Rhein stellt Unicredit Bedingungen bei Commerzbank-Plänen
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat sich mit Unicredit-Chef Andrea Orcel über die angestrebte Übernahme der Commerzbank ausgetauscht und dabei klare Erwartungen formuliert. Ein Sprecher der italienischen Bank bestätigte das Treffen und sprach von einem konstruktiven Gespräch. Unicredit habe in den vergangenen Wochen immer wieder betont, den direkten Kontakt zur Politik zu suchen, hieß es.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verlangt die hessische Landesregierung, dass sowohl der juristische Sitz als auch der Vorstand der Commerzbank in Frankfurt verbleiben. Zudem solle das Institut weiter als Aktiengesellschaft nach deutschem Recht bestehen. Zentrale Bereiche des Bankgeschäfts müssten in Frankfurt angesiedelt bleiben, und eine Verlagerung des Firmenkundengeschäfts zur Hypovereinsbank (HVB) komme aus Sicht des Landes nicht infrage. Rhein habe außerdem die große Bedeutung der Commerzbank und ihrer Arbeitsplätze für den Finanzplatz Frankfurt hervorgehoben.
Politischer Druck im Übernahmekampf wächst
Damit gewinnt der Streit um die Zukunft der Commerzbank auch politisch an Dynamik. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Orcel für den 14. September zu Gesprächen nach Berlin eingeladen. Der Bund hält noch etwas mehr als zwölf Prozent an der Commerzbank und hat damit im Ringen um die Bank ein gewichtiges Mitspracherecht. Die Beteiligung stammt noch aus der Zeit der staatlichen Rettungsmaßnahmen während der Finanzkrise.

Orcel sieht in einer Übernahme erhebliche Einsparmöglichkeiten in Milliardenhöhe, verbunden mit dem Abbau von mehreren Tausend Stellen. Darüber hinaus plant er, das internationale Netzwerk der Commerzbank zu verkleinern. Innerhalb der Bank wächst deshalb die Sorge vor tiefgreifenden Einschnitten. In Frankfurt wird zudem befürchtet, dass die Commerzbank langfristig mit der HVB zusammengeführt werden könnte und dadurch auch München als möglicher Hauptsitz ins Spiel käme.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber