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Nach Sturzflut: Schlamm stoppt Retter in Nepal

Schlamm stoppt Helikopter, Tunnel werden zur Falle: Im Himalaya kämpfen Retter ums Weiterkommen – doch Tausende sind gerettet.

29.08.2026, 00:05 Uhr

Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya hat die nepalesische Armee ihre Such- und Rettungseinsätze weiter ausgeweitet. Im Grenzgebiet zwischen Nepal und China bleiben die Bedingungen jedoch äußerst schwierig. Als größtes Hindernis gelten gewaltige Schlamm- und Geröllmassen, die die Flut hinterlassen hat. Nach Angaben von Armeesprecher Raja Ram Basnet erschweren sie Starts und Landungen von Hubschraubern in Orten wie Temure, Syabrubesi und Mailung erheblich.

Der Armee zufolge sind in der Region unter anderem 14 Rettungshubschrauber im Einsatz. Betroffene werden fortlaufend in das Armeecamp und Trainingslager in Battar Bazar ausgeflogen, viele von ihnen waren zuvor von der Außenwelt abgeschnitten. In Nepal übernimmt das Militär bei Naturkatastrophen vor allem Such- und Rettungsaufgaben.

Mehr als 670 Tote und rund 3.000 Vermisste

Die Zahl der Todesopfer in Nepal und China liegt inzwischen bei mehr als 670. Zugleich werden nach Behördenangaben in beiden Ländern zusammen rund 3.000 Menschen vermisst, darunter Hunderte Ausländer. Nepals Außenminister Shishir Khanal sprach von etwa 2.426 Vermissten in seinem Land, die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete für Tibet 554 weitere Vermisste.

Auch von deutschen Staatsbürgern fehlt weiterhin jede Spur. Das Auswärtige Amt in Berlin sprach von einer hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger, zu denen derzeit kein Kontakt besteht. Die deutschen Auslandsvertretungen in Nepal und China stehen nach eigenen Angaben mit Angehörigen und lokalen Behörden in engem Austausch.

Deutsche Familie in Sicherheit gebracht

Bereits am Freitag konnte die nepalesische Armee eine vierköpfige Familie aus Deutschland in Sicherheit bringen. Ein Hubschrauber flog sie in das Armeecamp Battar Bazar, nachdem ihr Aufenthaltsort auf dem Landweg nicht mehr erreichbar war.

Starker Regen erschwert Rettungsarbeiten

Neben den Schuttmassen behindern auch kräftige Regenfälle die Einsätze. Nach Beobachtung eines dpa-Reporters regnete es in der Region teils heftig. Nepal und weite Teile Asiens befinden sich weiterhin in der Monsunzeit, die üblicherweise bis September andauert.

„Ist da jemand?“ – Suche am zerstörten Grenzübergang

Besonders dramatische Szenen spielen sich auf chinesischer Seite des Katastrophengebiets ab. Rund um den zerstörten Grenzübergang Gyirong kämpfen sich Rettungskräfte durch meterhohen Schlamm und Trümmer. Immer wieder halten sie inne, beugen sich über die Erdmassen und rufen nach möglichen Überlebenden: „Ist da jemand?“ Aufnahmen aus chinesischen Medien zeigen, wie Helfer mit Schaufeln Geröll durchsuchen und auf Lebenszeichen lauschen.

Nach bisherigen Einschätzungen von Fachleuten wurde die Katastrophe in Nepal wahrscheinlich durch einen Gletscherabbruch ausgelöst. Die Flut schoss am Mittwoch durch ein enges, steiles Flusstal und riss den wichtigen Grenzposten mit sich fort. Der Übergang liegt an einer zentralen Route für Tourismus und Handel zwischen Nepal und China.

Verschüttete in Tunneln vermutet

Eine weitere große Herausforderung sind Tunnel in den Bergen, in denen noch Menschen eingeschlossen sein sollen. Am Freitagmorgen konnten nach Angaben des Armeesprechers zunächst nur vier Personen aus solchen Tunneln gerettet werden. Es wird befürchtet, dass sich dort noch zahlreiche weitere Menschen befinden.

Außenminister Khanal erklärte, ein indisches Team sei eingetroffen, um bei der Rettung von Arbeitern in einem Tunnel eines Wasserkraftwerks im Distrikt Rasuwa zu helfen. Inzwischen ist laut chinesischen Angaben auch ein fünfköpfiges Expertenteam aus China für Tunnelrettungen vor Ort.

Zuvor war auf Videoaufnahmen zu sehen, wie Soldaten zwei Arbeiter, die vollständig mit Schlamm bedeckt waren, lebend aus einem Tunnel an einem Wasserkraftwerk holten. Helfer trugen die Männer anschließend auf dem Rücken zu einem Hubschrauber.

Leichen kaum identifizierbar

In Nepal wurden zudem viele Leichen weit entfernt vom eigentlichen Katastrophengebiet entdeckt. Allein im südlich gelegenen Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien wurden nach Angaben der Bezirksverwaltung 233 Leichen geborgen. Bislang konnten davon nur vier identifiziert werden.

Viele Tote wurden von den Wassermassen Dutzende Kilometer weit mitgerissen. Nach Angaben des zuständigen Bezirksbeamten Ganesh Aryal verwesen Leichen und menschliche Überreste zunehmend. Gesundheitsexperten warnen deshalb vor Risiken für die öffentliche Gesundheit. Die Behörden ordneten an, vor Bestattungen DNA-Proben zu entnehmen. Nicht identifizierte Opfer sollen anschließend an einem Ort im nepalesischen Devghat beigesetzt werden.

Angst vor Infektionskrankheiten

In den überfluteten Gebieten wächst die Sorge vor Infektionskrankheiten. Abwasser und Fäkalien können in Trinkwasserquellen gelangen, beschädigte Latrinen und überflutete Kläranlagen verschärfen die hygienische Lage. In Notunterkünften steigt das Risiko zusätzlich, wenn es an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen fehlt. Besonders gefürchtet wird Cholera, ausgelöst durch das Bakterium Vibrio cholerae.

Gefahr durch angestauten See bleibt reduziert

Sorge bereitet den chinesischen Rettungskräften weiter ein See, der sich oberhalb von Gyirong infolge der Sturzflut aufgestaut hatte. Wäre der provisorische Damm aus Geröll und Schlamm gebrochen, hätte erneut eine Flutwelle durch das Tal rasen können.

Nach Angaben chinesischer Behörden hat sich die Gefahr inzwischen jedoch deutlich verringert. Demnach fließt Wasser bereits auf natürlichem Weg ab. Die Lage wird weiter beobachtet.

Auch in Indien werden Tote geborgen

Inzwischen werden auch im benachbarten Indien mögliche Opfer der Flut geborgen. Im Bundesstaat Uttar Pradesh wurden nach Berichten indischer Medien zehn Leichen aus dem Gandak-Fluss gezogen, die vermutlich aus Nepal angeschwemmt wurden. Der Fluss führt zudem Fahrzeuge, Hausrat und weitere Trümmer mit sich.

Fast 7.800 Menschen gerettet

Trotz der schwierigen Lage gibt es auch eine positive Entwicklung: Bis Samstag bezifferte die nepalesische Katastrophenschutzbehörde die Zahl der Geretteten auf fast 7.800. Darunter waren nach offiziellen Angaben bislang 227 Ausländer.

Wie lange die Rettungsarbeiten noch andauern werden, ist weiter unklar. In der beliebten Bergregion werden nach wie vor zahlreiche Menschen vermisst, darunter viele Ausländer.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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