SC Freiburg vor historischem Abend in Istanbul
Vom ruhigen Südbaden auf die große europäische Bühne: Der SC Freiburg kann seine außergewöhnliche Saison in Istanbul mit dem Gewinn der Europa League krönen. Im Finale gegen Aston Villa am Mittwochabend (21.00 Uhr/RTL) bietet sich den Breisgauern die Chance, Vereinsgeschichte zu schreiben und ihren bemerkenswerten Aufstieg eindrucksvoll zu bestätigen.
Für den Sport-Club ist es womöglich eine einmalige Gelegenheit. Entsprechend groß ist auch die Unterstützung vieler deutscher Fußballfans. Kapitän Christian Günter zeigte sich vor dem Endspiel selbstbewusst und stellte die Frage, warum Freiburg den Pokal nicht holen sollte. Er verkörpert gemeinsam mit Matthias Ginter den Weg, den der Verein seit Jahren konsequent verfolgt.
Lob für den Freiburger Weg
Auch Ginter betonte, dass Finalsiege nicht nur den ganz großen Clubs vorbehalten seien. Der Innenverteidiger sieht im Endspiel einen Beleg dafür, wie stark sich der Verein in den vergangenen Jahrzehnten und besonders in den letzten Jahren entwickelt hat. Nun gehe es darum, die Titel-Lücke endlich zu schließen und das Finale als Signal für eine neue Ära zu nutzen.
Seit dem ersten Bundesliga-Aufstieg vor 33 Jahren hat sich beim SC enorm viel verändert. Damals begann alles mit überschaubaren Mitteln, heute steht Freiburg an der Schwelle zu einer neuen Größenordnung. Ex-Bundestrainer Joachim Löw äußerte großen Respekt für diese Entwicklung. Aus seiner Sicht kann der Club für viele Vereine als Vorbild dienen. Geduld, Kontinuität und gute Entscheidungen hätten diesen Erfolg möglich gemacht.

Bemerkenswert ist auch, dass nicht der FC Bayern, sondern Freiburg die Bundesliga in einem europäischen Finale vertritt. Ein Sieg gegen den favorisierten Premier-League-Club aus Birmingham würde nicht nur den ersten internationalen Titel bedeuten, sondern auch die Tür zur Champions League öffnen.
Hohe Einnahmen möglich
Sportlich und wirtschaftlich steht viel auf dem Spiel. Bereits jetzt hat der SC in dieser Europa-League-Saison rund 33 Millionen Euro an Startgeldern und Prämien eingenommen. Mit einem Finalsieg kämen weitere zehn Millionen hinzu. Noch lukrativer wäre die Teilnahme an der Champions League, die allein durch das Startgeld mehr als 18 Millionen Euro einbringen würde.
Lange galt Freiburg als bewusst bescheidener Verein, der sich lieber kleinredete. Doch Torhüter Noah Atubolu machte klar, dass dieses Bild nicht mehr ganz passt. Wer im Europa-League-Finale steht und seit Jahren regelmäßig um internationale Plätze spielt, sei längst mehr als nur ein kleiner Außenseiter.
Die Fußballschule als Fundament des Erfolgs
Ein entscheidender Baustein bleibt die starke Nachwuchsarbeit. Atubolu ist ebenso ein Eigengewächs wie viele andere Spieler, die diese Entwicklung mittragen. Dazu kommen Rückkehrer wie Ginter, erfahrene Führungspersönlichkeiten wie Günter oder Nicolas Höfler, der nach schwieriger Phase im Halbfinale gegen Sporting Braga wieder entscheidenden Einfluss hatte. Sie alle stehen für den Teamgedanken, der Freiburg seit Jahren auszeichnet.
Auch Trainer Julian Schuster passt perfekt zu diesem Profil. Als früherer Kapitän kennt er den Verein und seine Abläufe genau. Unter ihm hat sich der SC schnell von der Ära Christian Streich emanzipiert und in dieser Saison sogar neue Maßstäbe gesetzt. Clubikone Nils Petersen lobte Schuster dafür, mehr aus der Mannschaft herauszuholen, als viele ihr auf dem Papier zugetraut hätten.
Nachdem Freiburg in den Vorjahren im Europa-League-Achtelfinale noch klar an seine Grenzen gestoßen war, ist das Selbstverständnis inzwischen gewachsen. Zwar kam der Sprung ins Endspiel überraschend, doch die Mannschaft tritt heute deutlich gefestigter auf. Während beim DFB-Pokalfinale 2022 noch die Freude über die bloße Teilnahme überwog, zählt diesmal nur der Gewinn des ersten großen Titels. Der letzte deutsche Sieger dieses Wettbewerbs war Eintracht Frankfurt im Jahr 2022.
Außenseiterrolle als zusätzlicher Antrieb
Trotz der klaren Favoritenrolle von Aston Villa reist Freiburg nicht ohne Zuversicht nach Istanbul. Verteidiger Lukas Kübler sagte, dass der Gegner viele Freiburger wohl kaum kenne. Gerade deshalb wolle man auf dem Platz zeigen, wofür diese Mannschaft steht.
Große Euphorie in der Stadt
In Freiburg selbst ist die Begeisterung riesig. Die 11.000 Tickets für das Finale waren in nur 15 Minuten vergriffen, insgesamt hatten 62.000 Fans Karten angefragt. Atubolu sprach von einer enormen Vorfreude in der ganzen Stadt.
Schon die Szenen nach dem Halbfinaleinzug mit friedlichem Platzsturm, jubelnden Spielern inmitten der Fans und einem emotionalen Julian Schuster machten deutlich, welche Bedeutung dieser Erfolg für den Verein hat. Sollte nun auch noch der Titel folgen, dürfte Freiburg eine Nacht erleben, die in die Clubgeschichte eingeht. Spätestens dann wäre das alte Bild vom kleinen SC endgültig überholt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion