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Warum Urzeitechsen oft kotzen mussten

Diese Langhals-Meeresräuber würgten wohl ihre Beutereste hoch – und genau das verrät Forschern heute Überraschendes.

23.09.2026, 09:43 Uhr

Tiere erbrechen nicht nur bei Unwohlsein. Bei Eulen, Katzen und anderen Arten dient das Hochwürgen auch dazu, sogenannte Gewölle auszuscheiden – also unverdauliche Überreste ihrer Beute. Laut dem Paläontologen Dirk Knaust ist dieses Verhalten uralt: Vermutlich mussten sich schon reptilienähnliche Meerestiere der Vorzeit auf diese Weise von schwer verdaulichen Muschelschalen befreien.

Knaust, Experte für fossile Spuren, hat in den vergangenen 30 Jahren Tausende Meter Bohrkerne aus Nordsee-Bohrungen seines Arbeitgebers Equinor untersucht. Für seine aktuelle Studie analysierte er mehr als 20 versteinerte Klumpen von Erbrochenem, die in der Fachwelt als Regurgitalithe bezeichnet werden. Die Stücke waren etwa walnuss- bis mangogroß. Durch Vergleiche mit bekannten Fossilien kam er zu dem Schluss, dass ausgestorbene Meeresreptilien die wahrscheinlichsten Verursacher waren.

Wohl nahe der Küste hochgewürgt

Nach Knausts Einschätzung könnten Plesiosaurier nach der Nahrungssuche küstennahe Bereiche aufgesucht haben, um sich auszuruhen oder zu schlafen – und dabei das Unverdauliche wieder hochgewürgt haben. Ein ähnliches Verhalten ist heute von Robben und Salzwasserkrokodilen bekannt. Anders als diese Tiere gingen Plesiosaurier wegen ihrer Körperform und ihres Gewichts wohl jedoch nicht an Land, sondern blieben im Wasser.

Plesiosaurier konnten mehr als zwölf Meter lang werden. Typisch für sie waren vier paddelartige Flossen und oft ein auffallend langer Hals. Dieses Körperbauprinzip erwies sich als äußerst erfolgreich: Nach Angaben der University of Cambridge überdauerten diese Meeresräuber über 140 Millionen Jahre und mehrere Massenaussterben. Die in der Studie im Geological Magazine beschriebenen Fundstücke ordnet Knaust den Kryptoklididen zu, einer mittelgroßen Gruppe von Plesiosauriern, die vor rund 175 bis 100 Millionen Jahren lebte.

Auch Urzeitechsen war manchmal zum Kotzen
Ansammlung von Muschelschalen und Pflanzenresten – interpretiert als das Erbrochene eines Plesiosauriers. Quelle: Dirk Knaust/Cambridge University/EurekaAlert/dpa

Frühere Forschungen legen nahe, dass Plesiosaurier mit nach unten gerichtetem Kopf Muscheln und andere Beute vom Meeresboden aufnahmen. Offenbar konnten sie die harten Schalen mit ihren Zähnen nicht zermahlen, sondern verschluckten die Tiere im Ganzen. Später würgten sie die Schalen dann als verdichtete Ballen wieder aus – ähnlich wie Eulen heute Haare und Knochen ihrer Beute als Gewölle hervorbringen.

In Höhlen geraten und fossil erhalten

In den versteinerten Brocken fanden sich außerdem Reste beziehungsweise Besiedlungen von Röhrenwürmern, Seelilien und Belemniten, also tintenfischähnlichen Kopffüßern. Diese Zusammensetzung und auch die Größe der Funde sprechen laut Studie dafür, dass Plesiosaurier dahintersteckten. Erhalten blieben die Klumpen wohl unter anderem deshalb, weil sie stark verdichtet und von Schleim umhüllt waren. Manche wurden rasch von Sediment bedeckt, andere gelangten in schützende Gänge und Höhlen am Meeresboden, die von Krebstieren angelegt worden waren, und versteinerten dort.

Knaust betont, dass es in den vergangenen zehn Jahren zwar zahlreiche Studien zu fossilisiertem Erbrochenem gegeben habe, diese sich aber meist auf Wirbeltiere konzentrierten, die andere Wirbeltiere fraßen. Der neue Befund sei besonders, weil nun erstmals Erbrochenes von Plesiosauriern samt der darin enthaltenen Schalentiere identifiziert worden sei – und genau diese Reste viel über Lebensweise und Ernährung der Tiere verrieten.

Die untersuchten Fossilien stammen überwiegend aus Arbeiten für eine Unterwasser-CO2-Speicherstätte nahe dem Gas- und Ölfeld Troll. Das Gebiet liegt etwa 50 Kilometer vor der norwegischen Küste in einem Bereich, der einst aus flachen Gewässern von Flussdeltas bestand.

Auch anderswo könnten solche Funde warten

Da Skelette von Plesiosauriern weltweit entdeckt wurden, hält Knaust es für gut möglich, dass sich auch an vielen anderen früheren Küstenlinien versteinerte Würgballen dieser Meeresreptilien finden lassen. Für ihn ist das erst der Anfang: Wer untersucht, was ausgestorbene Tiere nach dem Fressen wieder ausgespuckt haben, könne noch viel über vergangene Ökosysteme lernen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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