Ärzte ohne Grenzen drängt auf deutlich günstigeren Preis für Lenacapavir
Zum Beginn der Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro hat Ärzte ohne Grenzen eine massive Senkung des Preises für das HIV-Präventionsmittel Lenacapavir verlangt. Nach Ansicht der Organisation darf der Zugang zur Vorbeugung nicht daran scheitern, dass ein Medikament künstlich teuer bleibt. Gefordert werden Kosten von rund 40 US-Dollar pro Person und Jahr sowie eine breite Herstellung preiswerter Generika.
Nach Angaben der Hilfsorganisation verlangt der US-Pharmakonzern Gilead derzeit etwa 28.000 US-Dollar für eine Jahresdosis mit zwei Injektionen. Dieser Preis bezieht sich zwar auf die Behandlung von Menschen mit bereits bestehender HIV-Infektion in den USA und nicht auf die vorbeugende Anwendung. Dennoch sei ein solches Preisniveau für Gesundheitssysteme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen nicht tragbar.
Zwei Injektionen pro Jahr als Alternative zur täglichen PrEP
Lenacapavir wird zur Vorbeugung gegen HIV nur zweimal jährlich verabreicht. Damit könnte das Mittel für viele Menschen eine praktikable Alternative zur bisherigen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Tablettenform sein, die täglich eingenommen werden muss. Gerade in Krisengebieten, Flüchtlingslagern oder abgelegenen ländlichen Regionen sei eine tägliche Medikamenteneinnahme oft schwer umzusetzen.
Weiterhin hohe Zahl an Neuinfektionen weltweit
Nach Zahlen des Aktionsbündnisses gegen Aids stecken sich weltweit jedes Jahr rund 1,2 Millionen Menschen neu mit HIV an. Etwa 570.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Aids. Inzwischen entfällt demnach erstmals mehr als die Hälfte der Neuinfektionen auf Regionen außerhalb von Subsahara-Afrika. Gleichzeitig gerät die internationale HIV-Bekämpfung unter zusätzlichen Druck, weil die globale Gesundheitsfinanzierung deutlich zurückgeht.
Lenacapavir im Fokus der Welt-Aids-Konferenz
Die Welt-Aids-Konferenz läuft vom 26. bis 31. Juli in Rio de Janeiro. Dort beraten Wissenschaftler, Politiker, Unternehmen, Aktivisten und Betroffenenvertreter über die künftige Strategie im Kampf gegen HIV. Der weltweite Zugang zu Lenacapavir zählt dabei zu den wichtigsten Diskussionsthemen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber