Wirtschaft

Tesla-Gewinn schrumpft, Kosten explodieren

Tesla verkauft wieder mehr E-Autos – doch Musks Roboterwette frisst Gewinne. Und was steckt hinter den SpaceX-Gerüchten?

23.07.2026, 04:40 Uhr

Tesla kommt bei Robotern und Robotaxis langsamer voran

Tesla macht bei Elon Musks Zukunftsplan für humanoide Roboter und autonome Taxis offenbar weniger schnelle Fortschritte als zuletzt angedeutet. Der Autobauer spricht inzwischen nicht mehr davon, noch in diesem Jahr mit der Serienfertigung des Roboters Optimus und des fahrerlosen Fahrzeugs Cybercab ohne Lenkrad und Pedale zu beginnen. Stattdessen betonte Musk im Gespräch mit Analysten, wie anspruchsvoll die Entwicklung eines humanoiden Roboters sei. Entsprechend werde die Produktion nur schrittweise hochgefahren.

Gleichzeitig sank der Gewinn von Tesla im vergangenen Quartal, während die Ausgaben für die neuen Vorhaben weiter zulegten. Finanzchef Vaibhav Taneja kündigte an, dass die Investitionen auch in den kommenden zwei bis drei Jahren steigen sollen. Für 2026 stellte er Kapitalausgaben von rund 26 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

Neue Spekulationen über Tesla und SpaceX

Auch Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss von Tesla mit Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX räumte der Konzernchef nicht klar aus. Auf eine entsprechende Frage verwies Musk auf Berührungspunkte zwischen beiden Firmen, erklärte aber zugleich, dass man eine Fusion nicht einfach in einer Telefonkonferenz zu Quartalszahlen besprechen könne. Dafür brauche es ein geordnetes Verfahren. Anschließend verwies Chefjustiziar Brandon Ehrhart auf gemeinsame Projekte, darunter eine Chipfabrik namens Terafab.

Musk führt sowohl Tesla als auch SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen war im Juni an die Börse gegangen. Nach anfänglichen Kursgewinnen liegt die Aktie inzwischen unter dem Ausgabepreis. Bei SpaceX kontrolliert Musk das Unternehmen dank seines größeren Anteils und zusätzlicher Stimmrechte weitgehend. Eine ähnliche Machtposition bei Tesla versucht er seit Jahren zu erreichen. Bereits zuvor hatte SpaceX Musks KI-Firma xAI übernommen; außerdem war die Plattform X schon in xAI eingebracht worden.

Auslieferungen legen deutlich zu

Nach zwei Jahren mit rückläufigem Absatz konnte Tesla zuletzt wieder höhere Auslieferungen melden. Im zweiten Quartal stiegen sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum überraschend stark um etwa 25 Prozent auf 480.126 Fahrzeuge. Der Umsatz wuchs parallel dazu um 26 Prozent auf knapp 28,24 Milliarden Dollar (rund 24,75 Milliarden Euro). Damit übertraf Tesla die Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt nur mit etwa 25,7 Milliarden Dollar gerechnet hatten.

Beim bereinigten Gewinn je Aktie blieb Tesla jedoch weit hinter den Prognosen der Wall Street zurück. Während Analysten im Schnitt 51 Cent erwartet hatten, erreichte das Unternehmen lediglich 33 Cent. Die Aktie gab daraufhin im nachbörslichen US-Handel um rund vier Prozent nach.

Tesla betreibt in Grünheide bei Berlin sein europäisches Werk für das Model Y. Für diesen Standort hatte der Konzern erst vor Kurzem eine Ausweitung der Produktion angekündigt.

Quartalsgewinn unter Druck

Unter dem Strich verdiente Tesla im Quartal gut 1,11 Milliarden Dollar und damit etwa fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Als ein Grund gelten unter anderem Preisnachlässe im wichtigen US-Markt. Hinzu kommt, dass Tesla die teureren Modelle S und X aus dem Programm genommen hat, um im Stammwerk Fremont Kapazitäten für die Produktion von Optimus zu schaffen.

Deutlich gesunken sind außerdem die Einnahmen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten. Sie beliefen sich nur noch auf 146 Millionen Dollar, nachdem es drei Monate zuvor noch 380 Millionen Dollar gewesen waren. Hintergrund ist die Politik von US-Präsident Donald Trump, der mit seinem Vorgehen gegen Abgasgrenzwerte dieses Geschäft stark geschwächt hat. In früheren Jahren hatten solche Erlöse Tesla häufig geholfen, schwächere Phasen zu überstehen.

Zum Quartalsgewinn trug zudem ein Sondereffekt bei: 763 Millionen Dollar stammen aus einem reinen Buchgewinn, weil Teslas Beteiligung an SpaceX durch dessen Börsengang höher bewertet wurde. Nach dem Bilanzstichtag am 30. Juni verlor die SpaceX-Aktie allerdings deutlich an Wert.

Kaum Transparenz bei der Robotaxi-Flotte

Tesla versichert zwar, dass die Einführung seiner fahrerlosen Robotaxis planmäßig verlaufe. Doch auch rund ein Jahr nach dem Start gibt es weiterhin keine offiziellen Angaben dazu, wie groß die Flotte in mehreren US-Städten tatsächlich ist oder wie viele Fahrgäste bereits transportiert wurden.

Als neue Kennzahl nannte das Unternehmen lediglich, dass Teslas autonome Fahrzeuge bislang zusammen 380.000 Meilen beziehungsweise rund 611.000 Kilometer ohne Aufsicht zurückgelegt hätten. Zum Vergleich: Die Robotaxis von Waymo, einer Tochter von Google, kommen derzeit auf etwa zwei Millionen Meilen pro Woche.

Tesla sieht sich dennoch in seinem umstrittenen Ansatz bestätigt, bei selbstfahrenden Autos ausschließlich auf Kameras zu setzen und auf teurere Laser-Radare zu verzichten. Konkurrenten wie Waymo nutzen solche Sensoren, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Musk hatte in der Vergangenheit erklärt, den Markt für autonomes Fahren dominieren zu wollen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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