Verbraucher im Euroraum rechnen infolge des Ölpreisschocks im Zusammenhang mit dem Krieg mit Iran mit weiter hoher Inflation. Nach einer von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Umfrage gingen die Menschen im August für die nächsten zwölf Monate im Durchschnitt von einer Teuerungsrate von 3,0 Prozent aus. Im Juli hatte dieser Wert noch bei 2,9 Prozent gelegen.
Auch für die mittlere Frist sind die Erwartungen gestiegen. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten nun im Schnitt eine Inflationsrate von 2,9 Prozent, nach zuvor 2,7 Prozent. Selbst für einen Zeitraum von fünf Jahren legten die Erwartungen leicht zu.
Hauptursache sind die deutlich höheren Energiepreise infolge des Konflikts. Viele Verbraucher merken den Preisschub vor allem an der Zapfsäule und bei den Heizkosten. Die EZB erklärte dazu, die Unsicherheit über die Inflation in den nächsten zwölf Monaten habe zwar abgenommen, liege aber weiterhin über dem Niveau vor Beginn des Nahostkonflikts.
EZB dürfte Zinsen weiter anheben
Für die Notenbank sind steigende Inflationserwartungen ein wichtiges Warnsignal. Ihr Ziel bleibt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von 2,0 Prozent im Euroraum. Im August lag die Teuerung jedoch bei 3,2 Prozent und damit klar über dieser Marke. Die EZB hatte deshalb zuletzt den wichtigen Einlagenzins auf 2,5 Prozent angehoben. Viele Ökonomen rechnen bis zum Jahresende mit weiteren Zinsschritten.
Steigende Zinsen verteuern Kredite für private Haushalte und Unternehmen. Das kann die Nachfrage bremsen und damit den Preisauftrieb dämpfen. Zugleich belasten höhere Finanzierungskosten aber auch die Wirtschaft im Euroraum. Sollte die EZB zu stark an der Zinsschraube drehen, könnte dies die Konjunktur deutlich schwächen.
Die zugrunde liegende Verbraucherumfrage der EZB, der sogenannte „Consumer Expectations Survey“, wird jeden Monat online durchgeführt. Daran nehmen rund 19.000 Menschen aus elf Euroländern teil, darunter Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien. Die aktuelle Befragung lief vom 6. bis 24. August. Die EZB verwendet die Ergebnisse als Ergänzung zu weiteren Daten für ihre geldpolitischen Entscheidungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber