Wirtschaft

VW schockt mit drastischer Gewinnwarnung

VW rutscht tiefer als gedacht: Porsche-Milliardenloch, China-Flaute, Umbaukosten – 2026 droht kaum noch Gewinn.

18.09.2026, 19:40 Uhr

VW senkt Prognose für 2026 deutlich – auch Porsche SE wird pessimistischer

Volkswagen rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit einem wesentlich schwächeren Ergebnis als bislang angenommen. Ausschlaggebend sind vor allem eine milliardenschwere Abschreibung auf Porsche, das schwierige Geschäft in China sowie weitere Kosten für den laufenden Konzernumbau. Nach aktueller Einschätzung dürfte vom Umsatz nur noch maximal ein Prozent als operativer Gewinn übrig bleiben. Zuvor war VW von einer operativen Rendite zwischen 4,0 und 5,5 Prozent ausgegangen. Im Jahr 2025 hatte sie noch 2,8 Prozent betragen.

Nach Angaben des Unternehmens verschlechtert sich das Marktumfeld weiter, besonders in China. Gleichzeitig verlagert sich die Nachfrage schneller als erwartet in Richtung Elektroautos. Für Volkswagen ist das problematisch, weil sich mit E-Fahrzeugen derzeit noch geringere Margen erzielen lassen als mit klassischen Verbrennern. Vor allem bei Audi und der Kernmarke Volkswagen Pkw bleibt die Entwicklung daher hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.

Milliardenbelastung durch Porsche

Zusätzlich drücken hohe Sondereffekte auf das Ergebnis. Für das laufende Jahr kalkuliert der Konzern insgesamt mit Belastungen von rund zehn Milliarden Euro. Etwa 900 Millionen Euro davon wurden bereits im ersten Halbjahr verbucht.

Der größte Einzelposten ist eine Abschreibung auf den Firmenwert der Stuttgarter Sportwagentochter Porsche in Höhe von rund sechs Milliarden Euro. Diese Wertberichtigung ist zwar nicht zahlungswirksam, schmälert aber den operativen Gewinn im dritten Quartal. Hintergrund sind gesunkene Erwartungen an die künftige Entwicklung der Marke.

Porsche, lange Zeit einer der wichtigsten Gewinnbringer im Konzern, kämpft schon seit längerem mit Problemen. Dazu zählen ein Absatzeinbruch in China, die US-Zollpolitik und Kurskorrekturen bei der Elektrostrategie.

Umbau des Konzerns verursacht weitere Kosten

Hinzu kommen weitere Milliardenaufwendungen im Zuge des Konzernumbaus. Dazu zählen unter anderem zusätzliche Vorruhestandsprogramme, die Teil der Ende 2024 mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarten Maßnahmen sind. Bis 2030 will Volkswagen in Deutschland konzernweit 50.000 Stellen abbauen. Davon entfallen 35.000 Jobs auf die Kernmarke, die übrigen auf Tochtergesellschaften. Nach früheren Angaben haben bereits mehr als 37.000 Beschäftigte entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet. Nicht enthalten sind dabei die jüngsten Überlegungen des Vorstands, weltweit weitere 50.000 Stellen zu streichen. Darüber stehen Verhandlungen noch aus.

Belastend wirken außerdem der geplante Verkauf des Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius sowie Pläne von Land Niedersachsen und weiteren Beteiligten, den Standort stärker auf Rüstungsproduktion auszurichten. Dazu kommen nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen bei Gesellschaften in China. Zusammengenommen dürften diese drei Faktoren das zweite Halbjahr mit rund zwei Milliarden Euro belasten.

Volkswagen geht davon aus, dass der Großteil dieser zusätzlichen Sondereffekte im dritten Quartal verbucht wird. Ohne diese Einmaleffekte läge die operative Umsatzrendite 2026 nach Konzernangaben bei etwa 4,0 Prozent.

Auch beim Umsatz wird VW vorsichtiger

Beim Umsatz erwartet der Konzern für 2026 nun rund 315 Milliarden Euro. Das entspräche der Mitte der bisherigen Prognosespanne. Bereits im Juli hatte VW seine Erwartungen zurückgenommen. Statt eines Umsatzanstiegs von bis zu drei Prozent stellt Konzernchef Oliver Blume inzwischen bestenfalls eine stabile Entwicklung in Aussicht. Im ungünstigsten Fall könnten die Erlöse sogar um bis zu drei Prozent sinken. 2025 hatte Volkswagen noch 321,9 Milliarden Euro umgesetzt.

An den Zielen für den Mittelzufluss und die Netto-Liquidität im Automobilgeschäft hält das Unternehmen vorerst fest. Die Prognose basiert allerdings auf der Annahme, dass sich die aktuelle Zollsituation im Welthandel nicht weiter verändert. Mögliche Folgen einer zusätzlichen Eskalation im Nahen Osten sind bislang nicht eingerechnet. Die Zahlen für die ersten neun Monate will Volkswagen am 29. Oktober vorlegen.

Porsche SE senkt ebenfalls ihre Prognose

Die niedrigeren Erwartungen bei Volkswagen schlagen auch auf die Dachgesellschaft Porsche SE durch. Die Holding rechnet nun mit einem Konzernergebnis zwischen minus 0,5 und plus 1,5 Milliarden Euro. Damit liegt die neue Spanne jeweils um zwei Milliarden Euro unter der bisherigen Prognose.

In der Porsche SE mit Sitz in Stuttgart bündeln die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch ihre Beteiligungen an Volkswagen und Porsche. Darüber hinaus investiert die Holding auch in weitere Geschäftsfelder.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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