EZB: Bargeld bleibt im Euroraum weit verbreitet, verliert aber an Komfort
In Geschäften, Restaurants und Hotels im Euroraum ist Bargeld weiterhin stark verbreitet: Nach einer Umfrage der Europäischen Zentralbank akzeptieren 92 Prozent der Unternehmen Scheine und Münzen. Gleichzeitig setzt sich jedoch der Trend zu bargeldlosen Zahlarten fort. Die EZB betrachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen.
Die Notenbank betont, dass Bargeld auch in Zeiten zunehmender Automatisierung eine realistische und alltagstaugliche Bezahlmöglichkeit bleiben müsse. Neue Kassensysteme und digitale Abläufe dürften nicht dazu führen, dass Barzahlungen schleichend erschwert werden.
Selbstbedienungskassen könnten Bargeld ins Abseits drängen
Für die Erhebung wurden 8.205 Unternehmen in den 21 Ländern des Euroraums befragt. Rund ein Viertel gab an, in Technologien investiert zu haben, die etwa unbare Zahlungen fördern oder die Zahl klassischer Kassen mit Bargeldannahme verringern. 13 Prozent der Betriebe haben inzwischen Selbstbedienungskassen eingeführt.
Auffällig ist dabei: Von diesen Unternehmen akzeptieren 48 Prozent an ihren SB-Kassen kein Bargeld. Nach Einschätzung der EZB könnte das Folgen für die Wahrnehmung der Kundschaft haben. Selbst wenn ein Betrieb Bargeld grundsätzlich noch annehme, könne dessen Nutzung unattraktiver erscheinen, wenn das Bezahlen mit Scheinen und Münzen weniger bequem geworden sei.
Viele Betriebe wollen Bargeld behalten – aber nicht überall
Die Mehrheit der Unternehmen, die derzeit Bargeld annimmt, will dies auch in den kommenden fünf Jahren tun. Dieser Anteil liegt bei 92 Prozent. In einigen Ländern ist die Unsicherheit jedoch deutlich größer: In Zypern können sich 51 Prozent der Befragten vorstellen, Bargeld künftig nicht mehr zu akzeptieren. In Griechenland sind es 23 Prozent, in Bulgarien 18 Prozent.

In Deutschland, wo 904 Unternehmen an der Befragung teilnahmen, liegt dieser Wert bei unter 10 Prozent. Die Daten wurden zwischen dem 23. Februar und dem 10. April 2026 erhoben.
EZB fordert aktives Gegensteuern
Aus Sicht der EZB sind Politik und zuständige Behörden gefordert, rechtzeitig gegenzusteuern. Ziel müsse sein, dass Euro-Banknoten und Euro-Münzen auch in Zukunft in allen Branchen und Mitgliedstaaten als attraktives und akzeptiertes Zahlungsmittel erhalten bleiben.
Kartenzahlung stabil, mobile Zahlungen legen stark zu
Bei Kartenzahlungen zeigt sich im Vergleich zu einer EZB-Studie aus dem Jahr 2024 kaum Veränderung: 88 Prozent der Unternehmen akzeptieren weiterhin diese Bezahlform. Deutlich stärker gewachsen ist dagegen das mobile Bezahlen per Smartphone oder Smartwatch. Hier stieg der Anteil der Betriebe binnen zwei Jahren von 36 auf 68 Prozent.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber