Die Welt muss sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen auf ein El-Niño-Ereignis von außergewöhnlicher Stärke und möglicherweise verheerenden Folgen einstellen. Wie WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo in Genf sagte, wurden im tropischen Pazifik in den vergangenen 40 Jahren systematischer Messungen noch nie so hohe Wassertemperaturen registriert.
Modellrechnungen zufolge könnte die Meerestemperatur im Pazifik von November bis Januar bis zu 3,8 Grad über dem langjährigen Mittel liegen. Der bisher höchste bekannte Wert lag laut WMO bei rund drei Grad. Fachleute sprechen bereits ab einer Abweichung von 0,5 Grad nach oben von einem El-Niño-Ereignis. Der Höhepunkt wird im Dezember 2026 erwartet.
Weltweite Folgen möglich
El Niño tritt in mehrjährigen Abständen natürlich auf und beginnt mit einer Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifik. Dadurch verändern sich Wind- und Luftströmungen weltweit. Je nach Region kann das zu sehr unterschiedlichen Wetterextremen führen: In manchen Gebieten drohen starke Dürren, in anderen heftige Regenfälle, Überschwemmungen und besonders starke Hitze. Europa ist von den Auswirkungen in der Regel weniger stark betroffen.
Warnung vor wirtschaftlichen und humanitären Folgen
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warnte, die Schäden würden sich nicht nur auf direkt betroffene Länder beschränken. Ein so starkes El-Niño-Ereignis könne wirtschaftliche Schocks für die Weltwirtschaft auslösen und zudem Konflikte, Vertreibungen und Migration verschärfen.
Besonders gefährdete Regionen
Nach Angaben der WMO drohen unter anderem in Ostafrika und Teilen Zentralamerikas Dürren. Mit heftigeren Niederschlägen müssen dagegen das südliche Afrika, Teile Südostasiens, der Nordwesten Nordamerikas sowie die Westseite Südamerikas rechnen.
Saulo und Fletcher forderten deshalb rasche Vorbereitungen, um betroffenen Menschen schnell helfen zu können. Fletcher mahnte, die Welt könne El Niño zwar nicht verhindern, aber sich besser auf die absehbaren Folgen einstellen und stärker in Resilienz investieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber