Wirtschaft

Baugenehmigungen ziehen an – starkes Plus seit Jahresstart

Wohnungsbau überrascht mit kräftigem Plus – doch ausgerechnet jetzt drohen Bauherren neue Stolpersteine. Was steckt dahinter?

18.09.2026, 08:45 Uhr

Im seit Jahren angespannten deutschen Wohnungsbau mehren sich die Zeichen einer Stabilisierung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Juli 22.500 Wohnungen genehmigt. Das waren 1,9 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres.

Damit setzt sich der Aufwärtstrend aus dem ersten Halbjahr fort. Von Januar bis Juni war die Zahl der Baugenehmigungen bereits um gut 15 Prozent gestiegen – so stark wie in einem ersten Halbjahr zuletzt 2016. Die Entwicklung gilt als wichtiger Hinweis darauf, wie sich der Wohnungsmangel und der Druck auf die Mieten künftig verändern könnten.

Neubauten dominieren den Anstieg

Von Januar bis Juli genehmigten die Behörden insgesamt 148.800 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden. Das waren rund 17.000 mehr als im Vorjahreszeitraum, ein Plus von knapp 13 Prozent.

Besonders stark fiel der Zuwachs bei neu geplanten Wohngebäuden aus. In diesem Bereich wurden in den ersten sieben Monaten 121.200 Wohnungen genehmigt, 13,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Auch nach Gebäudearten legten die Zahlen zu. Bei Einfamilienhäusern stieg die Zahl der Genehmigungen um fast zehn Prozent auf 27.900 Wohnungen. Zweifamilienhäuser kamen auf 8.900 genehmigte Wohnungen, was einem Plus von 25 Prozent entspricht. Den größten Anteil hatten erneut Mehrfamilienhäuser: Hier wurden 79.700 neue Wohnungen bewilligt, gut 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bessere Stimmung in der Branche – aber Risiken bleiben

Zuletzt hatte auch das Ifo-Institut über ein freundlicheres Geschäftsklima im Wohnungsbau berichtet. Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher wächst in den Unternehmen die Hoffnung, dass sich die Auftragslage in den kommenden Monaten beleben könnte. Die höheren Genehmigungszahlen gelten dabei als ein wichtiges positives Signal.

Auch Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, bewertet die Entwicklung grundsätzlich als gute Nachricht. Erfahrungsgemäß ziehe mit zeitlicher Verzögerung oft auch der tatsächliche Wohnungsbau an, wenn zuvor mehr Projekte genehmigt worden seien.

Allerdings warnt Dullien vor Gegenwind. Steigende Energiekosten und höhere Finanzierungskosten könnten die Erholung abbremsen. Nach seiner Einschätzung sind die Zinsen für zehnjährige Immobilienkredite seit Jahresbeginn um 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Das mache Bauprojekte teurer und für viele schwerer finanzierbar – mit dem Risiko, dass die Zahl der Genehmigungen wieder gedämpft wird.

Branche mahnt mehr Tempo an

Skeptischer blickt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, auf die Entwicklung. Zwar seien die steigenden Genehmigungen ein positives Signal, die Erholung komme jedoch von einem historisch niedrigen Niveau. Er fordert deshalb, den Neubau-Etat 2027 nicht zu kürzen und vereinfachte, günstigere Baustandards beim sogenannten Gebäudetyp E schneller umzusetzen.

Der Handlungsdruck bleibt hoch: In Deutschland fehlen Schätzungen zufolge rund eine Million Wohnungen. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2012 nicht mehr.

Die Bundesregierung will den Wohnungsbau deshalb mit einem sogenannten Bau-Turbo über schnellere Genehmigungen ankurbeln. Zudem wurden Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wieder aktiviert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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