Bei den derzeit tropischen Temperaturen lüften viele Menschen abends oder nachts. Dabei kann es jedoch passieren, dass sich junge Fledermäuse in Wohnungen oder Büros verirren. Nach Angaben von Alexander Gnatz vom Naturschutzverband LBV in Hilpoltstein beginnen die Tiere im Sommer damit, ihre Umgebung zu erkunden und nach geeigneten Unterschlüpfen zu suchen. Offene oder gekippte Fenster können dabei versehentlich zum Eingang werden. Sein wichtigster Rat in so einem Fall: Ruhe bewahren.
Auch Klimaanlagen können für junge Fledermäuse irreführend sein. Der aus dem Fenster strömende kühle Luftzug könne auf sie wie der Eingang zu einer Höhle wirken, erklärt der Experte. Je nach Art sind die unerfahrenen Tiere zwischen Juli und September unterwegs, besonders häufig kommt es allerdings im August dazu, dass sie in Gebäude fliegen.
Gekippte Fenster als Gefahr
Nach Angaben der Stadt Würzburg handelt es sich meist nur um einzelne Fledermäuse oder kleine Gruppen. In seltenen Fällen könnten aber auch größere Schwärme mit mehr als 100 Tieren in ein Gebäude gelangen. Die Stadt rät deshalb dazu, Fenster zu schließen, wenn Wohnungen während der Ferien oder aus anderen Gründen längere Zeit leer stehen. Gekippte Fenster seien für Fledermäuse besonders riskant, weil sie darin stecken bleiben oder nicht mehr selbst hinausfinden könnten. Auch in Büros sollten Fenster nach Feierabend möglichst nicht gekippt offen bleiben.
Wer tagsüber eine schlafende Fledermaus entdeckt – etwa im Fensterrahmen oder hinter einem Vorhang –, sollte sie laut LBV möglichst nicht stören. Wenn das Tier am Abend aktiv wird, empfiehlt es sich, die Türen zu anderen Räumen zu schließen, das Licht auszuschalten und die Fenster des Zimmers zu öffnen. In den meisten Fällen findet die Fledermaus dann alleine wieder nach draußen.

Falls man nicht bis zum Abend warten kann, sollte man das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch aufnehmen, wenn es kopfüber an der Decke hängt. Anschließend kann es in eine Kiste mit Küchenpapier oder einem Stofftuch gesetzt und an einem kühlen Ort untergebracht werden, bis es später ins Freie gebracht werden kann.
Hilfe per Telefon
Bei Fragen gibt es in den Sommermonaten ein Fledermaus-Hilfetelefon in der Metropolregion Nürnberg, an dem Fachleute des LBV erreichbar sind. Für Anruferinnen und Anrufer außerhalb der Region verweist der Verband auf ein bundesweites Fledermaustelefon.
Wer unerwarteten Fledermaus-Besuch vermeiden möchte, kann laut Gnatz vorbeugen: Fenster, die nachts geöffnet werden, sollten mit Fliegengittern versehen werden. Diese halten nicht nur Insekten, sondern auch Fledermäuse zuverlässig fern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber