Handwerk verlangt rasches Ende des Sonntagsbackverbots
Das deutsche Handwerk fordert, das sogenannte Sonntagsbackverbot für Bäcker und Konditoren zügig abzuschaffen. Handwerkspräsident Jörg Dittrich verwies gegenüber der Deutschen Presse-Agentur darauf, dass die geplante Abschaffung bereits im Koalitionsvertrag festgehalten sei. Nun müsse die Politik diese Zusage auch umsetzen. Für Dittrich ist es nicht nachvollziehbar, weshalb darüber weiterhin diskutiert werde.
Er kritisierte vor allem die aus seiner Sicht ungleiche Behandlung verschiedener Anbieter. Während Backstationen etwa an Tankstellen sonntags Teiglinge fertigbacken dürften, sei dies handwerklichen Bäckereien untersagt. Dass ausgerechnet Bäcker am Sonntag nicht in gleichem Umfang backen dürften, bezeichnete er als ungerecht.
Nach Dittrichs Einschätzung wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Es sei übertrieben, die Frage so darzustellen, als hinge davon die Zukunft des Landes ab, ob einige Hundert Beschäftigte sonntags für ein paar Stunden arbeiten. Viele Arbeitnehmer entschieden sich bewusst für solche Einsätze, sagte er, auch wegen attraktiver Zuschläge und der Möglichkeit, an einem anderen Tag frei zu haben.
Derzeit erlaubt das Arbeitszeitgesetz Bäckereien an Sonn- und Feiertagen nur eine Herstellung von Backwaren für bis zu drei Stunden, verbunden mit dem Verkauf am selben Tag. Im Koalitionsvertrag ist vorgesehen, den Ausnahmekatalog für Sonn- und Feiertagsarbeit auf das Bäckerhandwerk auszuweiten. Die Koalitionsspitzen hatten sich Anfang Juli darauf verständigt, die Neuregelung zum 1. Januar 2027 wirksam werden zu lassen.

Gesetzesentwurf steht noch aus
Trotz der politischen Einigung gibt es bislang keinen fertigen Gesetzentwurf. Bereits Mitte Juni war aus dem zuständigen Bundesarbeitsministerium ein erster Entwurf bekannt geworden. Darin war vorgesehen, Beschäftigte an Sonn- und Feiertagen künftig bis zu fünf Stunden für die Herstellung von Backwaren einzusetzen. Hinzu kämen bis zu drei Stunden für das Austragen und Ausfahren.
Aus Ministeriumskreisen hieß es jedoch, der öffentlich gewordene Text befinde sich noch in einem frühen Stadium und werde intern weiter abgestimmt. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hatte den Entwurf kritisiert. Aus Sicht des Verbands droht erneut eine Sonderregelung, die die Wettbewerbsnachteile des Handwerks nicht wirklich beseitigt.
Dittrich wirbt für flexiblere Arbeitszeiten
Neben der Sonntagsarbeit sprach sich Dittrich auch grundsätzlich für mehr Spielraum bei den Arbeitszeiten aus. CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, statt einer täglichen Höchstarbeitszeit künftig stärker eine wöchentliche Obergrenze zu ermöglichen. Gewerkschaften lehnen eine Aufweichung des klassischen Acht-Stunden-Tags jedoch entschieden ab und warnen vor Nachteilen für den Gesundheitsschutz.
Dittrich betonte, niemand wolle den Acht-Stunden-Tag grundsätzlich abschaffen. Angesichts von Digitalisierung, veränderten Lebensmodellen und tiefgreifenden Umbrüchen in vielen Branchen müsse es aber möglich sein, Betrieben und Beschäftigten mehr Flexibilität einzuräumen. Der bisherige Rahmen solle erhalten bleiben, zugleich brauche es Raum für neue Arbeitszeitmodelle.
Zugleich wandte sich der Handwerkspräsident gegen eine aus seiner Sicht zu pauschale Berufung auf den Gesundheitsschutz. Ab einem gewissen Punkt werde dieses Argument zu oft genutzt, um Veränderungen zu blockieren. Belastungen könnten auch bei eintönigen Tätigkeiten schon nach kurzer Zeit entstehen. Deshalb greife es zu kurz, den Schutz der Gesundheit pauschal gegen jede Reform ins Feld zu führen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber