Warum uns das Meer so anzieht
In den Sommerferien zieht es viele Menschen an Strand und Küste. Doch was macht das Meer so besonders, dass viele immer wieder dorthin zurückkehren wollen?
Weshalb schon der Gedanke an türkisblaues Wasser so angenehm sein kann
Nach Einschätzung des Farbpsychologen Axel Buether von der Bergischen Universität Wuppertal spielen dabei Prozesse im Gehirn eine wichtige Rolle. Bestimmte Blautöne könnten dort Erinnerungen an das Meer aktivieren. Die Farbe wirke dabei wie ein äußerer Reiz, ähnlich wie ein bekanntes Lied oder ein vertrauter Duft. Wer Blau sehe, denke deshalb nicht nur ans Meer, sondern erinnere sich oft auch an das Gefühl des Schwimmens, an Sommer, Erholung und schöne Momente. Das könne kurzfristig sogar Glücksgefühle auslösen.
Warum gerade Blau diese Wirkung hat
Buether zufolge ist Blau in der Natur vor allem mit Himmel, Wasser und Ferne verbunden. Dadurch entsteht in der Wahrnehmung ein Eindruck von Offenheit und Weite. Viele Menschen verknüpfen die Farbe deshalb mit Ruhe, Freiheit und Verlässlichkeit.
Das gelte nicht nur in Europa. Weltweit zähle Blau zu den am positivsten bewerteten Farben und sei für viele Menschen die Lieblingsfarbe. Zugleich könne Blau unterschiedliche Stimmungen hervorrufen: Meerblau werde oft als frisch, kühl oder feucht empfunden, Azurblau eher als friedlich, während Ultramarin auch eine gewisse Melancholie auslösen könne.
Diese Bedeutung zeige sich zudem in Kultur und Religion. So werde Maria im Christentum häufig in blauer Kleidung dargestellt. Auch im alten Ägypten spielte Blau eine wichtige Rolle: Dort nutzte man Lapislazuli, ein tiefblaues Gestein, für Schmuck, Kultobjekte und Grabbeigaben.

Welche Bedeutung Farben insgesamt haben
Farben prägen den Alltag stärker, als vielen bewusst ist. Sie beeinflussen, wie Menschen ihre Umgebung wahrnehmen, wie sie sich fühlen, wie sie sich orientieren und auch, welche Entscheidungen sie treffen. Ein einfaches Beispiel ist die Ampel, bei der Farben klare Signale vermitteln. Laut Buether können Farben körperliche Reaktionen auslösen, Stimmungen erzeugen und Bedeutungen transportieren.
Dabei komme es jedoch nicht nur auf allgemein erlernte Bedeutungen an, sondern auch auf persönliche Erfahrungen. Selbst die oft positiv besetzte Farbe Blau könne negativ wirken. Wer etwa mit einem blauen Auto einen Unfall erlebt habe, könne diese Farbe später mit Angst verbinden. Ähnliches gelte für traumatische Erfahrungen auf dem Meer.
Wie Farben überhaupt entstehen
Buether betont, dass Farben keine festen Eigenschaften von Gegenständen seien. Sie entstünden erst dadurch, dass das Gehirn Lichtreize verarbeitet. Außerhalb des Menschen gebe es lediglich Materie und elektromagnetische Strahlung; die eigentliche Farbwahrnehmung entstehe im Kopf. Der Forscher vergleicht das mit Sprache: Zunächst existieren nur Schallwellen, erst das Gehirn formt daraus Wörter, Sätze und Bedeutung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber