Im Fall des Buckelwals Timmy gibt es nun Klarheit: Nach einer neuen fachlichen Auswertung steht fest, dass das tote Tier, das vor der dänischen Insel Anholt angespült wurde, tatsächlich der Wal war, der zuvor in einem aufwendigen Transport Richtung Nordsee gebracht worden war.
Der Molekulargenetiker Bertram Brenig von der Universität Göttingen teilte der dpa mit, dass zwei untersuchte DNA-Datensätze zu etwa 99,91 Prozent übereinstimmten. Aus wissenschaftlicher Sicht seien die Proben damit nahezu identisch. Auch andere Fachleute bestätigten, dass ein so hoher Wert eindeutig dafür spreche, dass beide Proben vom selben Tier stammen.
Brenig machte allerdings keine Angaben dazu, woher die ihm vorgelegten Proben stammten oder ob sie korrekt behandelt worden waren. Seine Einschätzung beziehe sich ausschließlich auf die übermittelten genetischen Daten.
Widersprüchliche Aussagen im Juli
Für Verwirrung hatten zuvor Äußerungen der Kleintierärztin Kirsten Tönnies gesorgt, die zu der privaten Initiative für den Transport des Wals gehörte. Bei einer Pressekonferenz im Juli hatte sie erklärt, Gewebeproben vom Schiff sowie von Anholt in einem chinesischen Labor untersuchen lassen zu haben. Ihrer Darstellung nach seien die Unterschiede so groß gewesen, dass die DNA angeblich nicht einmal derselben Tierart zugeordnet werden könne. Gleichzeitig räumte sie ein, selbst keine Fachkenntnisse bei DNA-Analysen zu besitzen.
Die Tierärztin Anne Herrschaft, ebenfalls Teil der Initiative, widersprach dieser Deutung damals deutlich. Für sie habe kein Zweifel bestanden, dass der vor Anholt gefundene tote Wal mit dem zuvor von der Insel Poel aus Richtung Nordsee geschleppten Tier identisch war. Sie verwies auf eindeutige äußerliche Merkmale, die sie wiedererkannt habe. Außerdem sei sie dabei gewesen, als Taucher den Sender vom Kadaver entfernten.

Auch die Tracking-Daten stützten diese Einschätzung. Der von der Initiative angebrachte Sender zeigte demnach, dass der Wal nach seiner Freilassung erneut in Richtung Ostsee unterwegs war. Kurz vor Anholt brach das Signal ab. Da ein Tracker nur sendet, wenn sich das Tier an der Wasseroberfläche befindet, gilt ein verstummtes Signal als mögliches Zeichen dafür, dass der Wal verendet und abgesunken war.
Der Weg von Timmy
Erstmals gesichtet wurde der Buckelwal am 3. März in Wismar. Am 23. März entdeckte man ihn auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand; in der Folge strandete das Tier mehrfach erneut. Ab dem 31. März hielt sich der stark geschwächte Wal vor der Insel Poel auf. Am 28. April begann schließlich der Versuch, ihn Richtung Nordsee zu bringen. Rund 70 Kilometer vor Skagen wurde das Tier am 2. Mai im Skagerrak freigelassen. Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde das Buckelwal-Weibchen tot vor Anholt gefunden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber