Wirtschaft

Unter 30 und schon Chef: So jung gründet Deutschland jetzt

Deutschlands Gründer werden immer jünger: Unter-30-Jährige starten so oft wie nie – und treiben den überraschenden Boom an.

19.05.2026, 10:00 Uhr

KfW-Studie: Immer mehr junge Menschen starten in die Selbstständigkeit

Statt eines klassischen Angestelltenverhältnisses entscheiden sich zunehmend junge Menschen für die Gründung eines eigenen Unternehmens. Das zeigt der aktuelle Gründungsmonitor der Förderbank KfW. Demnach waren im Jahr 2025 rund 40 Prozent aller Gründerinnen und Gründer in Deutschland jünger als 30 Jahre. Damit wurde der Rekordwert aus dem Vorjahr erneut erreicht. Mehr als jede fünfte Gründung in dieser Altersgruppe entstand direkt aus dem Studium.

Gleichzeitig sank das Durchschnittsalter der Gründer weiter und erreichte 2025 mit 34,2 Jahren einen neuen Tiefstand. Im Vorjahr hatte es noch bei 34,4 Jahren gelegen. Nach Einschätzung der KfW wird die Gründerszene in Deutschland damit immer jünger. Anfang der 2000er Jahre lag das Durchschnittsalter noch zwischen 37 und 38 Jahren, 2005 waren lediglich 24 Prozent der Gründer unter 30.

Allerdings verweist die KfW auch auf einen demografischen Effekt: Weil die Bevölkerung altert und ältere Menschen im Schnitt seltener gründen, wächst der Anteil jüngerer Gründer auch dadurch.

Der KfW-Gründungsmonitor wird seit dem Jahr 2000 jährlich als repräsentative Studie erhoben. Für die Ausgabe 2025 befragte das Institut Verian rund 50.000 Menschen telefonisch und online. Als Gründer gelten dabei Personen, die sich im Haupt- oder Nebenerwerb, freiberuflich oder gewerblich selbstständig machen – etwa durch eine Neugründung, eine Beteiligung oder die Übernahme eines bestehenden Unternehmens.

Selbstständigkeit reizt vor allem Jüngere

Besonders stark ausgeprägt ist der Wunsch nach Selbstständigkeit bei den unter 30-Jährigen. Auf die Frage, ob sie grundsätzlich lieber angestellt oder selbstständig wären, antworteten 36 Prozent dieser Altersgruppe, dass sie die Selbstständigkeit bevorzugen. In keiner anderen Altersgruppe war der Anteil höher. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert bei 26 Prozent. Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 lag der Anteil bei den Unter-30-Jährigen noch bei 30 Prozent.

KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher betonte, der Wirtschaftsstandort Deutschland sei auf kreative und mutige Unternehmerinnen und Unternehmer angewiesen. Zugleich habe die Selbstständigkeit hierzulande nicht den besten Ruf.

Trotz des aktuellen Interesses war die Begeisterung für das Unternehmertum unter jungen Menschen früher noch größer. Anfang der 2000er Jahre hielt etwa die Hälfte der unter 30-Jährigen die Selbstständigkeit für attraktiver als einen festen Job.

Influencer und erfolgreiche Start-ups als Vorbilder

Als einen Grund nennt Schumacher die stärkere Präsenz erfolgreicher Gründer in den Medien. Gerade junge Menschen nähmen Start-up-Unternehmer oder Influencer als Vorbilder wahr, die eine selbstständige Karriere attraktiv erscheinen ließen. Gleichzeitig werde in Deutschland deutlich seltener gegründet als früher. Dadurch fehlten vielen Menschen direkte Vorbilder im persönlichen Umfeld.

Insgesamt stieg die Zahl der Gründungen 2025 auf 690.000. Im Vorjahr waren es 585.000. Treiber dieses Anstiegs waren vor allem Nebenerwerbsgründungen. Viele Menschen suchten in der wirtschaftlich schwierigen Lage nach zusätzlichen Einnahmequellen. So wurden 2025 rund 483.000 Gründungen im Nebenerwerb gezählt – gut ein Viertel mehr als 2024 mit 382.000. Die Zahl der Vollerwerbsgründungen blieb dagegen nahezu unverändert.

Langfristig liegt das Gründungsgeschehen in Deutschland dennoch deutlich unter dem Niveau der Jahrtausendwende. Im Jahr 2002 wurden noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen registriert. Als Ursachen nennt Schumacher neben dem über Jahre starken Arbeitsmarkt auch die alternde Bevölkerung.

Zugleich sieht die KfW noch Potenzial bei Unternehmensübernahmen. Viele Betriebe suchten dringend nach einer Nachfolge. Deshalb sollten nicht nur mehr Menschen über eine Neugründung nachdenken, sondern auch häufiger die Übernahme eines bestehenden Unternehmens in Betracht ziehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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