Nordrhein-Westfalen

Irre: Kölner Toilette verschlingt Hunderttausende

334.000 Euro für eine Kölner Toilette – nur für die Bewachung. Warum die Stadt das zahlt und was jetzt noch folgen soll.

18.09.2026, 18:04 Uhr

Wer die öffentliche Toilette in der Kölner Krebsgasse am Neumarkt nutzt, bekommt einen eher ungewöhnlichen Zusatzservice: Seit 2022 wird die Anlage von Wachpersonal überwacht. Nach Angaben der Stadt soll damit unter anderem verhindert werden, dass drogenabhängige Menschen die Toilette als Konsumraum verwenden.

Hohe Kosten für die Bewachung

Günstig ist diese Lösung nicht. Wie die Stadt mitteilte, fielen allein für die Überwachung zwischen Mai 2022 und Mai 2025 rund 334.000 Euro an. Zu den derzeitigen laufenden Kosten äußerte sich die Verwaltung auf Anfrage zunächst nicht. Über den Fall hatten bereits mehrere Medien berichtet.

Toilette wurde schon einmal geschlossen

Die Anlage selbst wirkt unscheinbar: ein grau verkleideter Toilettenkubus mit Metalltür und Münzeinwurf. Für die Benutzung werden 50 Cent verlangt. Unmittelbar daneben befindet sich ein kleines Wachhäuschen, ebenfalls in Grau gehalten. Von dort aus behalten die Sicherheitskräfte den Zugang im Blick.

Die Stadt hält die Bewachung für erforderlich, um eine missbräuchliche Nutzung zu verhindern – etwa als Ort für Drogenkonsum oder als Schlafplatz. Die Toilette war ursprünglich 2015 eröffnet worden, im selben Jahr aber wieder außer Betrieb gegangen. Erst im Mai 2022 wurde sie erneut geöffnet, diesmal mit Sicherheitsdienst.

Hoffnung auf Entlastung durch Suchthilfezentrum

Die Stadt verweist darauf, dass es in Köln bereits ein vergleichsweise breit aufgestelltes Hilfesystem für drogenkonsumierende Menschen gebe, darunter Drogenkonsumräume und Beratungsangebote.

Öffentliche Toilette in Köln
In einem Zeitraum von drei Jahren waren allein für die Bewachung der Toilette 334.000 Euro fällig. Quelle: Dominik Kotzur/dpa

Zusätzlich ist in der Innenstadt am Perlengraben ein neues Suchthilfezentrum geplant. Dort sollen Betroffene Unterstützung erhalten, zugleich erhofft sich die Stadt eine Eindämmung der offenen Drogenszene und damit eine Entlastung des öffentlichen Raums.

Eine Sprecherin betonte, jeder Konsum, der in einem Drogenkonsumraum und damit im künftigen Suchthilfezentrum stattfinde, erfolge unter sicheren Bedingungen und eben nicht auf der Straße. Die Fertigstellung des Zentrums ist für 2027 vorgesehen. Die veranschlagten Baukosten liegen bei rund 8,72 Millionen Euro.

Auch andere Orte in Köln werden bewacht

Die Toilette in der Krebsgasse ist nicht der einzige Ort in Köln, an dem regelmäßig Sicherheitspersonal im Einsatz ist. Ein weiteres Beispiel ist der Heinrich-Böll-Platz zwischen Dom und Hohenzollernbrücke. Dort wird während Proben und Konzerten der Kölner Philharmonie ebenfalls überwacht.

Der Grund liegt unter dem Platz selbst: Direkt darunter befindet sich der Konzertsaal. Wegen einer unzureichenden Schalldämmung des Dachs dringen Schritte, Rollgeräusche von Koffern oder Skateboards und anderes Poltern in den Saal und stören Aufführungen. Deshalb ist der Platz während Veranstaltungen und Proben gesperrt, und mehrere Wachleute weisen Passanten ab. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler kostet auch diese Maßnahme jedes Jahr Hunderttausende Euro.

Während die Bewachung des Heinrich-Böll-Platzes vorerst unverändert weiterlaufen soll, ist bei der Toilette in der Krebsgasse noch offen, wie es weitergeht. Nach Angaben der Stadt muss darüber der Rat entscheiden. Bis dahin bleibt die bewachte Toilette ein eher außergewöhnlicher Fall im Kölner Stadtbild.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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