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Berliner Ebola-Patient schwebte in Lebensgefahr

Ebola-Drama an der Charité: Wie Ärzte einen infizierten Mediziner retteten – und welche Rolle Drosten dabei spielte.

09.06.2026, 18:40 Uhr

Kritische Stunden während des Transports

Der inzwischen genesene Ebola-Patient, der an der Berliner Charité behandelt wurde, schwebte zwischenzeitlich in akuter Lebensgefahr. Besonders kritisch seien die Stunden zwischen seinem Abflug aus Uganda und der Ankunft in Deutschland gewesen, sagte Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin, auf einer Pressekonferenz. In dieser Phase habe die Sorge bestanden, dass sich sein Zustand so schnell verschlechtern könnte, dass er den Transport nicht überlebt.

Nach gut zwei Wochen Behandlung wurde der US-amerikanische Arzt vor wenigen Tagen aus der Charité entlassen. Er hatte sich bei einem Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo infiziert, nachdem er dort eine Ebola-Patientin behandelt hatte.

Familie vorsorglich in Quarantäne

Auch seine Ehefrau und die vier Kinder kamen in die Charité. Symptome zeigten sie nicht. Sie wurden in einem getrennten Bereich der Sonderisolierstation unter Quarantäne betreut. Nach Angaben von Sander ist die Frau ebenfalls Ärztin und hatte im Kongo dieselbe Patientin wie ihr Mann behandelt.

Da Ebola bei Kindern sehr schnell tödlich verlaufen kann, wurde die gesamte Familie täglich untersucht.

Behandlung mit experimentellem Medikament

Nach Angaben der Charité erhielten Vater, Mutter und Kinder das experimentelle Antikörper-Medikament MBP134. Das Präparat ist bislang nicht zugelassen und befindet sich noch in der klinischen Erprobung. Weltweit sei es bisher erst an sechs gesunden Menschen getestet worden, sagte Sander. Die Datenlage sei deshalb sehr begrenzt.

Der erkrankte Arzt bekam zusätzlich Remdesivir, das unter anderem auch bei Covid-19 eingesetzt wurde. Nach Einschätzung der behandelnden Ärzte stabilisierte sich sein Gesundheitszustand unter dieser Kombinationstherapie sehr rasch. Zugleich betonte Sander, dass sich aus einem individuellen Heilversuch nicht sicher ableiten lasse, ob die Medikamente tatsächlich entscheidend für die Besserung waren.

Ein Mittel auch für den Kongo?

Im Kongo sind inzwischen mehr als 100 bestätigte Todesfälle registriert worden, zudem gibt es hunderte Infektionen. Ob MBP134 dort ebenfalls eingesetzt werden könnte, bleibt aus Sicht der Ärzte fraglich.

Zwar wäre es wichtig, solche Präparate insbesondere Menschen in den Endemiegebieten und Helfenden vor Ort zugänglich zu machen. Die Bedingungen seien jedoch äußerst schwierig. In den Ausbruchsgebieten fehle es teils an grundlegender medizinischer Ausstattung, außerdem stünden manche Regionen unter der Kontrolle von Milizen. Sander zeigte sich daher eher skeptisch, dass das Medikament dort in größerem Umfang verfügbar gemacht werden kann.

Christian Drosten entwickelte PCR-Tests mit

Dass der Ebola-Ausbruch im Kongo längere Zeit unbemerkt blieb, lag laut Sander auch daran, dass zunächst keine geeigneten Tests verfügbar waren, die das Virus zuverlässig nachweisen konnten. Der Charité-Virologe Christian Drosten habe maßgeblich an der Entwicklung eines passenden PCR-Tests mitgewirkt. Diese Tests seien anschließend Laboren weltweit zur Verfügung gestellt worden.

Charité bleibt für weitere Fälle bereit

Das Zimmer des US-Arztes auf der Sonderisolierstation ist inzwischen wieder frei. Neue Anfragen zur Aufnahme weiterer Ebola-Patienten gibt es derzeit nicht. Sollte erneut Hilfe benötigt werden, stehe die Charité nach Angaben von Sander bereit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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