Der 1. FC Union Berlin hat die Nachfolge von Marie-Louise Eta geregelt und Mauro Lustrinelli als neuen Cheftrainer verpflichtet. Der 50 Jahre alte Schweizer kommt vom FC Thun und übernimmt die Köpenicker ab Sommer. Union geht damit in seine achte Bundesliga-Saison.
Eta wechselt wie geplant zur Frauenmannschaft des Vereins. Zuvor hatte bereits Sky über den bevorstehenden Schritt berichtet.
In den vergangenen Tagen hatten die Verantwortlichen um Geschäftsführer Profifußball Männer Horst Heldt und Präsident Dirk Zingler die Gespräche mit Lustrinelli weit vorangetrieben. Nun ist der Wechsel zum Berliner Bundesligisten offiziell.
Mit dem FC Thun hatte Lustrinelli zuletzt für eines der größten Fußballmärchen der Schweiz gesorgt: Als Aufsteiger führte er den Klub überraschend zur Meisterschaft und damit in die Nähe der Champions League. In Köpenick weckt das Erinnerungen an Urs Fischer, der Union von 2018 bis 2023 durch die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte führte. Bereits 2013 arbeitete Lustrinelli in Thun als Co-Trainer unter Fischer.
Heldt setzt auf Entwicklung und mutigen Fußball
„Mauro Lustrinelli hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie er Mannschaften formen und weiterentwickeln kann. Der Meistertitel mit einem Aufsteiger spricht für seine fachliche Qualität, aber auch für seine Fähigkeit, eine Gruppe zu führen und zu begeistern“, sagte Horst Heldt. „Wir wollen aktiver spielen, verstärkt junge Spieler integrieren und gemeinsam erfolgreich sein.“
Lustrinelli selbst sagte: „Union ist ein besonderer Verein mit klaren Werten und ehrlichen Menschen. Mit Zusammenhalt, Leidenschaft, ehrlicher Arbeit und Mut können wir zusammen erfolgreich sein.“
Seinen Spielstil beschrieb der Schweizer im Kicker einmal so: „Offensiv und dynamisch. Hohes Pressing, nach Ballgewinn wollen wir schnell und vertikal umschalten. Sobald es möglich ist, in den Rücken der Abwehr zu kommen, suchen wir genau das.“ Vor seinem Engagement in Thun war Lustrinelli als U-21-Nationaltrainer der Schweiz tätig.
Eta rückte Union ins internationale Rampenlicht
Nach dem schwachen Auftritt gegen das damalige Schlusslicht Heidenheim hatte sich Union im April von Steffen Baumgart getrennt. Zwar war das Polster auf die Abstiegsplätze damals noch ordentlich, die Bilanz mit nur zwei Siegen aus 14 Spielen fiel jedoch ernüchternd aus.
Daraufhin rückte Eta zur Cheftrainerin auf und sorgte international für Aufmerksamkeit. Die gebürtige Dresdnerin wurde als erste Frau Cheftrainerin eines Männerteams in den fünf großen europäischen Ligen. Entsprechend groß war das weltweite Interesse an ihrem Debüt gegen den VfL Wolfsburg.
Die erhoffte sportliche Wende gelang allerdings zunächst nicht. Erst das Remis gegen Köln am 32. Spieltag nach zuvor zwei Niederlagen brachte schließlich den entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt.
Lustrinelli ist bereits der sechste Trainer seit Fischer
Seit dem Ende der Ära Urs Fischer im Jahr 2023 ist Lustrinelli bereits der sechste Trainer an der Seitenlinie der Eisernen. Baumgart hielt sich mit 464 Tagen noch am längsten im Amt, während die Engagements von Marco Grote, Nenad Bjelica, Bo Svensson und Eta nur kurze Episoden blieben.
Seit dem Bundesliga-Aufstieg 2019 gehört Union fest zum Oberhaus. 2023 erreichte der Hauptstadtklub mit Platz vier und der erstmaligen Qualifikation für die Champions League den größten Erfolg seiner Geschichte. Seither kämpfen die Berliner allerdings wieder deutlich stärker um den Klassenerhalt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion