Bayern

Behörde zum Lufthansa-Airbus: Massive Störung an Bord

Lufthansa-Airbus setzt in München zu früh auf und wird beschädigt – der neue Bericht überrascht, lässt die Schlüsselfrage aber offen.

23.10.2026, 14:01 Uhr

BFU legt Zwischenbericht zu Lufthansa-Landung in München vor

Mehr als zwei Monate nach der missglückten Landung eines Lufthansa-Airbus in München hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) erste Erkenntnisse veröffentlicht. Demnach setzte das Flugzeug bereits 18,8 Meter vor der Schwelle der Landebahn 26L auf und beschädigte dabei drei Bodenlichter. Zudem wurden sieben Reifen des Hauptfahrwerks in Mitleidenschaft gezogen. Verletzt wurde niemand.

Die BFU bewertet den Vorfall als schwere Störung. Nach dem Flugunfall-Untersuchungs-Gesetz handelt es sich dabei um ein Ereignis, bei dem die Umstände darauf hindeuten, dass es beinahe zu einem Unfall gekommen wäre. Eine endgültige Ursache nennt der Zwischenbericht noch nicht. Der Abschlussbericht wird erst im kommenden Jahr erwartet.

Unwetter und eingeschränkte Sicht

Der Airbus war am 17. August aus San Francisco in München angekommen. An Bord befanden sich laut Bericht 352 Passagiere und 24 Crewmitglieder. Beim Anflug herrschten schwierige Wetterverhältnisse mit Gewitter und Regen. Nach Angaben der Besatzung verschlechterte sich die Sicht im Endanflug deutlich, auch die Beleuchtung von Anflug- und Landebahn war nur eingeschränkt erkennbar.

Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes betrug die Sicht an der Piste rund 800 Meter. Die Piloten selbst schätzten sie jedoch auf höchstens 500 Meter.

Da an der betreffenden Bahn das herkömmliche Instrumentenlandesystem (ILS) nicht verfügbar war, entschied sich die Besatzung für einen sogenannten RNP-Anflug, der auf GPS-Navigation basiert. Dabei unterstützt ein Computersystem die Piloten, indem es die Satellitendaten für den Anflug verarbeitet.

Maschine sank unter die Soll-Flugbahn

Aus den Daten des Flugschreibers geht hervor, dass das Flugzeug im Endanflug zunehmend unter die berechnete Flugbahn geriet. Erst in einer Höhe von etwa 30 Fuß, also rund neun Metern über dem Boden, bemerkte der Kapitän, dass die Maschine zu tief lag. Nur zwei Sekunden später setzte der Airbus noch vor der Pistenschwelle auf.

Dass dabei die Schwellenbefeuerung beschädigt worden war, erfuhr die Besatzung erst nach der Landung. Die Schäden an mehreren Reifen des Hauptfahrwerks wurden schließlich erst an der Parkposition entdeckt und gemeldet.

Zweiter ernster Vorfall auf derselben Bahn

Bereits zwei Tage zuvor hatte es auf derselben Start- und Landebahn einen weiteren kritischen Vorfall gegeben. Eine Maschine von Vietnam Airlines beschleunigte beim Start nicht ausreichend. Der Pilot zog die Nase des Flugzeugs hoch, woraufhin der Jet gerade noch abhob. Rund zwei Stunden später kehrte die Maschine nach München zurück.

Bei der Landung war Rauch am Fahrwerk zu sehen, mehrere Reifen waren geplatzt. Auch in diesem Fall blieben Passagiere und Besatzung unverletzt. Experten zufolge entgingen die rund 270 Fluggäste und die Crew jedoch nur knapp einer Katastrophe.

Warum das Flugzeug beim Start nicht genug Geschwindigkeit aufbauen konnte, ist bislang ungeklärt. Die Airline hatte kurz nach dem Vorfall von einem technischen Problem gesprochen. Auch dieses Ereignis wird weiterhin von der BFU untersucht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen