Wetter

Alarm-Studie: Europas Böden trocknen rasant aus

Europas Dürre eskaliert – und es liegt nicht nur am fehlenden Regen. Eine Studie zeigt, welcher Faktor alles verschärft.

23.07.2026, 04:00 Uhr

Die monatelange Hitze und Trockenheit hat eine Dürre in Europa deutlich verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die den Einfluss des Klimawandels untersucht hat. Demnach ist nicht nur fehlender Regen entscheidend, sondern vor allem die stark gestiegene Verdunstung durch hohe Temperaturen. An der Untersuchung der Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) waren auch Fachleute des Deutschen Wetterdienstes beteiligt.

Dominik Schumacher vom Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich erklärte, dass trotz teils höherer Niederschläge im Winter inzwischen schon im Frühjahr vielerorts eine ungewöhnlich starke Austrocknung der Böden zu beobachten sei. Ursache sei die menschengemachte Erwärmung: Mit steigenden Temperaturen wachse der "Durst" der Atmosphäre, die Feuchtigkeit aus Flüssen, Seen, Stauseen und Böden entziehe.

Deutlich höheres Dürrerisiko

Laut der Studie sind landwirtschaftliche Bodendürren in Westeuropa heute etwa fünfmal wahrscheinlicher als vor der Industrialisierung. In Osteuropa, wo trockene Verhältnisse seit rund sechs Monaten anhalten, sei dieses Risiko sogar etwa elfmal so hoch. Niederschlagsdefizite, die früher noch keine Dürre ausgelöst hätten, könnten inzwischen bereits zu Dürrebedingungen führen. In beiden untersuchten Regionen habe der Klimawandel zudem die Intensität der aktuellen Trockenheit erhöht.

Gefahr nimmt mit weiterer Erwärmung zu

Mariam Zachariah vom Imperial College London bezeichnete es als besonders besorgniserregend, dass solche Bedingungen bereits bei einer globalen Erwärmung von 1,4 Grad Celsius auftreten. Sollte die Temperatur infolge weiter hoher Emissionen wie erwartet um 2,8 Grad steigen, könnten diese extremen Verdunstungsbedingungen doppelt so häufig werden. Dürren dieser Art könnten dann zum regelmäßigen Sommerphänomen werden.

Ohne schnelle und konsequente Einschnitte bei den Emissionen drohe Europa laut Zachariah eine Zukunft mit immer wiederkehrenden extrem heißen und trockenen Sommern. Für die Untersuchung werteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwölf europäischen Ländern Entwicklungen bei Niederschlag, Bodenfeuchte und potenzieller Evapotranspiration aus. Diese Kennzahl beschreibt, wie stark die Atmosphäre in der Lage ist, Feuchtigkeit zu verdunsten.

Folgen für Landwirtschaft und Verbraucher

Die Forschenden verweisen auf konkrete Auswirkungen der Trockenheit. Besonders stark betroffen sei die Landwirtschaft. Historisch schlechte Ernten könnten zusammen mit andauernden globalen Konflikten die Lebensmittelpreise weiter nach oben treiben. Haushalte mit niedrigem Einkommen würden davon besonders hart getroffen.

Als Beispiel nennt die Studie die schwächste Maisernte in Frankreich seit 50 Jahren. Zudem haben zahlreiche europäische Länder bereits Notfallmaßnahmen ergriffen und den nicht notwendigen Gebrauch von Trinkwasser eingeschränkt oder zeitweise verboten. Auch das könne den finanziellen Druck auf viele Menschen erhöhen, vor allem auf einkommensschwache Haushalte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen