Politik

Pistorius in den USA: Was plant er mit Hegseth?

F-35, Patriot, UN-Missionen: Pistorius fliegt in die USA – und ein geplatzter Plan könnte sich plötzlich als Glücksfall zeigen.

15.09.2026, 05:01 Uhr

Pistorius drängt auf mehr gemeinsame Rüstungsprojekte mit den USA

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius will die militärisch-industrielle Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten weiter vertiefen. Vor seinem für Dienstag geplanten Treffen mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Washington verwies der SPD-Politiker auf laufende Projekte wie den Tarnkappenjet F-35 und die geplante Produktion von Lenkflugkörpern für das Luftverteidigungssystem Patriot in Deutschland.

Nach Darstellung von Pistorius ist das gemeinsame Potenzial damit noch nicht ausgeschöpft. Deutschland verfüge über eine leistungsfähige industrielle Basis, sehr gut ausgebildete Fachkräfte und technologische Spitzenkompetenz. Auf dieser Grundlage könnten weitere Produktionskapazitäten geschaffen werden.

Wenn Deutschland und die USA ihre jeweiligen Stärken noch enger zusammenführten, ließen sich Systeme für Abschreckung und Verteidigung schneller und in größerer Stückzahl bereitstellen, betonte Pistorius. Das stärke die Einsatzbereitschaft Deutschlands, der Vereinigten Staaten und des gesamten Bündnisses.

Auch beim Kauf amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper gibt es Bewegung. Die Bundesregierung hat dazu bereits im Juli am Rande des Nato-Gipfels in Ankara eine grundsätzliche Einigung mit den USA erzielt.

US-Regierung verändert die Tonlage gegenüber Deutschland

Ein zentrales Thema in Washington dürfte auch die künftige Präsenz amerikanischer Truppen in Europa sein. Sie gilt als wichtiger Faktor für Abschreckung und Verteidigung. Deutschland hat der Nato bereits Schiffe, Kampfflugzeuge und unbemannte Waffensysteme angeboten, um Fähigkeiten zu ersetzen, die bislang durch das US-Militär in Europa abgesichert waren. Pistorius hatte zudem wiederholt einen Fahrplan für die schrittweise Übernahme solcher Aufgaben gefordert.

Zuletzt hatte der Minister Hegseth im Sommer 2025 in Washington getroffen. Im Mai dieses Jahres reiste Pistorius zwar nach Nordamerika, wo er in Kanada für eine Rüstungskooperation rund um deutsche U-Boote warb, zu einem Gespräch mit Hegseth kam es damals aber nicht. Der US-Minister nahm stattdessen am Shangri-La-Dialog in Singapur teil, der als wichtigste Sicherheitskonferenz Asiens gilt.

Der nun anstehende Termin könnte für Deutschland günstiger sein als frühere Begegnungen. Die amerikanische Regierung hat ihre Tonlage gegenüber Berlin zuletzt deutlich verändert. Präsident Donald Trump und mehrere Minister hatten Deutschland und andere europäische Staaten lange scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, zu wenig für die eigene Verteidigung zu tun.

In Washington wird inzwischen jedoch anerkannt, dass Deutschland seinen Kurs spürbar verändert hat. Im August bezeichnete US-Staatssekretär Elbridge Colby die Entwicklung im Nato-Hauptquartier sogar als Modell für andere Verbündete. Was Berlin in den vergangenen 18 Monaten angestoßen habe, sei ein historischer Wandel und eine außergewöhnlich tiefgreifende, geradezu tektonische Verschiebung.

Colby sagte zudem, Deutschland habe sich von einer weitgehenden Demilitarisierung hin zu einer schnellen Wiederbewaffnung bewegt. Zugleich erlebe man Berlin als sehr kooperativ und führe ergebnisorientierte Gespräche über gemeinsame Rüstungsproduktion und weitere Formen der Zusammenarbeit.

Bei den Vereinten Nationen geht es um Blauhelm-Einsätze

Im Anschluss an die Gespräche in Washington reist Pistorius nach New York weiter. Dort stehen Treffen mit Vertretern der Vereinten Nationen auf dem Programm, darunter auch mit UN-Generalsekretär António Guterres.

Im Mittelpunkt sollen die Zukunft von Blauhelm-Missionen sowie das weitere internationale Engagement im Libanon stehen. Dort beteiligt sich die Bundeswehr bislang an der UN-Mission Unifil.

Der seit fast 50 Jahren bestehende Blauhelm-Einsatz soll nach einem bereits im vergangenen Jahr einstimmig von allen 15 Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats gefassten Beschluss zum 31. Dezember 2026 enden. Innerhalb des darauffolgenden Jahres soll der Einsatz abgewickelt werden.

Abschluss in Texas: Deutschland erhält erste F-35

Zum Abschluss seiner Reise besucht Pistorius am Freitag im texanischen Fort Worth den US-Flugzeugbauer Lockheed Martin. Dort soll der erste von Deutschland bestellte Tarnkappenjet vom Typ F-35 offiziell übergeben werden.

Die Flugzeuge sollen die überalterte Tornado-Flotte der Luftwaffe ersetzen. Im Rahmen des milliardenschweren Modernisierungsprogramms hat das Verteidigungsministerium insgesamt 35 Maschinen bestellt. Die zuerst ausgelieferten Jets bleiben vorerst in den USA, wo sie für die Ausbildung deutscher Piloten genutzt werden.

Die F-35 gilt als modernstes Kampfflugzeug der Welt. Deutschland beschafft sie auch für die nukleare Teilhabe innerhalb der Nato, bei der Verbündete im Abschreckungskonzept Zugriff auf US-Atombomben haben. Durch ihre spezielle Form und Beschichtung ist die Maschine für gegnerisches Radar nur schwer zu erkennen.

Pistorius bezeichnete das Kampfflugzeug der fünften Generation als zentralen Baustein der künftigen Luftverteidigung. Die Verbindung von Tarnkappeneigenschaften und moderner Vernetzung mache die F-35 besonders wertvoll, auch im Zusammenspiel mit unbemannten Systemen.

Zuletzt wurde darüber spekuliert, ob Deutschland nach dem Ende des gemeinsam mit Frankreich und Spanien geplanten Luftkampfsystems FCAS weitere F-35 in den USA bestellen könnte. Bereits rund ein Dutzend europäischer Verbündeter nutzt das Modell oder hat sich für dessen Kauf entschieden, darunter Großbritannien, Polen, die Niederlande und Rumänien. Nach Unternehmensangaben könnten bis 2025 rund 700 dieser Tarnkappenjets in Europa im Einsatz sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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