Studie: Für optimalen Herzschutz könnte deutlich mehr Bewegung nötig sein
Wer sein Herz-Kreislauf-System bestmöglich schützen möchte, sollte sich womöglich erheblich mehr bewegen als bislang offiziell empfohlen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Untersuchung der Macao Polytechnic University in China, die im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde.
Demnach könnten Erwachsene ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche besonders deutlich senken, wenn sie pro Woche auf etwa 560 bis 610 Minuten Bewegung kommen – also auf rund zehn Stunden.
Mit Bewegung ist dabei nicht bloß leichte Alltagsaktivität gemeint. Untersucht wurden vielmehr moderate und intensive körperliche Belastungen. Moderat bedeutet, dass man leicht ins Atmen kommt, sich aber noch unterhalten kann. Bei intensiver Aktivität fällt das Sprechen wegen der Anstrengung deutlich schwerer.
Anderer Ansatz als bei der WHO
Für die Studie analysierten die Forschenden Daten von 17.088 Personen aus der britischen Gesundheitsdatenbank UK Biobank. Die Teilnehmenden trugen eine Woche lang Beschleunigungssensoren, die ihr übliches Aktivitätsniveau erfassten. Zusätzlich wurde bei einem Belastungstest auf dem Fahrradergometer ihre maximale Sauerstoffaufnahme bestimmt beziehungsweise geschätzt. Anschließend wurde über etwa acht Jahre beobachtet, welche Erkrankungen bei ihnen auftraten.
Das wichtigste Ergebnis: Wer die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation erfüllt und sich mindestens 150 Minuten pro Woche bewegt, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen laut Studie um etwa 8 bis 9 Prozent. Bei einem Bewegungsumfang von 560 bis 610 Minuten wöchentlich fiel der Effekt jedoch wesentlich stärker aus: Das Risiko war um mehr als 30 Prozent reduziert.
Allerdings erreichten dieses hohe Aktivitätsniveau nur 12 Prozent der untersuchten Personen.
Die WHO-Empfehlung ist vor allem als Mindestziel gedacht. Sie soll einen grundlegenden Schutz vor zahlreichen Krankheiten bieten und die Sterblichkeit in der Bevölkerung senken. Dabei setzt die WHO bewusst auf einen Wert, der für viele Menschen realistisch erreichbar ist. Denn schon der Schritt von völliger Inaktivität hin zu etwas Bewegung bringt oft einen großen gesundheitlichen Nutzen.
Ein weiterer Unterschied: Während sich die WHO-Empfehlungen überwiegend auf Selbstauskünfte von Studienteilnehmern stützen, basierte die neue Untersuchung auf objektiven Sensordaten.
Fitnessniveau spielt offenbar eine Rolle
Nach Einschätzung der Autoren deutet die Studie zudem darauf hin, dass Menschen mit einer geringeren Grundfitness mehr Bewegung brauchen könnten, um ähnliche gesundheitliche Vorteile zu erzielen wie fittere Personen.
Die bekannte 150-Minuten-Regel bleibe zwar ein sinnvoller Einstieg, betonen die Forschenden. Wer jedoch eine möglichst hohe Widerstandskraft des Herz-Kreislauf-Systems anstrebe, sollte nach Möglichkeit deutlich mehr Aktivität einplanen.
Zugleich weisen die Autoren auf eine wichtige Einschränkung hin: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Daher lasse sich kein eindeutiger Beweis für Ursache und Wirkung erbringen. Außerdem sei möglich, dass die untersuchte Gruppe insgesamt gesünder und leistungsfähiger war als die Allgemeinbevölkerung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion