Wirtschaft

Antennen-TV vor dem Aus? Jetzt wächst Druck

Ab 2031 könnten begehrte Funkfrequenzen neu verteilt werden – und für Millionen TV-Haushalte droht plötzlich das Aus.

11.06.2026, 14:13 Uhr

Deutschlands große Mobilfunkanbieter wollen bislang für das Antennenfernsehen genutzte Frequenzen ab 2031 für den Mobilfunk verfügbar machen. In Berlin stellten Deutsche Telekom, Vodafone und O2 Telefónica dazu eine von ihnen finanzierte Studie von WIK Consult vor. Darin wird empfohlen, bestimmte Frequenzbereiche künftig neu zu vergeben.

Derzeit werden diese Spektren für das Antennenfernsehen genutzt. Sollten sie an den Mobilfunk gehen, käme das faktisch dem Ende des Fernsehempfangs über Antenne gleich. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre eine Nutzung für Mobilfunknetze laut Studie vorteilhafter. Vertreter der drei Unternehmen bekräftigten erneut ihr Interesse an den Frequenzen.

Antennenfernsehen nur noch für einen Teil der Haushalte relevant

Nach Schätzung der Studie empfangen in Deutschland noch rund 2,3 Millionen Haushalte Fernsehen per Antenne. WIK Consult geht dabei von einer sinkenden Tendenz aus. Die meisten Zuschauer nutzen bereits Satellit, Kabel oder Internetangebote, wobei vor allem das Fernsehen über das Netz weiter an Bedeutung gewinnt.

Die ARD widerspricht dieser Darstellung allerdings. Der Senderverbund erklärte, DVB-T2 werde in deutschen Haushalten weiterhin millionenfach genutzt, die Nutzung gehe nicht zurück. Abschaltpläne gebe es nicht.

Studie: Für Verbraucher würden keine Mehrkosten entstehen

WIK-Autor Bernd Sörries betonte, dass Zuschauer öffentlich-rechtliche Programme auch bei einer Abschaltung von DVB-T2 kostenlos online sehen könnten. Aus seiner Sicht gäbe es daher keine zusätzlichen Kosten für Endkunden.

Zugleich verwies er darauf, dass klassisches lineares Fernsehen per Antenne an Attraktivität verliere, während zeitunabhängig abrufbare Inhalte im Internet stärker nachgefragt würden. Den Berechnungen zufolge könnten die öffentlich-rechtlichen Sender innerhalb von zehn Jahren bis zu 369 Millionen Euro einsparen, falls DVB-T2 eingestellt würde.

Entscheidung über künftige Nutzung noch offen

Ob die Mobilfunkunternehmen die gewünschten Frequenzen tatsächlich erhalten, ist weiter offen. Die künftige Nutzung soll im kommenden Jahr auf der Weltfunkkonferenz besprochen werden. Danach wäre die Bundespolitik am Zug.

Hintergrund ist der stark wachsende Datenverkehr im Digitalzeitalter. Die Telekommunikationsanbieter sehen deshalb Bedarf, ihre Netze weiter auszubauen und zu optimieren.

Sicherheitsbehörden melden ebenfalls Bedarf an

Nicht nur die Mobilfunkbranche beansprucht die niedrigen Frequenzen. Auch Sicherheitsbehörden wollen entsprechende Bereiche für einen neuen Behördenfunk nutzen. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben teilte mit, dass sie eine Zuteilung für künftige breitbandige mobile Sprach- und Datenkommunikation anstrebt.

Im Mittelpunkt steht ein Bereich um 600 Megahertz, den die Behörde gemeinsam mit der Bundeswehr verwenden möchte. Andere Frequenzbereiche seien für die geplante BOS-Breitbandkommunikation nach derzeitigem Stand nicht geeignet. BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, etwa die Polizei.

Studie hält eigenes Behördennetz für teuer

Die WIK-Studie bewertet diese Pläne zurückhaltend. Für ein separates Behördennetz müssten demnach rund 23.000 Basisstationen errichtet werden. Laut Sörries würde ein solcher Aufbau mehr als neun Milliarden Euro kosten und länger als zehn Jahre dauern.

Die Mobilfunkanbieter favorisieren stattdessen eine Nutzung ihrer bestehenden Netze durch die Behörden gegen Bezahlung. Nach Angaben der Studie wäre diese Lösung deutlich günstiger und würde rund 1,8 Milliarden Euro kosten.

ARD verteidigt DVB-T2 und verweist auf weitere Nutzung der Frequenzen

In ihrer Reaktion auf die Mobilfunkpläne betonte die ARD die Bedeutung des Antennenfernsehens. Nach Angaben des Senderverbunds werden die für DVB-T2 genutzten Frequenzen zudem dringend für die Medienproduktion benötigt, etwa für drahtlose Mikrofone. Dafür gebe es keinen gleichwertigen Ersatz.

Außerdem hält die ARD zusätzliche Frequenzen für den Mobilfunk nicht für eine nachhaltige Antwort auf das erwartete Datenwachstum. Der Mobilfunk sei bereits umfangreich mit Frequenzen ausgestattet. Entscheidend sei vielmehr eine stärkere Verdichtung der Netze mit vorhandenen Frequenzen. Zusätzliche Bereiche könnten nach Ansicht der ARD allenfalls kurzfristig entlasten.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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