Von Australiens Bäumen in die Snacktüte: Die Macadamia und ihr langer Weg
Die letzten Macadamia-Nüsse der Saison liegen auf dem Boden, während zwischen den Baumreihen Kängurus umherspringen und die tief stehende Wintersonne die Plantagen an der Sunshine Coast in warmes Licht taucht. Geerntet wird in Australien von März bis Ende September. In dieser Zeit fallen die reifen Nüsse von selbst von den Bäumen. Danach beginnt ihr weiter Weg bis ins Supermarktregal. Vielen ist nicht bewusst, dass die oft als „Königin der Nüsse“ bezeichnete Macadamia ursprünglich aus Australien stammt.
Im Ort Yandina, etwa 100 Kilometer nördlich von Brisbane, wird ein Teil der Ernte bei Nutworks verarbeitet. Das Unternehmen kooperiert mit mehr als 80 Anbaubetrieben aus der Umgebung und übernimmt nach eigenen Angaben rund neun Prozent der australischen Gesamtmenge. Besucher können dort durch große Scheiben verfolgen, wie die extrem harten Schalen geöffnet, die Kerne sortiert und später gewürzt oder zu Öl und Nussmus weiterverarbeitet werden.
„Australien ist das einzige Land, in dem die Macadamia natürlicherweise vorkommt“, sagt Chris Fuller, der bei Nutworks die Erzeuger betreut. Zwar werde sie inzwischen weltweit angebaut, besonders stark in China und Südafrika, ihre Heimat bleibe jedoch Australien.
Eine Nuss mit langer Geschichte
Schon die indigenen Gemeinschaften Australiens schätzten die Macadamia als Nahrungsmittel. Sie nannten sie „Kindal Kindal“ und sammelten sie lange vor ihrer internationalen Vermarktung in den Regenwäldern an der Ostküste. Die Nüsse wurden über dem Feuer geröstet und anschließend mit Steinen geknackt.

Ein besonderer Baum steht bis heute im Botanischen Garten von Brisbane: der sogenannte Walter-Hill-Baum. Er wurde 1858 gepflanzt und trägt noch immer Früchte. Auf einer Tafel vor Ort wird er als Ursprung der Macadamia-Industrie bezeichnet.
Bereits 1857 hatte der aus Rostock stammende Botaniker Ferdinand von Mueller die Pflanze wissenschaftlich beschrieben und ihr den Namen Macadamia gegeben – zu Ehren seines Bekannten John Macadam, eines Wissenschaftlers und Politikers. Ob dieser die Nuss selbst jemals probiert hat, ist nicht bekannt.
Von den insgesamt vier bekannten Macadamia-Arten sind nur zwei essbar: Macadamia integrifolia und die deutlich seltenere Macadamia tetraphylla.
Nährstoffreich, aber sehr energiereich
Macadamias gelten ernährungsphysiologisch als wertvoll, vor allem wegen ihres hohen Gehalts an einfach ungesättigten Fettsäuren. Auch andere Nüsse liefern diese Fette, doch laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kann ein regelmäßiger Nussverzehr allgemein das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Ausschlaggebend sei das Zusammenspiel von ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2008 mit Menschen, deren Cholesterinwerte leicht erhöht waren, deutete darauf hin, dass eine Ernährung mit Macadamias den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen kann. Die Nuss enthält im Vergleich zu anderen Sorten besonders viel Fett, dafür aber wenig Kohlenhydrate. Nach Angaben der World Macadamia Organisation steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr nur gering an. Zudem liefert die Nuss B-Vitamine, Vitamin E sowie Calcium, Eisen und Magnesium.
Geschmacklich überzeugt sie mit einer feinen, buttrigen Note und einer weichen, fast cremigen Konsistenz. Allerdings ist sie auch ausgesprochen kalorienreich: 100 Gramm kommen auf mehr als 700 Kalorien. Deshalb gilt eine kleine Handvoll pro Tag als ausreichende Menge.
Warum Macadamias so kostspielig sind
Im Handel gibt es Macadamias inzwischen in zahlreichen Varianten – etwa mit Wasabi, Rosmarin und Meersalz, Fingerlimette oder Jalapeño, aber auch in süßen Versionen mit Manuka-Honig, Ahornsirup oder Salzkaramell. Beliebt ist außerdem die „Easy Crack“-Ausführung, bei der eine Kerbe in der Schale das Öffnen mit einem Metallschlüssel erleichtert.
Bis überhaupt eine Nuss heranwächst, ist jedoch viel Aufwand nötig. „Für den Macadamia-Anbau reichen Sonne und gute Laune nicht – man braucht Bienen“, sagt Fuller. Honigbienen und stachellose Bienen bestäuben die Blütenstände gemeinsam. Dennoch entwickelt sich am Ende nur etwa ein Prozent der Blüten tatsächlich zu einer Nuss.
Hinzu kommt, dass die Bäume erst nach fünf bis sieben Jahren nennenswerte Erträge liefern. Auch Ernte und Verarbeitung sind arbeitsintensiv. Kein Wunder also, dass Macadamias im Vergleich zu Walnüssen, Cashews oder Mandeln als Luxusprodukt gelten und deutlich teurer verkauft werden.
Australien setzt auf Europa
Gleichzeitig geraten australische Produzenten auf dem Weltmarkt zunehmend unter Druck. Vor allem China spielt eine immer größere Rolle. Auch Länder wie Malawi und Vietnam bauen ihre Produktion aus, berichtet Fuller. Deshalb richtet sich der Blick verstärkt nach Europa – insbesondere nach Deutschland. Dort wollen australische Anbieter mit nachhaltig erzeugten und möglichst chemiearm produzierten Macadamias neue Kundschaft gewinnen.
Fuller hofft dabei auch auf einen ähnlichen Effekt wie zuletzt bei Pistazien, deren Nachfrage durch den Hype um Dubai-Schokolade stark gestiegen ist. Selbst hohe Preise hätten viele Käufer nicht abgeschreckt. „Australien braucht so etwas wie einen eigenen Dubai-Schokoladen-Moment für die Macadamia“, sagt er mit einem Lächeln – und fährt zwischen den Baumreihen davon, vorbei an Kängurus und den letzten Nüssen der Saison.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber