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Seltene Sensation: 26 Schreiadler-Küken geschlüpft

Nur 130 Paare übrig: 26 Schreiadler-Küken kämpfen ums Überleben – mit einem raffinierten Trick, der überrascht.

29.06.2026, 14:22 Uhr

In Deutschland leben nur noch rund 130 Brutpaare des Schreiadlers. Um die seltene Art zu stützen, sind nun in einer Aufzuchtstation bei Potsdam 26 Küken geschlüpft. Wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mitteilte, wurden alle Eier aus Nestern in Deutschland und Polen gesammelt und künstlich ausgebrütet.

Schreiadler (Clanga pomarina) legen meist zwei Eier, ziehen aber normalerweise nur ein Jungtier groß. Das zuerst geschlüpfte Küken setzt sich nicht nur gegen das jüngere Geschwister durch – nach Nabu-Angaben tötet es dieses in der Regel.

Zweite Eier werden gezielt gesichert

Die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe entnimmt deshalb aus deutschen und polnischen Nestern die zweiten Eier und lässt die Küken von Hand aufziehen. Für das Überleben der bedrohten Adlerart sei jedes einzelne Küken wichtig, sagte Nabu-Adlerexperte Ludwig Klein.

Pfleger mit Adlermaske und Umhang

Die Aufzucht der Jungvögel ist sehr aufwendig. Mehrmals täglich werden die Küken gefüttert, unter anderem mit Mäusefleisch, und regelmäßig gewogen. Damit sich die Tiere nicht an Menschen gewöhnen, tragen die Pfleger laut Nabu Adlermaske und Umhang.

Ende Juli sollen die jungen Schreiadler in eine Auswilderungsstation umziehen. Dort können sie tagsüber bereits frei fliegen, werden aber weiter versorgt. Nachts kommen sie zu ihrem Schutz, etwa vor Waschbären, in eine Voliere.

Freilassung vor dem Vogelzug

Im September, rechtzeitig vor dem Vogelzug, sollen die Jungvögel in die Freiheit entlassen werden. Schreiadler legen laut Nabu auf dem Weg in ihre Winterquartiere im südlichen Afrika bis zu 10.000 Kilometer zurück.

Kleinste heimische Adlerart braucht bessere Lebensräume

Der Schreiadler, auch Pommernadler genannt, ist mit einer Flügelspannweite von 143 bis 168 Zentimetern die kleinste heimische Adlerart. Seinen Namen verdankt er seinem markanten Balzruf.

Die letzten Brutpaare in Deutschland leben nach Nabu-Angaben nur noch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Ein großes Problem ist der Mangel an geeigneten Lebensräumen: Vor allem Wiesen und Weiden als Nahrungsflächen werden immer seltener.

Die Nabu-Stiftung versucht deshalb, Brut- und Nahrungsgebiete in Schutzarealen aufzuwerten. Dazu wird unter anderem Grünland wiedervernässt, um die Bedingungen für die seltenen Adler zu verbessern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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