Die partielle Sonnenfinsternis über Deutschland war kaum vorüber, da folgte schon das nächste Himmelsschauspiel: In der Nacht erreichte der Meteorstrom der Perseiden seinen Höhepunkt. An besonders dunklen Orten konnten Beobachter bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sehen.
Zuvor hatte eine totale Sonnenfinsternis in Teilen Europas für Begeisterung gesorgt. In Spanien, wo der Mond die Sonne vollständig verdeckte, verfolgten Hunderttausende das seltene Ereignis auf Dorfplätzen, Berggipfeln, an Stränden, auf Dachterrassen und auf eigens eingerichteten Beobachtungsflächen. Viele reagierten mit Applaus, Jubel, Tränen oder stiller Faszination.
Besonders eindrucksvoll war die Stimmung an der Ebro-Sternwarte im nordostspanischen Roquetes: Noch kurz zuvor standen dort Hunderte Menschen bei Getränken und Musik zusammen, dann wurde es mit einem Mal still, als sich die Sonne in eine dunkle Scheibe mit hellem Feuerring verwandelte. Auch Astronautin Sara García zeigte sich tief bewegt und sprach von einem der schönsten Erlebnisse ihres Lebens. Auf Mallorca schwärmten deutsche Urlauber von einem "magischen" und den Reiseaufwand absolut lohnenden Moment.
Auch in Deutschland blickten Millionen Menschen nach oben. Hier war das Phänomen nur partiell zu sehen, regional wurde die Sonne aber dennoch zu etwa 85 bis 90 Prozent vom Mond verdeckt. Größeren Andrang gab es unter anderem am Olympiaberg in München, am Feldberg in Hessen und rund um das Planetarium im Berliner Prenzlauer Berg. Dort sprach die Polizei von rund 3.000 Menschen, zudem kam es zu Verkehrsbehinderungen. Über Dresden schwebten mindestens sechs Heißluftballons, deren Passagiere das Ereignis aus der Luft verfolgen konnten.
Spanien im Fokus der totalen Finsternis
Die totale Sonnenfinsternis begann gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien. Der Kernschatten des Mondes zog anschließend in einem Bogen an Grönland und Island entlang weiter bis nach Spanien. Während es in Reykjavík wolkig und regnerisch war, herrschten in Spanien meist gute Bedingungen. Nur vereinzelt gab es leichte Bewölkung, vielerorts blieb der Himmel klar.
Besonders groß war der Andrang in der rund 300 Kilometer breiten Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte. Das Ereignis löste eine außergewöhnliche Reisewelle aus, auch viele Besucher aus dem Ausland – etwa aus Japan oder den USA – reisten an. Behörden rechneten mit bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten. Auf den Rückwegen kam es teils zu langen nächtlichen Staus.
Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, sogar Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht wurden für mehrere Hundert Euro vermietet. Besonders profitierte das oft dünn besiedelte ländliche Spanien, die sogenannte "España vacía", das sonst nur selten im Mittelpunkt des internationalen Tourismus steht.
Größere Zwischenfälle blieben aus
Größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht bekannt. Befürchtungen, dass der Andrang in ländlichen Regionen weitere Waldbrände auslösen könnte, bestätigten sich vorerst nicht. In Peñíscola geriet allerdings ein Auto an einem Beobachtungsort in Brand, das Feuer griff auf 33 weitere Fahrzeuge über. Die Feuerwehr konnte eine noch größere Ausbreitung verhindern.
Auch das Wetter spielte mit
Der Himmel über Spanien war überwiegend klar, nur die teils große Hitze von fast 40 Grad machte manchen Besuchern zu schaffen. Auch in Deutschland war der Himmel vielerorts weitgehend wolkenlos – gute Bedingungen also für die Beobachtung der partiellen Finsternis.
Direkt danach: Höhepunkt der Perseiden
Als Zugabe folgte in derselben Nacht der Höhepunkt der Perseiden, einem der bekanntesten Meteorströme des Jahres. Die Bedingungen für Himmelsbeobachter waren diesmal besonders günstig: Das Maximum fiel auf eine Neumondnacht, sodass kein störendes Mondlicht die Sicht beeinträchtigte.
Auch das Wetter spielte weitgehend mit. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gab es nur über Teilen Norddeutschlands einige hohe Wolkenfelder, die lokal die Sicht verschlechtern konnten. Damit waren die Voraussetzungen gut für alle, die auf Sternschnuppen hofften – zumal diesen traditionell nachgesagt wird, Wünsche zu erfüllen.
Selbst in Berlin waren schon vor 23 Uhr erste Meteore zu erkennen. Trotz der starken Lichtverschmutzung seien bereits einige Sternschnuppen beobachtet worden, sagte Tim Florian Horn, Direktor des Zeiss-Großplanetariums, der dpa. Auf einer Freifläche neben dem Planetarium verfolgten Besucher das Spektakel direkt.
Die Perseiden waren bereits in den Nächten vor dem Maximum gut sichtbar. Auch in den kommenden Nächten lohnt sich der Blick nach oben weiterhin, sofern das Wetter mitspielt. Laut Horn nimmt die Aktivität nun langsam ab, der Meteorstrom bleibt aber noch bis zum 24. August sichtbar.
Komet als Ursprung der Perseiden
Die Perseiden gehen auf den Kometen 109P/Swift-Tuttle zurück. Die Erde kreuzt auf ihrer Bahn eine Spur aus feinen Staubteilchen, die der Komet hinterlassen hat. Dringen diese Teilchen in die Erdatmosphäre ein, verglühen sie und erzeugen die bekannten Leuchtspuren. Mit rund 60 Kilometern pro Sekunde zählen die Perseiden zu den schnelleren Meteoren. Einzelne Exemplare können als besonders helle Feuerkugeln beinahe die Leuchtkraft der Venus erreichen.
Am besten Richtung Nordosten schauen
Ihren Namen verdankt der Meteorstrom dem Sternbild Perseus. Von dort scheinen die Sternschnuppen nach Einbruch der Dunkelheit zu kommen. Das Sternbild steht dann über dem nordöstlichen Horizont. Perseus ist ein Held aus der griechischen Mythologie.
Weitere Himmelsereignisse stehen bevor
Nach Sonnenfinsternis und Perseiden folgt schon bald das nächste Schauspiel: Am 28. August ist über Deutschland eine partielle Mondfinsternis zu sehen. Der Mond tritt dabei bereits um 4.34 Uhr in den Kernschatten der Erde ein.
Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland wird am 2. August 2027 erwartet. Eine totale Sonnenfinsternis wird an diesem Tag in Teilen Spaniens und Nordafrikas zu sehen sein. Für Spanien folgt am 26. Januar 2028 sogar noch eine ringförmige Finsternis, die unter anderem auch in Südamerika beobachtet werden kann. In Deutschland wird eine totale Sonnenfinsternis erst 2081 wieder sichtbar sein – dann allerdings nur im äußersten Südwesten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber