Wissen

Spanien vor der Finsternis des Jahres

Wenn der Mond die Sonne verschluckt: Einst ein Omen des Schreckens, heute pilgern Massen für das Himmelsspektakel an.

03.08.2026, 05:00 Uhr

Sonnenfinsternis am 12. August: Europa erlebt ein spektakuläres Himmelsschauspiel

Am 12. August können mehrere Millionen Menschen in Europa ein außergewöhnliches Himmelsereignis verfolgen: eine totale Sonnenfinsternis. Besonders in Spanien wird ein breiter Streifen komplett verdunkelt. In Deutschland ist das Naturschauspiel ebenfalls sichtbar, allerdings nur als partielle Sonnenfinsternis. Je nach Region werden hier etwa 85 bis 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt, im äußersten Südwesten sogar etwas mehr. In Freiburg liegt die maximale Abdeckung bei gut 90 Prozent. Kurz danach folgt mit den Perseiden gleich das nächste Highlight für Himmelsfans.

Wann und wo ist die Finsternis in Deutschland zu sehen?

In Deutschland beginnt die partielle Finsternis zuerst im Nordosten. In Greifswald startet sie gegen 19.12 Uhr, in München etwa um 19.23 Uhr. Der Zeitpunkt der stärksten Bedeckung wird ungefähr zwischen 20.05 Uhr und 20.15 Uhr erwartet. Beendet wird das Schauspiel in ganz Deutschland mit dem Sonnenuntergang in den Minuten um 21.00 Uhr.

Sichtbar ist die partielle Sonnenfinsternis nicht nur in weiten Teilen Europas, sondern auch in Teilen von Nordamerika und Westafrika.

Weil die Sonne in Deutschland während der Finsternis bereits recht tief über dem Horizont steht, eignen sich besonders Orte mit freier Sicht nach Westen oder Nordwesten. Ein Standort auf einer Anhöhe ist von Vorteil. Für die Beobachtung ist aber vor allem eines unverzichtbar: eine geeignete Sonnenfinsternisbrille.

Zahlreiche Sternwarten und astronomische Einrichtungen laden zudem im Rahmen der „Langen Nacht der Astronomie“ zur Beobachtung ein. Einige übertragen zusätzlich Livebilder aus Spanien.

Direkt danach: Höhepunkt der Perseiden

Kaum ist die Sonnenfinsternis vorüber, steht schon das nächste Himmelsschauspiel an. In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt. Unter guten Bedingungen sind dann bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde möglich. Die besten Beobachtungszeiten liegen zwischen 23 Uhr und 4 Uhr morgens.

Wo ist die totale Sonnenfinsternis sichtbar?

Die Zone der totalen Finsternis beginnt im nördlichen Sibirien, wo die Sonne noch als Mitternachtssonne über dem Horizont steht. Von dort zieht der Kernschatten des Mondes am Nordpol vorbei, weiter über den Osten Grönlands und den Westen Islands.

Danach erreicht der Schatten Nordspanien, streift einen kleinen Teil Portugals und wandert quer über die Iberische Halbinsel sowie über die Balearen. Kurz nach 20.30 Uhr endet die totale Finsternis über dem Mittelmeer.

Am längsten dauert die Totalität mit 2 Minuten und 18 Sekunden. Dieser Wert wird etwa 100 Kilometer westlich der isländischen Küste nahe der Inselgruppe Hvallátur erreicht.

Wer das Ereignis nicht vor Ort verfolgen kann, hat mehrere Möglichkeiten: Die totale Sonnenfinsternis wird per Livestream der Esa übertragen. Außerdem begleitet 3sat das Ereignis in der TerraX-Sendung „Sonnenfinsternis über Mallorca“ mit Erläuterungen von Harald Lesch – live von 20.15 bis 21.00 Uhr.

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis?

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn sich der Mond genau zwischen Erde und Sonne schiebt. Sein Schatten fällt dann auf die Erde. In Deutschland liegt man am 12. August nur im Halbschatten des Mondes, deshalb wird die Sonne hier nur teilweise verdeckt.

Im Kernschatten des Mondes dagegen ist die Sonne vollständig verborgen – dort spricht man von einer totalen Sonnenfinsternis.

Dass der Mond die Sonne von der Erde aus fast exakt bedecken kann, ist ein besonderer Zufall: Die Sonne ist zwar ungefähr 400-mal größer als der Mond, aber auch rund 400-mal weiter entfernt. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper am Himmel fast gleich groß.

Allerdings schwankt der Abstand des Mondes zur Erde leicht, weil seine Umlaufbahn nicht kreisrund, sondern elliptisch ist. Dadurch verändert sich auch seine scheinbare Größe. Ist der Mond bei einer Finsternis gerade besonders weit von der Erde entfernt, reicht seine Scheibe nicht ganz aus, um die Sonne vollständig abzudecken. Dann entsteht statt einer totalen eine ringförmige Sonnenfinsternis.

Wie oft gibt es Sonnenfinsternisse?

Eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond stattfinden, also wenn Mond und Sonne von der Erde aus gesehen in derselben Richtung stehen. Trotzdem kommt es nicht bei jedem Neumond zu einer Finsternis, weil die Mondbahn um etwa fünf Grad gegen die Erdbahn geneigt ist. Meist zieht der Mond deshalb scheinbar oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.

Weltweit treten pro Jahr etwa zwei bis fünf Sonnenfinsternisse auf. Eine totale Sonnenfinsternis gibt es im Durchschnitt nur etwa alle 18 Monate – allerdings irgendwo auf der Erde.

An einem bestimmten Ort ist dieses Ereignis dagegen sehr selten, denn der Kernschatten ist mit höchstens rund 200 Kilometern Durchmesser vergleichsweise schmal. In Deutschland war zuletzt am 11. August 1999 eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Die nächste wird hier erst wieder am 3. September 2081 erwartet.

Bemerkenswert: Schon am 2. August des kommenden Jahres ist in Spanien erneut eine totale Sonnenfinsternis zu sehen, dann allerdings nur ganz im äußersten Süden. Am 26. Januar 2028 folgt dort zudem eine ringförmige Sonnenfinsternis.

Was ist während einer totalen Sonnenfinsternis zu beobachten?

Sobald die Totalität einsetzt, nimmt die Helligkeit innerhalb weniger Sekunden stark ab. Es wirkt dann wie eine späte Abenddämmerung, und am Himmel werden plötzlich einige helle Sterne und Planeten sichtbar.

Besonders auffällig ist bei diesem Ereignis die Venus, die in einem Abstand von rund 45 Grad links der Sonne aufleuchten wird.

Rings um die schwarze Scheibe des Mondes erscheint während der Totalität die Korona, also die äußere Atmosphäre der Sonne. Dieser zarte Strahlenkranz besteht aus extrem dünnem, aber sehr heißem Gas mit Temperaturen von über einer Million Grad. Das ist deutlich heißer als die Sonnenoberfläche selbst, die etwa 6000 Grad Celsius erreicht.

Für die Beobachtung der Totalität ist ein etwas erhöhter Standort günstig. Von dort kann man mit etwas Glück sogar sehen, wie sich der Schatten des Mondes nähert. In Spanien rast er mit etwa 2500 Kilometern pro Stunde über die Erdoberfläche – das entspricht ungefähr 42 Kilometern pro Minute.

Wie gefährlich ist der Blick in die Sonne?

Der direkte Blick in die Sonne kann die Augen schwer schädigen. Fachleute des Bundesamts für Strahlenschutz betonen, dass auch eine weitgehend verdeckte Sonne oder die einsetzende Dämmerung keinen ausreichenden Schutz bieten.

Ausdrücklich gewarnt wird vor ungeeigneten Hilfsmitteln wie rußgeschwärzten Gläsern, Filmstreifen, Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Schweißer- oder Gletscherbrillen, Röntgenbildern oder CDs. Sie sind kein sicherer Schutz.

Ohne geeignete Filter bündelt die Augenlinse die Sonnenstrahlen auf der Netzhaut. Dadurch kann in sehr kurzer Zeit Hitze entstehen, die die Sehzellen dauerhaft zerstört. Augenärzte warnen vor irreversiblen Vernarbungen im Bereich des schärfsten Sehens.

Empfohlen werden ausschließlich Sonnenfinsternisbrillen nach der europäischen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit entsprechender CE-Kennzeichnung. Die Brille muss unbeschädigt sein; die Filterfolie darf keine Kratzer, Risse oder Löcher aufweisen.

Besonders gefährlich ist die Beobachtung mit Ferngläsern, Teleskopen oder Kameras ohne spezielle Sonnenfilter. Diese Geräte verstärken die Strahlung zusätzlich. Für sie sind nur geeignete Filteraufsätze oder Spezialfolien zulässig.

Wie reagieren Tiere und Pflanzen?

Während einer totalen Sonnenfinsternis sinken Helligkeit und Temperatur spürbar ab. Dadurch werden bei vielen Lebewesen typische Dämmerungsreaktionen ausgelöst.

Vögel stellen oft ihren Gesang ein und ziehen sich zu ihren Schlafplätzen zurück. Tagaktive Tiere wie Eichhörnchen, Kaninchen oder Eidechsen suchen ebenfalls Schutz. Nachtaktive Tiere – etwa Fledermäuse, Igel oder in Spanien auch der Mauergecko – können dagegen plötzlich aktiv werden.

Auch Pflanzen reagieren mitunter auf die plötzliche Verdunkelung: Manche Arten schließen ihre Blüten, während andere, die sonst eher nachts blühen, sie öffnen.

Fazit

Der 12. August bringt gleich zwei außergewöhnliche Himmelsereignisse hintereinander: zuerst eine markante Sonnenfinsternis, anschließend den Höhepunkt der Perseiden. Wer in Deutschland beobachten möchte, sollte sich rechtzeitig einen Platz mit freier Horizontsicht suchen – und vor allem auf zertifizierten Augenschutz achten. Für totale Finsternis führt der Blick nach Spanien, zu einer Sternwarte oder in den Livestream.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen