Wirtschaft

Menschenhandel? Große Razzia in ganz Deutschland

Razzia in Hotels und Reinigungsfirmen: Zoll und Polizei jagen Schwarzarbeit und Menschenhandel – was finden sie?

30.09.2026, 13:59 Uhr

Bundesweite Razzien in Hotels und Reinigungsfirmen

Wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit, Menschenhandel und Arbeitsausbeutung haben Ermittlerinnen und Ermittler bundesweit Hotels, Unterkünfte, Firmen und Wohnungen durchsucht. Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft waren rund 2.200 Kräfte von Zoll und Polizei im Einsatz.

Inzwischen wurden zehn Verdächtige festgenommen. Unter ihnen ist laut Staatsanwaltschaft auch der mutmaßliche Kopf der Gruppe: Ein 50-Jähriger soll Menschen gezielt nach Deutschland eingeschleust und sie im gesamten Bundesgebiet für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben.

Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen 23 Beschuldigte im Alter von 31 bis 59 Jahren. Der Hauptverdächtige soll seit 2022 mit 22 weiteren mutmaßlichen Bandenmitgliedern zusammengearbeitet haben, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen.

Durchsucht wurde nach Behördenangaben in Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Insgesamt nahmen die Einsatzkräfte mehr als 100 Objekte ins Visier. Unabhängig von den deutschen Maßnahmen veranlasste auch die österreichische Finanzpolizei Kontrollen in Hotels.

Im Fokus der Ermittlungen stehen neben Schwarzarbeit auch mögliche Fälle von Steuerhinterziehung, Sozialversicherungsbetrug und Verstöße gegen den gesetzlichen Mindestlohn. Nach bisherigen Erkenntnissen soll die mutmaßliche Bande zahlreiche Menschen aus Osteuropa, darunter aus der Ukraine und aus Georgien, untergebracht und eingesetzt haben. Dabei sollen gefälschte Dokumente und Ausweise verwendet worden sein. Zudem sollen Löhne und Arbeitsbedingungen deutlich schlechter gewesen sein als bei regulär beschäftigten Kolleginnen und Kollegen.

Laut Staatsanwaltschaft sollen Scheinrechnungen, fingierte Anmeldungen bei Subunternehmen und hohe Bargeldbewegungen die tatsächlichen Beschäftigungsverhältnisse verschleiert haben. Das Amtsgericht Tiergarten ordnete demnach 50 Vermögensarreste an. Vermögenswerte in Höhe von insgesamt 106 Millionen Euro wurden eingefroren.

Die Behörden sprechen von einem empfindlichen Schlag gegen organisierte Arbeitsausbeutung im Reinigungsgewerbe. Für die Ermittlungen wurde die gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“ von Bundespolizei und Hauptzollamt Berlin eingerichtet. Weitere Einzelheiten wollen die beteiligten Behörden am Donnerstag um 11.00 Uhr bekanntgeben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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