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Zeugnis-Schock? So reagieren Eltern jetzt richtig

Zeugnisse sind da: Was Eltern jetzt unbedingt sagen sollten – und welcher Fehler Kinder besonders verletzt

27.07.2026, 05:00 Uhr

Zeugnisse: Warum Eltern bei schlechten Noten ruhig bleiben sollten

An diesem Freitag werden wieder Zeugnisse verteilt. Für manche Kinder ist das ein belastender Tag, weil sie Angst vor der Reaktion zu Hause haben. Die pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes Bayern, Alexandra Schreiner-Hirsch, warnt jedoch davor, mit Druck, Schimpfen oder Strafen auf schlechte Noten zu reagieren. Auch Belohnungen wie Geld oder Geschenke hält sie für problematisch, weil sie die innere Motivation der Kinder zum Lernen schwächen können.

Selbst bei einem sehr guten Zeugnis sollten Eltern nach ihrer Einschätzung nicht ausschließlich auf die Leistung schauen. Ein Kind bestehe aus weit mehr als Schulnoten: etwa aus Verantwortungsgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität, emotionaler Stärke, sportlichen oder sprachlichen Begabungen. Noten seien nur ein sehr kleiner Teil dessen, was einen Menschen ausmache.

Erst beruhigen, dann zuhören

Fallen die Noten schlecht aus, rät die Expertin Eltern zunächst dazu, tief durchzuatmen, die eigenen Gefühle zurückzustellen und dem Kind Nähe zu geben. Entscheidend sei, zuzuhören und nachzufragen: Wie geht es dem Kind mit den Noten? Was braucht es jetzt? Eltern sollten ihrem Kind vermitteln, dass ihre Liebe nicht von schulischen Leistungen abhängt.

Wichtig sei außerdem, gemeinsam nach vorne zu schauen. In einem ruhigen Gespräch könne geklärt werden, welche Unterstützung sinnvoll ist — etwa gemeinsames Lernen, Nachhilfe, eine Wiederholung des Schuljahres oder sogar ein Schulwechsel. Idealerweise komme ein Zeugnis dabei nicht überraschend. Nach Ansicht von Schreiner-Hirsch sollten Eltern bei gutem Kontakt zum Kind und in enger Zusammenarbeit mit der Schule frühzeitig wissen, wenn es Probleme gibt.

Zeugnis
Die Zeugnisnoten sollten für niemanden eine Überraschung sein. (Symbolbild) Quelle: Maria Berentzen/dpa

Kinder nicht miteinander vergleichen

Besonders deutlich warnt die Fachfrau vor Vergleichen mit Geschwistern, Freunden oder Klassenkameraden. Solche Vergleiche könnten Konkurrenz fördern und Mobbing begünstigen. Kinder entwickelten sich nun einmal unterschiedlich — genauso wie beim körperlichen Wachstum verlaufe auch schulisches Lernen nicht bei allen gleich schnell.

Nach Beobachtung des Kinderschutzbundes wächst der Leistungsdruck an Schulen seit Jahren. Wenn Kinder ständig das Gefühl hätten, nur über ihre Leistung bewertet zu werden, könne das schwerwiegende Folgen haben. Manche reagierten mit Wut, Rückzug, kompletter Verweigerung oder suchthaftem Verhalten.

Gute Chancen ja — aber nicht um jeden Preis

Dass Eltern ihrem Kind die bestmöglichen Zukunftschancen eröffnen wollen, hält Schreiner-Hirsch für verständlich. Dennoch müsse man sich fragen, ob ein vorgezeichneter Bildungsweg wirklich zum Kind passe. Nicht immer sei der direkte Weg auch der richtige — vor allem dann nicht, wenn er mit Leid, Tränen und dauerhaftem familiärem Stress verbunden ist.

Wo Familien Hilfe bekommen

Wer Beratung zur schulischen Laufbahn eines Kindes sucht, kann sich in Bayern an die staatlichen Schulberatungsstellen wenden, deren Angebote oft auch als „Zeugnistelefon“ bekannt sind. Auch Beratungslehrkräfte an Schulen helfen bei Fragen zu Lernstrategien, Schulwechseln oder weiteren Möglichkeiten.

Eltern, die sich überfordert fühlen oder sich Sorgen um ihr Kind machen, können zudem das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“ unter 0800 111 0550 anrufen. Kinder und Jugendliche erreichen die Beratung unter 116 111.

Gerade rund um die Zeugnisausgabe steige dort die Zahl der Anrufe deutlich an. Laut Schreiner-Hirsch erleben Beratungsstellen noch immer Fälle, in denen Kinder wegen schlechter Noten geschlagen oder massiv abgewertet werden. Zugleich gebe es aber auch viele Eltern, die bewusster und verständnisvoller mit dem Thema umgehen — manche entscheiden sich sogar für alternative Bildungswege, um dem starken Notendruck zu entkommen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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