Wirtschaft

Unter drei Millionen: Warum das jetzt zählt

Unter drei Millionen – doch warum der Jobmarkt trotzdem schwächelt, könnte viele überraschen.

30.09.2026, 09:55 Uhr

Arbeitslosigkeit sinkt unter drei Millionen – Erholung erreicht den Arbeitsmarkt weiter nur verzögert

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September wieder unter die Marke von drei Millionen gefallen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg waren 2,994 Millionen Menschen ohne Job. Das sind 67.000 weniger als im August, im Vergleich zum September 2025 jedoch 40.000 mehr.

Die Arbeitslosenquote sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent. Im Vergleich zum September 2025 liegt sie damit aber weiterhin um 0,1 Punkte höher.

„Im September setzt am Arbeitsmarkt üblicherweise die Herbstbelebung ein“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles. Diesmal sei der Start jedoch „schwunglos“ ausgefallen. Die wirtschaftliche Verbesserung komme bislang noch nicht am Arbeitsmarkt an.

Wachstum und Arbeitsmarkt laufen nicht im Gleichschritt

Nach Einschätzung von Nahles zeigt sich erneut ein bekanntes Muster: Konjunktur und Arbeitsmarkt entwickeln sich oft zeitversetzt. Wenn die Wirtschaft in eine Krise gerät, schlagen sich die Folgen erst später in Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nieder. Dasselbe gelte auch für die Erholung.

Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen zwar mit einer langsamen Belebung der deutschen Wirtschaft. Eine echte Trendwende am Arbeitsmarkt erwartet die Arbeitsmarktforschung nach Angaben der Bundesagentur im Schlussquartal 2026 aber noch nicht. Sollte sich der Aufschwung stabilisieren, dürfte sich das mit Verzögerung auch bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit zeigen.

Fachkräfteproblem dürfte zunehmen

Neben der konjunkturellen Schwäche sieht die Bundesagentur ein weiteres wachsendes Problem: Das Arbeitskräftepotenzial schrumpft. Dafür sorgen vor allem die Renteneintritte der geburtenstarken Jahrgänge und eine geringere Zuwanderung nach Deutschland.

Nahles sprach sich deshalb für mehr, aber gesteuerte Zuwanderung aus. Deutschland brauche zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland, insbesondere wenn die Konjunktur wieder stärker anziehe. Aus Sicht der Bundesagentur könnte der Fachkräftemangel in den kommenden fünf Jahren zu einem größeren Problem werden als die aktuelle Arbeitslosigkeit. Die Lage werde bereits jetzt kritisch bewertet, auch weil derzeit mehr Menschen aus Deutschland fortziehen als zuziehen.

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums arbeiten derzeit 6,02 Millionen Menschen ohne deutschen Pass in Deutschland. Das sind 181.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Auch die Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Leonie Gebers, verwies auf die widersprüchliche Lage: Während in manchen Branchen weiterhin viele Stellen wegfielen, werde in anderen Bereichen händeringend Personal gesucht. Die Bundesregierung investiere deshalb in diesem Jahr zusätzlich eine Milliarde Euro zur Unterstützung von Unternehmen.

Arbeitskräftenachfrage bleibt verhalten

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich bislang nur wenig verbessert. Bei der Bundesagentur waren im September 660.000 offene Stellen gemeldet. Das sind 30.000 mehr als vor einem Jahr.

Auch die Unterbeschäftigung ging nur leicht zurück. Saisonbereinigt sank sie im September um 7.000. Insgesamt lag sie bei 3,615 Millionen Menschen und damit lediglich 25.000 über dem Stand des Vorjahresmonats.

Weniger Menschen in der Grundsicherung

Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung erhielten im September 1,082 Millionen Menschen. Das waren 85.000 mehr als im September 2025.

Die Zahl der erwerbsfähigen Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung belief sich im September auf 3,704 Millionen. Das entspricht einem Rückgang um 145.000 im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Deutliche regionale Unterschiede

Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete weiterhin Bremen mit 11,2 Prozent, gefolgt von Berlin mit 10,4 Prozent. Die niedrigsten Werte meldeten erneut Bayern mit 4,2 Prozent und Baden-Württemberg mit 4,7 Prozent.

Mit Thüringen und Brandenburg lagen zudem zwei ostdeutsche Bundesländer unter dem bundesweiten Durchschnitt – beide mit einer Quote von 6,3 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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