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Alarm-Report: Fast alle Flachwasser-Korallenriffe in Gefahr

96 Prozent der Korallenriffe sind bedroht – noch gibt es Hoffnung. Doch was jetzt passieren muss, entscheidet über ihr Überleben.

22.10.2026, 14:00 Uhr

IUCN: Fast alle untersuchten Flachwasser-Korallenriffe weltweit akut bedroht

Eine erste umfassende Bestandsaufnahme aller 127 bekannten Flachwasser-Korallenriffe auf der Erde zeichnet ein dramatisches Bild: Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN gelten 96 Prozent dieser Ökosysteme als vom Aussterben bedroht. Das entspricht der höchsten Gefährdungskategorie. Für vier Riffe reichten die vorhandenen Daten demnach nicht für eine verlässliche Einstufung aus.

Gemeint sind die farbenreichen Korallenriffe in Tiefen von bis zu etwa 40 Metern. Sie zählen wegen günstiger Lichtverhältnisse und passender Wassertemperaturen zu den artenreichsten Lebensräumen der Meere. Betroffen sind unter anderem Abschnitte des Great Barrier Reef vor Australien, das Korallendreieck im westlichen Pazifik und in Südostasien, das mesoamerikanische Riffsystem sowie Riffe im Roten Meer.

Die IUCN hat die untersuchten Flachwasser-Riffe nun in ihre Rote Liste der Ökosysteme aufgenommen. Diese 2014 eingeführte Liste bewertet, wie hoch das Risiko ist, dass ganze Lebensräume zusammenbrechen. Bisher sind dort mehr als 4.000 Ökosysteme erfasst.

Erwärmung der Meere als größte Gefahr

Nach Einschätzung der IUCN reagieren Korallen äußerst empfindlich auf Temperaturveränderungen. Steigt die Wassertemperatur zu stark an, stoßen sie die im Gewebe lebenden Mikroalgen ab, die sie mit Nährstoffen versorgen. Die Folge ist Korallenbleiche, oft mit tödlichem Ausgang. Solche marinen Hitzewellen treten infolge des Klimawandels immer häufiger auf.

IUCN: 96 Prozent der Flachwasser-Korallenriffe stark bedroht
Hitze ist der größte Feind der Korallenriffe (Archivbild) Quelle: Dita Alangkara/AP/dpa

Für ihre Bewertung legten die Fachleute ein mittleres Klimaszenario des Weltklimarats IPCC zugrunde. Dieses geht davon aus, dass sich die Atmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 2,7 Grad erwärmt. Das internationale Ziel, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, gilt inzwischen als kaum noch erreichbar.

Weitere Belastungen für die Riffe

Neben der Hitze setzt auch Überfischung den Korallenriffen zu, etwa in Ostasien, der Karibik und vor Brasilien. Bestimmte Fischarten wie Papageienfische und Zackenbarsche halten normalerweise das Algenwachstum in Schach. Fehlen sie, fällt es den Riffen schwerer, sich nach Hitzestress zu regenerieren. Hinzu kommen zunehmende Bebauung an den Küsten, Verschmutzung und ein zu hoher touristischer Druck.

Folgen eines Zusammenbruchs

Kollabiert ein Korallenriff, verschwindet sein tragendes Gerüst aus Hartkorallen fast vollständig. Stattdessen breiten sich Algen und Schwämme aus. Das einst vielfältige Ökosystem verarmt massiv und verliert seine Funktion als Lebensraum für zahlreiche Arten – von Muscheln und Seegurken über Rifffische bis hin zu Meeresschildkröten und Haien.

IUCN-Generaldirektorin Grethel Aguilar betonte, Korallenriffe seien ein besonders deutlicher Indikator für den Zustand der Ozeane. Rund ein Viertel aller Meeresarten sei auf sie als Lebensraum angewiesen. Noch bestehe die Chance, dass sich Riffe erholen. Dafür brauche es jedoch konsequenten Klimaschutz und ein Stoppen der weiteren Erwärmung der Meere.

Die IUCN, ein Zusammenschluss zahlreicher staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen im Natur- und Artenschutz, stellte den Bericht bei der Weltnaturkonferenz COP17 in Eriwan in Armenien vor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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