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Wie nah ist der Impfstoff gegen diesen Ebola-Typ?

Nach Ebola 2014 blieb zu viel liegen – jetzt rächt sich das Versagen. Warum der neue Ausbruch Afrika und die Welt alarmiert.

21.05.2026, 08:56 Uhr

Der aktuelle Ebola-Ausbruch in Zentralafrika bereitet der Weltgesundheitsorganisation große Sorgen. Besonders problematisch ist, dass gegen das derzeit zirkulierende Bundibugyo-Virus weder ein zugelassener Impfstoff noch speziell zugelassene Medikamente verfügbar sind. Fachleute sehen darin auch die Folge versäumter Vorbereitungen aus den vergangenen Jahren.

Welche Ebola-Impfstoffe stehen bisher zur Verfügung?

Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts gibt es derzeit drei Impfstoffe gegen Ebola. Sie richten sich allerdings ausschließlich gegen das klassische Ebolavirus (EBOV), das früher als Zaire-Stamm bezeichnet wurde. Für andere Varianten wie das Sudan-Ebolavirus befinden sich Vakzine laut Robert Koch-Institut noch in verschiedenen Entwicklungsphasen und werden teils bereits in klinischen Studien eingesetzt.

Neben diesen Erregern gelten laut RKI jedoch auch Taï Forest und vor allem Bundibugyo als für Menschen gefährlich. Genau dieses Bundibugyo-Virus ist Auslöser des aktuellen Ausbruchs.

Wie weit ist die Entwicklung eines Bundibugyo-Impfstoffs?

Nach Einschätzung von César Muñoz-Fontela vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin befinden sich alle Impfstoffkandidaten gegen Bundibugyo noch im präklinischen Stadium. Das bedeutet: Bisher wurde kein Kandidat am Menschen getestet – nicht einmal in einer frühen Phase-1-Studie zur Sicherheit.

Erschwerend kommt hinzu, dass keine einsatzbereiten Impfdosen gegen Bundibugyo auf Vorrat existieren. Selbst wenn die Herstellung sofort anlaufen könnte, würde es nach Angaben von Marylyn Martina Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf noch Wochen bis Monate dauern, bis genügend Dosen für Sicherheitsprüfungen, Studien und einen möglichen Einsatz verfügbar wären.

Nach der schweren Ebola-Epidemie in Westafrika 2014/2015 mit mehr als 11.000 Todesopfern hatten Fachleute gefordert, Impfstoffe gegen alle gefährlichen Ebola-Arten rechtzeitig zu prüfen und in ausreichender Menge bereitzuhalten. Addo betont, mit priorisierten Finanzmitteln vor rund zehn Jahren wäre die Welt heute deutlich besser vorbereitet. Auch Muñoz-Fontela fordert, Impfstoffe und Therapeutika so weit voranzubringen, dass sie bereits vor einem Ausbruch für klinische Studien bereitstehen. Außerhalb akuter Krisen fehle dafür jedoch meist das Interesse.

Schützen vorhandene Impfstoffe möglicherweise auch gegen Bundibugyo?

Ein gewisser Schutz ist denkbar, aber bislang nicht belegt. Clara Schoeder von der Universität Leipzig verweist auf die enge Verwandtschaft zwischen dem Ebolavirus EBOV und dem Bundibugyo-Virus. Deshalb könnten Antikörper, die durch bestehende Impfstoffe gebildet werden, Bundibugyo möglicherweise zumindest teilweise neutralisieren.

Wie stark dieser Effekt tatsächlich ist, bleibt unklar. In einer kleinen Studie aus dem Jahr 2011 überlebten zwar drei von vier mit einem rVSV-EBOV-Präparat geimpften Rhesusaffen eine Bundibugyo-Infektion, sie erkrankten jedoch trotzdem.

Muñoz-Fontela warnt deshalb davor, vorhandene EBOV-Impfstoffe vorschnell einzusetzen, solange deren Wirksamkeit gegen Bundibugyo nicht ausreichend belegt ist. Fiele der Schutz zu gering aus, könnte das in der betroffenen Region das mühsam aufgebaute Vertrauen in den gegen EBOV sehr wirksamen Impfstoff beschädigen. Auch Addo hält zusätzliche Belege für notwendig. Im Labor soll nun unter anderem mit dem Serum bereits VSV-EBOV-geimpfter Personen untersucht werden, wie gut der Impfstoff gegen Bundibugyo wirken könnte.

Wie können Erkrankte behandelt werden?

Spezifisch zugelassene Therapien gegen Bundibugyo gibt es nach Angaben des Marburger Virologen Stephan Becker bislang nicht. Es existieren zwar Antikörper, die in Tierversuchen Schutz gezeigt haben, klinisch getestet wurden sie jedoch noch nicht.

Andere Fachleute betonen, dass eine frühe Diagnose und die Behandlung in spezialisierten Zentren entscheidend sind. Torsten Feldt vom Universitätsklinikum Düsseldorf sagt, dass eine gute unterstützende Therapie die Sterblichkeit deutlich senken kann. Dazu zählen unter anderem die Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten, die Behandlung von Schockzuständen, Blutungen und Organfunktionsstörungen, Sauerstoffversorgung sowie das Erkennen und Mitbehandeln weiterer Infektionen.

Welche Bedeutung haben Armut und Lebensumstände?

Ebola breitet sich vor allem durch Übertragung von Mensch zu Mensch aus. Laut Muñoz-Fontela fördern soziale Faktoren wie Fluchtbewegungen, Armut und schlechte Lebensbedingungen die weitere Verbreitung nach einem ersten Ausbruch.

Jean Kaseya, Leiter der Gesundheitsbehörde Africa CDC, sieht zudem ein strukturelles Problem: Für Pharmaunternehmen lohnt sich die Entwicklung von Gegenmaßnahmen gegen Bundibugyo wirtschaftlich kaum, solange der Erreger vor allem Afrika betrifft. Wäre das Virus in westlichen Ländern verbreitet, so seine Kritik, wären entsprechende medizinische Gegenmaßnahmen vermutlich längst vorhanden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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