Zverev ihm als zweiter deutscher Weltranglistenerster bei den Männern nachfolgt. Mit Blick auf die ATP Finals im November in Turin sagte Becker, Zverev habe auf diesem Weg nun eine große Chance.
Abstand zu Sinner deutlich verkürzt
In der Weltrangliste ist Zverev dem Spitzenreiter Jannik Sinner durch den US-Open-Erfolg deutlich näher gekommen. Der Rückstand des Deutschen verringerte sich von mehr als 5.000 auf nur noch 1.810 Punkte. In der Jahreswertung liegt Zverev bereits vor Sinner, der bei den kommenden Turnieren zudem deutlich mehr Punkte verteidigen muss.
Becker weist Kritik an Zverevs Titelgewinn scharf zurück
Deutlich verärgert zeigte sich Becker über Stimmen, die Zverevs Erfolg schmälern. Einige Kritiker argumentieren, der Titel sei nur möglich gewesen, weil Sinner bei den US Open verletzt gefehlt habe, Carlos Alcaraz erst kurz zuvor von einer längeren Verletzungspause zurückgekehrt sei und weitere Favoriten früh ausgeschieden seien.
Becker wies solche Einwände entschieden zurück. Zverev könne schließlich nur jene Gegner schlagen, die tatsächlich auf der anderen Seite des Netzes stünden. Es sei respektlos und eine Unverschämtheit, seine Leistung auf diese Weise kleinzureden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber