Mpox in Berlin: Infektionen treten inzwischen auch bei Sex zwischen Frauen und Männern auf
In Berlin wird Mpox nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) zunehmend nicht mehr nur in den bislang besonders betroffenen Gruppen übertragen. Zuletzt seien mehrere Ansteckungen im Umfeld sexpositiver Veranstaltungen für heterosexuelle und queere Menschen bekannt geworden, berichtet die Behörde in ihrem aktuellen Wochenbericht.
Mehrere aktuelle Fälle bei Frauen
Allein im August wurden dem Lageso bislang zwei Frauen mit einer Mpox-Infektion gemeldet. Außerdem infizierte sich in diesem Zeitraum ein Mann, der angab, sich möglicherweise beim Sex mit einer Frau angesteckt zu haben. Nach Einschätzung der Behörde könnten sich alle drei Betroffenen bei anonymen sexuellen Kontakten in Clubs oder im privaten Umfeld infiziert haben.
Seit Jahresbeginn wurden in Berlin insgesamt vier Mpox-Fälle bei Frauen registriert. Üblicherweise betrifft das Virus vor allem Männer, die Sex mit Männern haben und häufiger wechselnde Partner haben.
Fallzahlen liegen über denen der Vorjahre
In Berlin wurden in diesem Jahr bisher 156 Mpox-Fälle gemeldet. Damit liegt die Zahl über dem gleichen Zeitraum des Vorjahres mit 144 Fällen. Auch im Vergleich zu den gesamten Jahren 2024 mit 38 Fällen und 2023 mit 13 Fällen ist der Anstieg deutlich.
Bundesweit zählt das Robert Koch-Institut (RKI) nach Stand vom 27. August bislang 375 gemeldete Mpox-Infektionen. Laut RKI-Epidemiologe Klaus Jansen entfielen 98 Prozent der Fälle auf Männer. Soweit der Übertragungsweg bekannt sei, hätten sich diese fast immer beim Sex mit Männern angesteckt. Eine bundesweite Entwicklung wie derzeit in Berlin sei bislang jedoch nicht zu erkennen. Wie sich die Lage weiter entwickelt, müsse beobachtet werden.

Lageso warnt vor neuer Dynamik
Die Infektionsepidemiologin Claudia Ruscher vom Lageso äußerte sich besorgt. Es sei problematisch, dass Mpox offenbar nun auch Personengruppen erreiche, die bislang kaum betroffen gewesen seien und deshalb oft weder gut informiert noch ausreichend geimpft seien.
Zwar wirkten vier Fälle bei Frauen zunächst nach wenig, doch aus Sicht des Lageso spricht die Häufung innerhalb kurzer Zeit für eine neue Entwicklung. In den vergangenen Jahren sei entweder gar keine oder höchstens eine Frau pro Jahr betroffen gewesen. Nur während des großen Ausbruchs 2022 habe es ebenfalls vier Fälle bei Frauen gegeben — damals allerdings bei insgesamt etwa zehnmal so vielen Infektionen wie heute.
Erkrankung kann deutlich schwer verlaufen
Wer nicht geimpft ist und sich zum ersten Mal mit Mpox ansteckt, muss laut Ruscher eher mit einem stärkeren Krankheitsverlauf rechnen. Häufig komme es zu Fieber sowie zu Hautveränderungen am ganzen Körper. Dabei handele es sich nicht nur um kleine Bläschen, sondern oft um stark juckende und teils eitrige Pusteln, die sehr schmerzhaft sein können.
Übertragung durch engen Körperkontakt
Mpox ist eine Viruserkrankung, die vor allem durch engen Körperkontakt weitergegeben wird — besonders beim Sex. Ein hohes Ansteckungsrisiko besteht bei Kontakt mit den typischen Hautveränderungen wie Bläschen oder Schorf, die am gesamten Körper auftreten können. Deshalb bieten Kondome allein keinen verlässlichen Schutz. Auch eine Übertragung über Speichel beziehungsweise Tröpfchen ist möglich. Gegen Mpox gibt es eine Impfung.
Bereits 2022 hatte sich die Krankheit in Deutschland stark ausgebreitet. Besonders betroffen waren damals Männer, die Sex mit Männern haben und häufig wechselnde Partner hatten. Für diese Gruppe wurde anschließend gezielt zur Impfung aufgerufen; die Bereitschaft zur Immunisierung war hoch.
Symptome werden oft nicht erkannt
Bei anderen Bevölkerungsgruppen sei das Wissen über Mpox dagegen oft gering, sagte Ruscher. Viele Betroffene würden die Hautveränderungen zunächst nicht mit der Krankheit in Verbindung bringen. Stattdessen hielten sie die Pusteln etwa für Rasierpickel, Mückenstiche oder Herpes und suchten nicht sofort ärztliche Hilfe. Ein Patient habe sogar vier verschiedene Arztpraxen aufsuchen müssen, bis die richtige Diagnose gestellt worden sei.
Wie sich die Situation weiterentwickelt, lässt sich nach Einschätzung der Expertin noch nicht genau vorhersagen. Weitere Infektionen bei Frauen seien jedoch durchaus zu erwarten.
Impfempfehlung für Risikogruppen
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Mpox-Impfung unter anderem für Männer, Transpersonen und nicht-binäre Menschen, die Sex mit Männern haben und dabei häufig ihre Partner wechseln. Auch Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie Personen mit engem Kontakt zu Infizierten zählen zu den empfohlenen Gruppen. Nach Angaben des RKI ist die Impfung sehr wirksam und in der Regel gut verträglich. Wer sich trotz Impfung infiziert, hat meist einen deutlich milderen Verlauf.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber