Wirtschaft

Varta vor Aus in Nördlingen – weil ein Kunde abspringt

Schock bei Varta: Ein Topkunde springt ab, Werk dicht, 350 Jobs weg – und jetzt stellt sich die große Zukunftsfrage.

19.05.2026, 12:43 Uhr

Der Batteriekonzern Varta will seine Fabrik im bayerischen Nördlingen im Herbst schließen. Nach Angaben des Unternehmens springt ein Großkunde ab, der den Standort bislang nahezu vollständig ausgelastet habe. Künftig werde dieser Kunde keine Knopfzellen mehr von Varta beziehen. Damit entfällt nach Unternehmensangaben die wirtschaftliche Grundlage des Werks. Rund 350 Menschen verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz.

Wie ein Sprecher mitteilte, wurden Beschäftigte und Betriebsrat am Morgen über die Entscheidung informiert. Das Unternehmen wolle nun nach sozialverträglichen Lösungen suchen und prüfe zudem, ob einzelne Mitarbeiter an anderen Standorten weiterbeschäftigt werden können. Die Gespräche dazu stünden allerdings noch ganz am Anfang.

Zwar habe Varta in den vergangenen Monaten neue Kunden gewonnen, sagte Vorstandschef Michael Ostermann der Wirtschaftswoche. Diese reichten aber bei weitem nicht aus. „Doch damit lässt sich die Produktion in Nördlingen nicht ansatzweise auslasten“, so Ostermann.

Berichten zufolge will der abspringende Großkunde Batterien der nächsten Generation künftig aus China beziehen. Dass es sich dabei um Apple handeln könnte, wie unter anderem die FAZ und die Augsburger Allgemeine berichten, wollte Varta nicht kommentieren. Laut FAZ soll vor allem der Preis für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen sein. Bei der Qualität sei das schwäbische Unternehmen demnach mindestens auf Augenhöhe gewesen, teils sogar besser.

Aiwanger: Harter Schlag für Schwaben

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bezeichnete die Werksschließung als „harten Schlag“ für Schwaben. Zugleich sprach er von einem weiteren Alarmzeichen für den Industriestandort Deutschland. Für die Menschen, die nun ihre Jobs verlieren, müsse es schnell neue Perspektiven geben.

Der erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit in Nördlingen sei zwar besorgniserregend, sagte Aiwanger. Zugleich verwies er darauf, dass die Arbeitslosenquote im Landkreis Donau-Ries mit 2,5 Prozent weiterhin deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 4,1 Prozent liege. Er zeigte sich zuversichtlich, dass für die Betroffenen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden können.

Der in Ellwangen ansässige Hersteller steckt bereits seit längerer Zeit in Schwierigkeiten. Um eine Insolvenz abzuwenden, hatte Varta im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren nach dem Restrukturierungsgesetz angemeldet. Dieses Instrument soll angeschlagenen Unternehmen ein reguläres Insolvenzverfahren ersparen. In diesem Zusammenhang wurden auch die bisherigen Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Anfang April hatte Varta mitgeteilt, die monatelange Neuaufstellung des Konzerns sei abgeschlossen.

Auch 2024 schrieb Varta erneut rote Zahlen. Mit einem Minus von 64,5 Millionen Euro fiel der Verlust allerdings deutlich geringer aus als im Vorjahr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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