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Darum wird Sommerurlaub jetzt zur Gefahr

Mücken-Viren, Keime im Meer, Hitzefallen in Städten: Wie der Klimawandel selbst in Mitteleuropa den Urlaub kippen lässt.

30.06.2026, 05:00 Uhr

Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren ungefähr doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt. Kein anderer Kontinent heizt sich stärker auf. Das hat spürbare Folgen auch für Reisende: Krankheitserreger breiten sich weiter nach Norden aus, Gewässer verändern sich, und Hitze belastet Städte immer stärker. Sieben Fragen und Antworten zu den wachsenden Risiken des Reisens im Klimawandel.

Werden Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya auch in Europa relevant?

Ja. Beide Virusinfektionen werden durch die Asiatische Tigermücke übertragen, die sich in Europa seit Jahren deutlich ausbreitet. Vor rund zehn Jahren war sie in 114 Regionen der EU nachgewiesen, inzwischen in 384 Regionen und damit in 16 EU-Staaten. Auch in Süddeutschland kommt sie inzwischen vor, wie die EU-Gesundheitsbehörde ECDC im April mitteilte.

Im vergangenen Sommer wurde Chikungunya erstmals im Elsass unweit der deutschen Grenze lokal übertragen. Das war die bislang nördlichste bekannte Übertragung in Europa. Fachleute der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin raten daher, Mückenschutz besonders bei Reisen in den Mittelmeerraum genauso ernst zu nehmen wie Sonnenschutz.

Kann man in Europas Badegewässern noch bedenkenlos schwimmen?

Grundsätzlich hat sich die Wasserqualität an vielen Badegewässern in der EU seit 2010 eher verbessert. Gleichzeitig schaffen steigende Temperaturen jedoch günstigere Bedingungen für Cyanobakterien, umgangssprachlich oft Blaualgen genannt.

Solche Belastungen sind in der Natur meist an grünlich verfärbtem Wasser zu erkennen, das an Erbsensuppe oder Entengrütze erinnern kann. Cyanobakterien können Giftstoffe bilden, die Hautreizungen verursachen. Werden sie verschluckt, drohen Übelkeit, Erbrechen und in schweren Fällen sogar Leberschäden.

Bergwanderer
Viele Bergtouren werden im Klimawandel unberechenbarer Quelle: picture alliance / Angelika Warmuth/dpa

Betroffen sind zunehmend nicht nur Gewässer im Süden Europas, sondern auch Badeseen in Deutschland und Mitteleuropa. Messen Behörden an Badestellen gesundheitsschädliche Konzentrationen, sprechen sie Warnungen oder Badeverbote aus.

Ist das Baden in der Ostsee riskanter geworden?

Die Ostsee erwärmt sich nach Einschätzung von Forschenden des Geomar Helmholtz-Zentrums in Kiel schneller als viele andere Meeresgebiete weltweit. Dadurch können sich Vibrionen leichter ausbreiten. Diese Bakterien vermehren sich besonders stark bei Wassertemperaturen über 20 Grad.

Für gesunde Menschen ist das Risiko meist gering. Problematisch kann es aber für ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Menschen mit offenen Wunden werden. Bei ihnen können Vibrionen schwere Wundinfektionen und im Extremfall eine Blutvergiftung auslösen. Auch in der Nordsee wurden vereinzelt Fälle beziehungsweise Vorkommen registriert, so das Robert Koch-Institut.

Was bedeutet der Klimawandel für Bergtouren in den Alpen?

Wandern und Bergsteigen in den Alpen werden unsicherer. Gründe sind schmelzende Gletscher, auftauender Permafrost und häufigere Wetterextreme. Nach Angaben des Deutschen Alpenvereins sind manche Routen, die früher im Sommer problemlos möglich waren, inzwischen eher im Frühjahr oder Herbst sicher begehbar.

Zudem nehmen Felsstürze und Steinschlag zu, und Wetterlagen lassen sich schwerer einschätzen. Auf ältere gedruckte Wanderkarten und Führer allein sollten sich Bergurlauber deshalb nicht mehr verlassen.

Sind Städtereisen im Hochsommer noch ratsam?

Viele europäische Großstädte heizen sich im Sommer stark auf. Dichte Bebauung, versiegelte Flächen und fehlendes Grün sorgen dafür, dass Hitze gespeichert wird und die Temperaturen nachts kaum sinken. Dieses Phänomen wird als Hitzeinseleffekt bezeichnet.

Nach Prognosen dürften Städte wie Madrid, Athen, Rom oder Budapest künftig noch häufiger extreme Hitze erleben. Das kann besonders für ältere Menschen, Schwangere, Säuglinge sowie für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen gesundheitlich gefährlich werden.

Reisemediziner empfehlen deshalb, Reisezeiten und Ziele anzupassen und Städtetrips möglichst nicht in die heißesten Sommerwochen zu legen.

Können Waldbrände auch aus der Ferne gesundheitlich belasten?

Ja. Längere Trockenperioden und ausgedörrte Böden erhöhen vor allem in Südeuropa und im Mittelmeerraum die Gefahr großer Waldbrände. Aber auch in Deutschland kann Trockenheit dazu führen, dass sich Feuer rasch ausbreiten.

Selbst wenn ein Brand weit entfernt ist, können Rauch und Feinstaub die Luftqualität über große Distanzen verschlechtern und die Atemwege belasten. Für Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen ist das besonders problematisch. Die Weltgesundheitsorganisation zählt außerdem Kinder, ältere Menschen, Schwangere sowie Personen mit Herz- oder Lungenerkrankungen zu den besonders gefährdeten Gruppen.

Nimmt im Urlaub auch das Risiko durch UV-Strahlung und Hautkrebs zu?

Steigende Temperaturen führen oft dazu, dass Menschen mehr Zeit draußen verbringen und sich dabei nicht immer ausreichend vor der Sonne schützen. Hinzu kommt, dass in vielen Regionen die Zahl der Sonnenstunden zugenommen hat, auch in Deutschland.

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz zeigen Messreihen des Deutschen Wetterdienstes, dass die jährliche Sonnenscheindauer von 1951 bis 2021 im linearen Trend um 132 Stunden gestiegen ist. Mehr Sonnenstunden bedeuten auch mehr Zeit, in der UV-Strahlung ungehindert auf die Erdoberfläche treffen kann.

Dadurch kann die persönliche UV-Belastung steigen – und damit langfristig auch das Risiko für Hautkrebs.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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