KfW-Studie: Junge Menschen gründen häufiger – auch aus dem Studium heraus
Immer mehr junge Menschen in Deutschland wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Nach dem aktuellen Gründungsmonitor der Förderbank KfW waren 2025 rund 40 Prozent aller Gründerinnen und Gründer jünger als 30 Jahre. Damit wurde der bereits 2024 erreichte Rekordwert erneut bestätigt. Mehr als jede fünfte Gründung in dieser Altersgruppe entstand direkt aus dem Studium.
Gleichzeitig sank das Durchschnittsalter der Gründer weiter und lag 2025 bei nur noch 34,2 Jahren. Im Jahr zuvor waren es noch 34,4 Jahre. Nach Einschätzung der KfW wird die deutsche Gründerszene damit weiter jünger. Zum Vergleich: Anfang der 2000er Jahre lag das durchschnittliche Alter noch zwischen 37 und 38 Jahren. 2005 waren lediglich 24 Prozent der Gründer unter 30.
Allerdings verweist die KfW auch auf einen demografischen Effekt. Da der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung steigt und diese tendenziell seltener gründen, wächst auch der Anteil jüngerer Gründer.
Der KfW-Gründungsmonitor wird seit dem Jahr 2000 jährlich als repräsentative Studie erhoben. Für die Ausgabe 2025 befragte das Institut Verian rund 50.000 Menschen telefonisch und online. Als Gründer gelten Personen, die sich im Voll- oder Nebenerwerb, freiberuflich oder gewerblich selbstständig machen – etwa durch eine Neugründung, eine Beteiligung oder die Übernahme eines bestehenden Unternehmens.
Selbstständigkeit ist für viele Junge besonders attraktiv
Der Wunsch nach Selbstständigkeit ist bei den Unter-30-Jährigen stärker ausgeprägt als in jeder anderen Altersgruppe. Auf die Frage, ob sie grundsätzlich lieber angestellt oder selbstständig wären, entschieden sich 36 Prozent der Jüngeren für die Selbstständigkeit. Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 lag dieser Wert noch bei 30 Prozent.
KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher betonte, dass Deutschland kreative und mutige Unternehmerinnen und Unternehmer brauche. Sie sorgten für Innovationen und setzten auch etablierte Unternehmen unter Druck. Gleichzeitig habe die Selbstständigkeit hierzulande jedoch nicht den besten Ruf.
Trotz des aktuellen Interesses war die Begeisterung für das Unternehmertum unter jungen Menschen früher noch größer. Anfang der 2000er Jahre hielt etwa die Hälfte der unter 30-Jährigen die Selbstständigkeit für attraktiver als einen festen Angestelltenjob.
Influencer und Start-ups wirken als Vorbilder
Als einen möglichen Grund nennt Schumacher die Sichtbarkeit erfolgreicher Gründer in den Medien. Vor allem junge Menschen nähmen Start-up-Unternehmer oder Influencer als Rollenbilder wahr, die eine selbstständige Karriere attraktiv erscheinen ließen. Gleichzeitig werde in Deutschland heute deutlich seltener gegründet als früher. Dadurch fehlten vielen Menschen Vorbilder im direkten persönlichen Umfeld.
Insgesamt stieg die Zahl der Gründungen 2025 auf 690.000. Im Vorjahr waren es 585.000. Haupttreiber dieses Anstiegs waren Nebenerwerbsgründungen. Viele Menschen suchten in der wirtschaftlich schwierigen Lage beziehungsweise angesichts der Wirtschaftskrise nach zusätzlichen Einnahmequellen. So wurden 2025 rund 483.000 Gründungen im Nebenerwerb gezählt – gut ein Viertel mehr als 2024 mit 382.000. Die Zahl der Vollerwerbsgründungen blieb dagegen nahezu unverändert.
Langfristig liegt das Gründungsgeschehen in Deutschland dennoch deutlich unter dem Niveau der Jahrtausendwende. Im Jahr 2002 wurden noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen registriert. Als Ursachen nennt Schumacher neben der alternden Bevölkerung auch den über viele Jahre starken Arbeitsmarkt, der vielen Menschen attraktive feste Jobs geboten habe.
Zugleich sieht die KfW weiterhin großes Potenzial bei Unternehmensübernahmen. Viele Firmen suchten dringend nach einer Nachfolge. Deshalb sollten nicht nur mehr Menschen über eine Neugründung nachdenken, sondern auch häufiger die Übernahme eines bestehenden Unternehmens in Betracht ziehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion