Wirtschaft

Weltbank warnt: 2026 droht globaler Wachstums-Tiefpunkt

Droht der nächste Wirtschaftsschock? Der USA-Iran-Konflikt treibt Inflation und Energiepreise hoch – einige Länder trifft es hart.

11.06.2026, 15:32 Uhr

Die Weltbank erwartet wegen des Kriegs mit Iran eine deutlich stärkere Belastung für die Weltwirtschaft als bislang angenommen. In ihrem neuen Bericht senkte sie die Prognose für das globale Wachstum im Jahr 2026 um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Zum Vergleich: 2025 hatte die Weltwirtschaft noch um 2,9 Prozent zugelegt.

Auslöser der schwächeren Aussichten sind laut Weltbank vor allem die hohe Inflation und gestiegene Energiepreise. Hintergrund ist, dass der Schiffsverkehr und der Rohstoffhandel in der Straße von Hormus infolge des Konflikts nahezu zum Stillstand gekommen sind. Als die bisherigen Schätzungen im Januar veröffentlicht wurden, war diese Eskalation im Nahen Osten noch nicht absehbar.

Weltbank warnt vor zusätzlichem Risiko

Die angespannte Lage auf den Energiemärkten treibt nach Einschätzung der Experten die Inflation weiter nach oben. Für das laufende Jahr rechnet die Weltbank nun mit einer Teuerungsrate von 4,0 Prozent, nachdem sie 2025 noch bei 3,3 Prozent gelegen hatte. Sollten die Lieferprobleme länger anhalten als derzeit erwartet, könnte die Inflation sogar auf 4,4 Prozent steigen.

In einem solchen Szenario würde sich auch das weltweite Wachstum erheblich abschwächen: Für das laufende Jahr wäre dann nur noch ein Plus von 1,3 Prozent möglich.

Bereits im April hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Erwartungen zurückgenommen und die Wachstumsprognose für 2026 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent gesenkt. Für viele Länder wurden die Aussichten ebenfalls verschlechtert. Der IWF machte jedoch deutlich, dass diese Annahmen nur gelten, wenn der Krieg in Dauer, Intensität und Ausmaß begrenzt bleibt und die wirtschaftlichen Verwerfungen bis Mitte 2026 wieder nachlassen. Eine neue Einschätzung will der Fonds im Juli vorlegen.

Besonders harte Folgen für ärmere Staaten

Nach Angaben der Weltbank wurden seit Januar bei rund zwei Dritteln aller Volkswirtschaften die Wachstumsaussichten nach unten korrigiert. Während Verbraucher in Industrieländern vor allem höhere Spritkosten spüren, treffen die Folgen die ärmsten Staaten wesentlich härter.

Für wirtschaftlich schwache Länder bedeutet das laut Weltbank: Bis Ende 2026 könnte ein Viertel der Entwicklungsländer ärmer sein als noch 2019. Unter den Staaten mit niedrigen Einkommen dürfte dieser Anteil sogar bei einem Drittel liegen. In fragilen und von Konflikten betroffenen Ländern könnte nach Berechnungen der Institution etwa die Hälfte bis Jahresende weniger Einkommen zur Verfügung haben als vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Weltbank stellt weitere Hilfen in Aussicht

Die Weltbank versucht zugleich, die betroffenen Länder finanziell zu stützen. Direkt nach Beginn der Krise wurden bereits 20 bis 25 Milliarden US-Dollar an Soforthilfe bereitgestellt. Nun kündigte die Entwicklungsbank an, 50 bis 60 Milliarden US-Dollar mobilisieren zu wollen, um Regierungen in Entwicklungsländern sowie landwirtschaftliche Betriebe zu unterstützen. Ein Teil der Mittel soll aus laufenden Projekten umgeschichtet werden.

Sollte der Konflikt andauern und die wirtschaftlichen Folgen sich verschärfen, könnte die Finanzierung der Weltbankgruppe innerhalb von 15 Monaten sogar auf 80 bis 100 Milliarden US-Dollar ausgeweitet werden.

Etwas bessere Perspektiven ab dem kommenden Jahr

Trotz der düsteren Kurzfristaussichten sieht die Weltbank für die Jahre danach eine leichte Erholung. Für das kommende Jahr erwartet sie nun ein Wachstum der Weltwirtschaft von 2,8 Prozent statt der zuvor veranschlagten 2,7 Prozent. Auch für 2028 geht das Institut von 2,8 Prozent aus.

Begründet wird der etwas optimistischere Blick mit der Annahme, dass sich die Energieversorgung normalisiert, Regierungen ihre Geldpolitik lockern und der Welthandel wieder an Dynamik gewinnt. Allerdings läge das Wachstum damit weiterhin unter dem Durchschnitt der 2010er-Jahre. Der IWF rechnet für 2027 weiterhin mit einem weltweiten Plus von 3,2 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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