Britische Forschende gehen davon aus, dass der Hitzesommer 2026 in europäischen Städten rund 50.000 Todesopfer gefordert hat – so viele wie noch nie zuvor. Etwa 65 Prozent dieser Todesfälle seien unmittelbar auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen.
Für die Auswertung wurden Daten aus mehr als 850 Städten und Ballungsräumen in der EU, in Großbritannien, Norwegen und der Schweiz herangezogen. In diesen urbanen Gebieten lebt rund 40 Prozent der Bevölkerung der untersuchten Länder. Zum Vergleich: Für 2022 wurden in derselben Region etwa 29.000 Hitzetote geschätzt, wobei damals rund 59 Prozent der Fälle dem Klimawandel zugerechnet wurden.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Imperial College London sowie von der London School of Hygiene & Tropical Medicine entwickelten auf Basis historischer Daten seit dem Jahr 2000 ein Verfahren, um hitzebedingte Todesfälle zu berechnen, und glichen dieses mit gemeldeten Statistiken ab. Anschließend nutzten sie dieselbe Methode, um ein Szenario ohne den Einfluss des menschengemachten Klimawandels zu modellieren. Die Differenz zeigt demnach die zusätzliche Sterblichkeit, die durch die Erwärmung infolge von Treibhausgasen verursacht wurde.
Juni war besonders folgenschwer
Besonders schwer wog den Angaben zufolge der Juni 2026. Fast ein Drittel aller Hitzetoten entfiel demnach auf den Zeitraum vom 17. Juni bis 1. Juli. In diesen Tagen lagen die Temperaturen im Durchschnitt fünf Grad über dem Mittelwert der Vergleichsperiode 1991 bis 2020.

Clair Barnes, Expertin für Extremwetter und Klimawandel am Imperial College, sagte, der Sommer 2026 sei mit hoher Sicherheit der schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, wenn man die hitzebedingte Sterblichkeit in großen Teilen Europas betrachte. Hinter den Zahlen stünden reale Menschenleben und Familien, die einen Verlust erlitten hätten.
Städte gelten als unzureichend vorbereitet
Nach Einschätzung der Forschenden traf die extreme Hitze nicht nur ältere Menschen. Rund 6.000 der etwa 50.000 Todesopfer seien jünger als 65 Jahre gewesen.
Der Epidemiologe Pierre Masselot von der London School of Hygiene & Tropical Medicine betonte, dass viele Städte noch immer nicht ausreichend auf steigende Temperaturen vorbereitet seien. Umso wichtiger sei es, die Anpassung zu beschleunigen. Dazu zählten etwa mehr Grünflächen, weniger Luftverschmutzung und eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber