In Frankreich ist erstmals das Shamonda-Virus bei einem Menschen nachgewiesen worden. Bislang war der Erreger nur bei Tieren bekannt. Nach Angaben des französischen Agrarministeriums wurde die Infektion bei einem Patienten mit schwer geschwächtem Immunsystem festgestellt, der wegen einer ernsten Erkrankung in einem Krankenhaus in Lyon behandelt wurde und Anfang Oktober starb.
Den bisherigen Untersuchungen zufolge standen neurologische Komplikationen vor seinem Tod sehr wahrscheinlich mit der Shamonda-Infektion in Verbindung. Für die allgemeine Bevölkerung bestehe nach aktuellem Kenntnisstand jedoch kein Gesundheitsrisiko, betonte das Ministerium.
Das Virus galt bislang als nicht auf Menschen übertragbar. Im Sommer war es erstmals in Deutschland bei Rindern entdeckt worden, später vereinzelt auch bei Pferden. Der Fall in Frankreich ist laut Ministerium der erste dokumentierte Nachweis des Erregers bei einem Menschen.
Europäische Gesundheitsbehörde verfolgt den Fall genau
Nach derzeitigem Stand wird vermutet, dass sich der Patient im Osten Frankreichs durch den Stich einer Gnitze infiziert hat. In dieser Region waren im Frühjahr und Sommer bereits Infektionen mit dem Shamonda-Virus bei Tieren gemeldet worden.
Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC teilte mit, derzeit werde untersucht, ob das Virus den Tod des Mannes verursacht oder dazu beigetragen habe. Die Entwicklung werde aufmerksam beobachtet.
Erster belegter Fall beim Menschen
Das Shamonda-Virus wurde erstmals 1965 in Nigeria beschrieben. Übertragen wird es durch Gnitzen, also winzige stechende Insekten. Obwohl der Erreger seit Jahrzehnten in Afrika und Asien vorkommt, war bislang kein Fall beim Menschen dokumentiert worden. Das französische Agrarministerium spricht daher von einem außergewöhnlichen Einzelfall.
In Deutschland wurde das Virus in diesem Sommer erstmals bei Rindern festgestellt. Weitere Nachweise bei Nutztieren gab es laut ECDC inzwischen auch in Österreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien und Irland.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber