Wirtschaft

Inflation über drei Prozent – erstmals wieder seit 2023

Inflations-Schock in Deutschland: Teure Energie treibt die Preise plötzlich über 3 Prozent – was Verbraucher jetzt spüren.

30.09.2026, 14:01 Uhr

Rekordpreise für Sprit treiben Inflation in Deutschland auf 3,3 Prozent

Vor allem stark gestiegene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im September wieder über die Marke von drei Prozent gehoben. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts lagen die Verbraucherpreise 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im August hatte die Teuerungsrate noch 2,9 Prozent betragen.

Damit fiel der Preisauftrieb so stark aus wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Noch höher war die Inflationsrate zuletzt im Dezember 2023 mit 3,7 Prozent. Im Vergleich zum August stiegen die Verbraucherpreise im September um 0,6 Prozent.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sprach von einer sich verfestigenden Inflation. Auch ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann sieht das mit Sorge: Inflationsraten über dem Zielwert könnten auf längere Sicht zum Dauerzustand werden. Unter der Marke von zwei Prozent lag die Inflation in Deutschland demnach zuletzt im Jahr 2020.

Energie treibt die Teuerung

Besonders stark verteuerten sich im September Kraftstoffe und Haushaltsenergie. Dafür mussten Verbraucherinnen und Verbraucher 14,9 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Damit beschleunigte sich der Preisauftrieb bei Energie nach bereits kräftigen Anstiegen in den Vormonaten weiter.

Im Zusammenhang mit dem anhaltenden Iran-Krieg und neuen Sorgen um die weltweite Ölversorgung zogen die Energiepreise zuletzt deutlich an. Zusätzliche Unsicherheit kam durch das Vorrücken der Huthi-Miliz im Jemen an der Meerenge von Bab al-Mandab hinzu. Der Preis für Brent-Öl stieg zeitweise deutlich über 100 Dollar je Barrel, was sich auch an deutschen Tankstellen mit Höchstständen bei E10 und Diesel bemerkbar machte.

Lebensmittel und Dienstleistungen steigen moderater

Deutlich schwächer fiel der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln aus. Sie waren im September nur 0,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, auch wenn die Preise hier zuletzt wieder leicht anzogen.

Dienstleistungen wie Pauschalreisen oder Restaurantbesuche verteuerten sich um 2,7 Prozent. Damit ließ der Preisauftrieb in diesem Bereich im Vergleich zu den Vormonaten weiter nach.

Unternehmen könnten höhere Kosten weitergeben

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar treibt vor allem teure Energie die Inflation nach oben. Ökonomen verweisen darauf, dass länger anhaltend hohe Energiepreise auch andere Güter und Dienstleistungen verteuern können, etwa über höhere Transport-, Kühl- oder Produktionskosten.

Hinzu kommen steigende Importpreise: Sie lagen im August um gut acht Prozent über dem Vorjahreswert und stiegen damit so kräftig wie seit Ende 2022 nicht mehr. Auch Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit oder Niedrigwasser könnten Lieferketten belasten und Preise zusätzlich erhöhen.

Das Ifo-Institut rechnet damit, dass Unternehmen die höheren Energiekosten zunehmend an ihre Kundschaft weitergeben. Nach Einschätzung von Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser haben sich Sprit und Heizöl bereits spürbar verteuert, im Winter könnten auch Strom und Gas nachziehen.

Tankrabatt soll ab Oktober entlasten

Die Bundesregierung will Autofahrerinnen und Autofahrer erneut entlasten. Von diesem Donnerstag an bis zum Jahresende gilt ein neuer Tankrabatt, durch den die Steuern auf Kraftstoffe um rund 17 Cent je Liter sinken.

Das dürfte die Inflation bis zum Jahresende etwas dämpfen. Schon ein früherer Tankrabatt im Mai und Juni hatte die Teuerung vorübergehend gebremst. Nach dessen Auslaufen waren die Spritpreise allerdings wieder gestiegen.

Der Chefökonom des Vermögensverwalters HQ Trust, Michael Heise, erwartet jedoch nur einen begrenzten Effekt: Der Tankrabatt dürfte den Preisauftrieb lediglich um rund 0,2 Prozentpunkte senken. Dass die Inflation in Deutschland im vierten Quartal dennoch etwas über drei Prozent bleibt, hält er für wahrscheinlich.

Inflation dürfte erhöht bleiben

Mittelfristig dürfte die Teuerung in Deutschland nach Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute auf erhöhtem Niveau bleiben. Sie rechnen damit, dass die Inflationsrate von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 steigt.

Immerhin ist ein breiteres Überspringen der Inflation auf weitere Lebensbereiche bislang weitgehend ausgeblieben – zumindest bisher. Dennoch erwarten viele Fachleute anhaltend erhöhten Preisauftrieb.

Steigende Leitzinsen gegen den Inflationsschub

Auch für den Euroraum erwartet die Europäische Zentralbank eine länger anhaltende Inflation oberhalb ihres Ziels von 2,0 Prozent. Vor diesem Hintergrund gehen viele Ökonomen davon aus, dass die EZB den Einlagenzins in diesem Jahr noch ein drittes Mal auf 2,75 Prozent anheben könnte.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite und können so die Nachfrage bremsen, was den Preisauftrieb dämpfen soll. Sparer könnten profitieren, wenn Banken bessere Konditionen weiterreichen. Zugleich steigen damit aber auch die Belastungen für private Haushalte und Unternehmen, die investieren wollen. Fällt der Zinsschritt zu stark aus, könnte das die Konjunktur zusätzlich bremsen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen