Eisberg behindert Kaiserpinguine: Deutlich weniger Küken in großer Antarktis-Kolonie
Kaiserpinguine sind extreme Bedingungen gewohnt: klirrende Kälte, lange Dunkelheit und ausgedehnte Märsche über das antarktische Eis. In einer der größten Kolonien weltweit hat nun jedoch offenbar ein festgefahrener Eisberg den Bruterfolg massiv beeinträchtigt. Nach Angaben eines südkoreanischen Forschungsteams sank die Zahl der Küken Ende 2025 um rund zwei Drittel. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht.
Während ihrer Brutzeit von Juni bis Januar sind Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) auf zwei Voraussetzungen angewiesen: tragfähiges Meereis für die Aufzucht ihrer Jungen und einen möglichst kurzen Zugang zum offenen Wasser. Dort jagen die Elterntiere nach Nahrung, die sie in regelmäßigen Abständen zu den Küken bringen müssen.
Eisberg versperrte offenbar den gewohnten Weg
Auf Coulman Island in der Antarktis könnte genau dieser Zugang im vergangenen Jahr erheblich erschwert worden sein. Ende Juli setzte sich ein fast 14 Kilometer langer Eisberg wenige Kilometer nördlich der Kolonie am Meeresboden fest. Aus Sicht der Forschenden geschah das zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Die Küken waren gerade geschlüpft.
Gerade in dieser frühen Phase sind die Jungtiere darauf angewiesen, häufig gefüttert zu werden. Der Eisberg dürfte jedoch den üblichen Weg zwischen Kolonie und offenem Meer behindert haben. Nach Berechnungen des Teams um Jeong-Hoon Kim vom Koreanischen Polarforschungsinstitut in Incheon verlängerte sich die Strecke zum offenen Wasser dadurch von etwa 9 auf beinahe 15 Kilometer.

Erschwerend kam offenbar die Form des Eisbergs hinzu. Auf der dem offenen Meer zugewandten Seite verlief er relativ flach. In Richtung der Kolonie ragte dagegen eine mehr als 20 Meter hohe Eiswand auf. Zwar gab es an einer Stelle einen schmalen Durchgang, doch dieser war nach Einschätzung der Forschenden womöglich schwer zu finden. Die Tiere mussten deshalb wahrscheinlich zusätzliche Umwege in Kauf nehmen.
Starker Einbruch bei der Zahl der Jungtiere
In der betroffenen Brutsaison registrierte das Forschungsteam 6.658 lebende Küken in der Kolonie. Das entspricht einem Rückgang von rund 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch im Vergleich zum Mittel der Jahre 2017 bis 2024 lag die Zahl deutlich niedriger.
Die Wissenschaftler vermuten, dass die Elterntiere wegen des Eisbergs mehr Zeit und Energie für die Nahrungssuche aufbringen mussten. Schon kurze Verzögerungen können in den ersten Wochen nach dem Schlüpfen kritisch sein, wenn Küken nicht regelmäßig versorgt werden. Vor Ort entdeckten die Forschenden zudem mehrere tote Jungtiere, was diese Annahme stützt.
Studie zeigt möglichen zusätzlichen Risikofaktor
Bislang konzentrierte sich die Forschung zu Kaiserpinguinen vor allem auf die Frage, wie sich großflächige Veränderungen des Meereises auf die Art auswirken. Die neue Untersuchung deutet nun auf einen weiteren Einfluss hin: Auch einzelne Eisberge könnten den Fortpflanzungserfolg einer Kolonie deutlich mindern, selbst wenn die allgemeinen Meereisbedingungen zunächst günstig erscheinen.
Die Autoren betonen allerdings, dass ihre Analyse nur eine einzige Brutsaison erfasst. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang lasse sich daher nicht beweisen. Dennoch halten sie den Eisberg für eine schlüssige Erklärung für den drastischen Rückgang der Kükenzahl. Andere Umweltfaktoren könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben.
Kaiserpinguine sind auf stabiles Meereis angewiesen
Kaiserpinguine werden mehr als einen Meter groß und leben südlicher als jede andere Pinguinart. Den Großteil des Jahres – von April bis Januar – verbringen sie auf stabilem, mit dem Festland verbundenem Meereis. Ihre Eier legen sie zwischen Mai und Juni. Nach rund 65 Tagen schlüpfen die Küken. Flügge werden sie erst im Dezember und Januar, also im antarktischen Sommer. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt die Art auf ihrer Roten Liste als stark gefährdet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber