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Artemis-Hammer: Italiener statt Deutscher – was nun?

Eigentlich sollte ein Deutscher als erster Europäer bei Nasa-«Artemis» mitfliegen. Warum bekam plötzlich ein Italiener den Platz?

09.06.2026, 19:52 Uhr

Italiener statt Deutscher: Luca Parmitano fliegt mit der Nasa bei „Artemis 3“

Nicht ein deutscher Astronaut, sondern überraschend der Italiener Luca Parmitano wird als erster Europäer an einer Nasa-Mission des „Artemis“-Programms teilnehmen. Das gab die US-Raumfahrtbehörde bekannt. Parmitano gehört demnach zur vierköpfigen Besatzung von „Artemis 3“ an.

Dass überhaupt schon bei dieser Mission ein Europäer dabei ist, kam ebenfalls unerwartet. Der Flug ist für 2027 geplant. Neben Parmitano sollen auch die US-Astronauten Andre Douglas, Frank Rubio und Randy Bresnik mitfliegen. Bresnik übernimmt laut Nasa das Kommando, Parmitano ist als Pilot vorgesehen, Douglas und Rubio als Missionsspezialisten.

Keine Mondlandung mehr geplant

Im Unterschied zu früheren Planungen soll „Artemis 3“ nicht auf dem Mond landen. Vorgesehen ist stattdessen, das Andocken der Raumkapsel „Orion“ an ein oder mehrere Mondlandesysteme zu erproben.

Warum nun schon bei „Artemis 3“ ein Europäer an Bord ist und nicht erst ab „Artemis 4“, blieb zunächst offen. Ebenso unklar ist, ob ein deutscher Esa-Astronaut weiterhin für eine spätere Mondmission vorgesehen ist oder ob darüber neu mit der Nasa verhandelt werden muss.

Was war bisher angekündigt?

Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher hatte Ende 2025 erklärt, die ersten Europäer auf einer Mondmission würden Astronauten aus Deutschland, Frankreich und Italien sein. Nach seinen damaligen Aussagen sollte Deutschland zuerst zum Zug kommen. Die deutschen Esa-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer hatten mehrfach betont, dass sie einen Flug zum Mond sehr gern übernehmen würden.

Italiener soll bei nächster «Artemis»-Mission mitfliegen
Parmitano zeigte sich merklich bewegt. (Archivbild) Quelle: Sergei Ilnitsky/EPA POOL/dpa

War die frühere Ankündigung also falsch?

Das hängt von der Auslegung ab. Parmitano ist zwar nun der erste Esa-Astronaut in einer „Artemis“-Mission, doch diese Mission führt nicht bis zum Mond. Nasa-Chef Jared Isaacman hatte Ende Februar einen Kurswechsel angekündigt: „Artemis 3“ soll zwar 2027 starten, aber nicht wie ursprünglich vorgesehen auf der Mondoberfläche landen.

Stattdessen soll „Orion“ in einen niedrigen Erdorbit fliegen. Dort soll die Crew die Kopplung mit Mondlandefähren testen. Isaacman begründete das mit dem Wunsch nach einem schnelleren Programmablauf. Angesichts wachsender Konkurrenz, vor allem durch China, müsse die Nasa Tempo machen und Verzögerungen abbauen.

Warum fliegt Parmitano und nicht Gerst oder Maurer?

Luca Parmitano (49), Alexander Gerst (50) und Matthias Maurer (56) haben alle Erfahrung mit Raumflügen. Parmitano war 2013 und 2019 auf der ISS, Gerst 2014 und 2018, Maurer 2021. Aschbacher lobte Parmitano als ideale Besetzung für die Pilotrolle, nannte aber keine konkreten Gründe, warum der Italiener ausgewählt wurde und nicht einer der beiden Deutschen.

Parmitano ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er wurde an der Akademie der italienischen Luftwaffe ausgebildet, arbeitete als Testpilot und verfügt über einen Abschluss in experimenteller Flugtesttechnik. Seit 2009 ist er Esa-Astronaut und war mehrfach an Andockmanövern mit der ISS beteiligt.

Mit seinem Namen ist zudem ein beinahe tragischer Vorfall der Raumfahrt verbunden: Bei einem Außeneinsatz im Jahr 2013 lief Wasser in seinen Helm. Parmitano konnte sich damals nur knapp in Sicherheit bringen.

Wie entscheidet die Esa über die Plätze?

Ein wichtiger Faktor ist die Finanzierung. Deutschland, Frankreich und Italien gehören zu den größten Geldgebern der Esa. Deshalb war schon länger erwartet worden, dass Astronauten aus diesen Ländern bei künftigen Mondflügen berücksichtigt werden. Deutschland als größter Beitragszahler hatte seine Unterstützung zuletzt deutlich erhöht – auf 5,4 Milliarden Euro, nach 3,5 Milliarden Euro in der vorherigen Dreijahresperiode.

Gab es nicht gerade erst eine Mission in Mondnähe?

Doch. Anfang April waren erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen in die Nähe des Mondes geflogen – allerdings ohne Landung. Zur Crew von „Artemis 2“ gehörten drei US-Amerikaner und ein Kanadier.

Bei der Vorstellung der „Artemis 3“-Besatzung in Houston standen auch Mitglieder von „Artemis 2“ mit auf der Bühne und übergaben symbolisch den Staffelstab an ihre Nachfolger. Nasa-Managerin Nicky Fox sagte dazu sinngemäß, bei „Artemis 2“ habe die Freude über den Mond im Vordergrund gestanden, bei „Artemis 3“ gehe es nun um die Erde.

Welche Raumfahrzeuge gehören zum „Artemis“-Programm?

Die Missionen starten mit der Schwerlastrakete SLS (Space Launch System), der leistungsstärksten Rakete, die die Nasa bisher entwickelt hat. Die Astronauten reisen in der Kapsel „Orion“. Deren europäisches Servicemodul, das unter anderem Sauerstoff, Wasser und Strom liefert, wird im Airbus-Werk in Bremen gebaut. „Orion“ fliegt weitgehend automatisiert.

Anders als bei früheren Nasa-Großprojekten sind im „Artemis“-Programm auch private Firmen stark eingebunden. Blue Origin von Jeff Bezos und SpaceX von Elon Musk sollen Mondlandesysteme entwickeln.

Blue Origin hatte allerdings Ende Mai einen Rückschlag erlitten, als die Schwerlastrakete „New Glenn“ bei einem Routinetest in Cape Canaveral explodierte. Nach Angaben des Unternehmens laufen die Untersuchungen, zugleich werde mit Hochdruck daran gearbeitet, den Zeitplan einzuhalten.

Was wird aus dem „Lunar Gateway“?

Ursprünglich war im „Artemis“-Programm auch die Raumstation „Lunar Gateway“ vorgesehen – ein Außenposten im Mondorbit, der als Zwischenstation für Flüge zum Mond und später womöglich auch zum Mars dienen sollte. Die Esa ist an diesem Projekt wesentlich beteiligt und liefert mehrere zentrale Bauteile.

Im März hatte Isaacman jedoch erklärt, diese Pläne würden zumindest vorerst auf Eis gelegt. Ob „Lunar Gateway“ am Ende überhaupt gebaut und genutzt wird, ist derzeit weiter offen.

Kommen die USA wirklich zuerst zurück auf den Mond?

Sicher ist das nicht. Isaacman hatte betont, im geopolitischen Wettlauf zähle inzwischen jeder Monat. Fachleute halten es für möglich, dass China bei der Rückkehr von Menschen zum Mond schneller sein könnte als erwartet. Peking verfolgt das Ziel, bis 2030 bemannte Missionen dorthin zu schicken.

Nach aktuellem Nasa-Plan könnten „Artemis 4“ und „Artemis 5“ im Jahr 2028 sogar zwei Mondlandungen bringen. Allerdings war das Programm in der Vergangenheit immer wieder von Verzögerungen geprägt. Isaacman zeigte sich dennoch überzeugt, dass die USA noch vor Ende 2028 wieder Menschen auf den Mond bringen werden.

Ein ehrgeiziges Programm mit langer Vorgeschichte

Das nach der griechischen Mondgöttin benannte „Artemis“-Programm wurde 2017 vorgestellt. Ursprünglich war vorgesehen, bereits 2024 mit „Artemis 3“ wieder Menschen auf dem Mond landen zu lassen.

Der erste Mensch auf dem etwa 400.000 Kilometer entfernten Erdtrabanten war Neil Armstrong am 20. Juli 1969. Zuletzt verließ Eugene Cernan den Mond am 14. Dezember 1972. Insgesamt brachten die USA im Rahmen des „Apollo“-Programms zwölf Astronauten auf die Mondoberfläche.

Warum ist der Mond strategisch so bedeutend?

Für Staaten wie die USA und China steht eine Rückkehr zum Mond für technologische Stärke und geopolitischen Einfluss. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Schlüssel, um eigene Interessen in der Raumfahrt abzusichern und internationale Kooperationen mitzugestalten. Auch Russland verfolgt weiter Mondpläne, kämpft aber wegen wirtschaftlicher Probleme mit Verzögerungen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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