Fußball

UEFA droht Infantino jetzt mit Klage

Nach dem Deal-Debakel gerät Infantino massiv unter Druck: Die UEFA droht dem FIFA-Boss jetzt sogar mit Gericht.

03.08.2026, 10:18 Uhr

Die UEFA erhöht nach dem krachend gescheiterten Investorenvorhaben der FIFA den Druck auf Präsident Gianni Infantino deutlich. Nach Berichten des Telegraph und der Financial Times fordert die Europäische Fußball-Union den Weltverbandschef auf, sämtliche Unterlagen und digitalen Daten zu dem Projekt zu sichern und keinesfalls zu vernichten. Ein entsprechendes Schreiben zur Sicherung möglicher Beweismittel wurde der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Vergleichbare Aufforderungen sollen auch an Technologie-Investor Joshua Kushner gegangen sein, dem bei dem Vorhaben eine Schlüsselrolle zugedacht war.

Nach den Berichten hegt die UEFA den Verdacht, dass im Zusammenhang mit dem geplatzten Deal relevante Belege von Infantino oder Geschäftspartnern beseitigt werden könnten. In dem Schreiben macht der Verband demnach deutlich, dass Infantino und die FIFA unverzüglich alle nötigen Schritte einleiten müssten, um sämtliche einschlägigen Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern, die sich im Besitz oder unter der Kontrolle der FIFA befinden.

Milliardenprojekt im Fokus

Laut Telegraph prüft die UEFA inzwischen aktiv rechtliche Schritte, ein Schiedsverfahren und/oder Beschwerden bei zuständigen Aufsichtsbehörden. Hintergrund ist der von der FIFA vorgeschlagene Plan rund um die sogenannte FIFA Forward Enterprise (FFE) sowie alle damit verbundenen Vorgänge.

Infantino wollte Anteile an den Premium-Geschäften des Weltverbands an private Investoren verkaufen. Konkret hätten Geldgeber rund 20 Prozent an einer neu zu gründenden FIFA-Tochter erwerben können. Der Wert dieser FIFA Forward Enterprise war zunächst mit 20 Milliarden US-Dollar angesetzt worden.

In der FFE sollten die kommerziellen Rechte an den wichtigsten FIFA-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Männer- und Frauen-WM sowie die Club-WM. Joshua Kushner sollte über seine Investmentfirma Thrive eine zentrale Rolle bei der Umsetzung übernehmen. Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, der mit Ivanka Trump, der Tochter von US-Präsident Donald Trump, verheiratet ist.

Der Deal war schließlich am massiven Widerstand aus Verbänden und Öffentlichkeit gescheitert. Die UEFA sieht in dem Hinterzimmerprojekt offenbar mögliche Unregelmäßigkeiten und verschärft nun ihren Widerstand gegen Infantino weiter. In europäischen Fußballkreisen gilt das Vorgehen auch als Signal, dass der Rückhalt für den FIFA-Chef massiv schwindet.

Erste Verbände in Europa gehen auf Distanz

Parallel zur juristischen Drohkulisse bröckelt in Europa auch die politische Unterstützung für Infantino. Als erster Nationalverband entzog Wales öffentlich seine Rückendeckung für eine angestrebte erneute Kandidatur des FIFA-Präsidenten im Jahr 2027.

Laut britischen Medien teilte der walisische Verband FAW der FIFA schriftlich mit, Infantino habe durch jüngste Defizite bei verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozessen, Führung, Werten, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen das Vertrauen verloren, den Weltfußball weiter anzuführen. Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, sei ein Versagen, das man nicht akzeptieren könne.

Kurz darauf arbeitete Medienberichten zufolge auch England an einem ähnlichen Schreiben an die FIFA-Spitze. Serbien hatte seinen Brief demnach bereits fertiggestellt. Nach Angaben des Verbandes brauche es in der aktuellen Lage „neues Vertrauen, einen neuen Ansatz und eine neue Führung“, um Dialog, Geschlossenheit und die Glaubwürdigkeit der internationalen Fußballinstitutionen wiederherzustellen.

Mehr als 200 Verbände hatten Infantino zuvor gestützt

Brisant ist der Vorgang auch deshalb, weil Wales, England und Serbien noch zu jenen mehr als 200 Nationalverbänden gehört haben sollen, die Infantino rund um die WM in den USA, Kanada und Mexiko schriftlich Unterstützung für eine erneute Kandidatur zugesagt hatten. Die mögliche Wiederwahl sollte beim 77. FIFA-Kongress am 18. März 2027 in Rabat in Marokko erfolgen. Deutschland gehörte damals nicht zu den Unterstützern.

Damit wächst der Druck auf den FIFA-Präsidenten nicht nur juristisch, sondern auch innerhalb des internationalen Verbändesystems.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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